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Was wir wirklich nicht wissen wollen

Wer zu viele Initimitäten auf Facebook veröffentlicht, muss am Arbeitsplatz aufpassen.

MeinungKarin Kofler

Es gab eine Zeit, da dürstete man im Büro danach, mehr über das Leben von Kolleginnen oder Geschäftspartnern zu erfahren. Es nahm einen wunder, was sie ausserhalb der Arbeit so tun, mit wem sie liiert sind usw. Man ­sammelte peu à peu das eine oder andere Infohäppchen und war glücklich damit.

Heute werden wir zusehends mit Intimitäten bombardiert, die wir gar nicht wissen wollen. «Das neue Jahr hat gerade angefangen und schon jetzt hab ich wieder Einladungen von Langweilern erhalten, die ihren Ehering kurz abgezogen haben. Das letzte Jahr hab ich mit Idioten beendet.» Dieser Post steht im Facebook-Account der Personalchefin einer bekannten Schweizer Firma. Dazu der Hashtag #genugvon­losern. Die gute Frau ist offenbar gerade mächtig sauer auf das andere Geschlecht. Das kann es geben. Aber dass eine Kaderangestellte auf die Idee kommt, die Öffentlichkeit müsse das wissen, erstaunt. Ihrem Ruf in der Firma ist es bestimmt nicht zuträglich.

«Too much information» sagt meine 20-jährige Nichte jeweils, wenn sie mit Dingen konfrontiert wird, die ihr zu persönlich sind. Die Personalchefin sollte daran denken, wenn sie das nächste Mal etwas veröffentlicht. Und für alle übrigen mitteilungsfreudigen Zeitgenossen liste ich gerne ein paar Merksätze für den Umgang mit sozialen Medien auf: — Zwischen Berufs- und Privat­leben gibt es in der digitalen Welt keine chinesische Mauer mehr. Alle Posts müssen auch vor den Arbeitskollegen standhalten. — Für Beziehungsprobleme lieber den Therapeuten oder die beste Freundin statt Facebook wählen. — Schriftlich über den Arbeitgeber lästern ist existenzgefährdend. — Auch der Chef hat Whatsapp – also Vorsicht auch auf diesem Kanal mit peinlichen Profilbildern.

Haben Sie ein Problem im Büro, schreiben Sie an karin.kofler@sonntagszeitung.ch.

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