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Zuerst das Geschäft, dann die Nachhaltigkeit

Der Börsengang der saudischen Aramco zeigt die Widersprüche der angeblichen Nachhaltigkeit des Schweizer Finanzplatzes.

Die Schweizer Credit Suisse könnte beim Börsengang von Aramco bis zu 100 Millionen Dollar auf einen Schlag verdienen. Werbetafel des Ölunternehmens. Foto: AP
Die Schweizer Credit Suisse könnte beim Börsengang von Aramco bis zu 100 Millionen Dollar auf einen Schlag verdienen. Werbetafel des Ölunternehmens. Foto: AP

Mit Investitionen Gutes tun zu wollen, ist nicht erst seit Greta Thunberg in Mode. Pensionskassen, Milliardäre und Staatsfonds legen immer grösseren Wert darauf, dass ihre Gelder nicht in Firmen oder Regimes fliessen, die an der Abholzung des Regenwaldes beteiligt sind, den CO2 erhöhen, in Terrorfinanzierung verwickelt sind, Kinderarbeit tolerieren oder Journalisten umbringen lassen.

Die meisten Banken kommen dem Wunsch ihrer Kunden nach und unterziehen ihre Produktpaletten einem Nachhaltigkeits-Check, setzen Firmen und ganze Branchen auf schwarze Listen, legen spezielle Fonds auf, die dem Gusto des bewussten Investors entsprechen. Und sie bekennen sich zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, dem Goldstandard in Sachen Sustainability.

Und doch: Auf einen richtig guten Deal will kein Banker verzichten. Der Börsengang des weltweit grössten Ölunternehmens aus Saudiarabien, Saudi Aramco, ist so ein Geschäft. Es wird der Credit Suisse, die den Börsengang begleitet, gegen 100 Millionen Dollar einbringen. Eine untergeordnete Rolle spielt dabei, dass das Ölgeschäft an sich und die Politik des Regimes in Riad im Speziellen wohl der Mehrzahl der 17 UNO-Nachhaltigkeitszielen widersprechen dürften.

Man kann sich jetzt natürlich fragen: Wäre es gescheiter gewesen, wenn die CS auf das Geschäft verzichtet hätte, wenn sie einer chinesischen Bank den Vortritt gelassen hätte? Die CS ist ein privates Unternehmen und seine Dienstleistungen unterstehen keinen Exportbeschränkungen wie etwa Rüstungsunternehmen.

Die Frage müssen letztlich die Aktionäre der Bank für sich beantworten – und die auf Nachhaltigkeit erpichten Kunden. Der Börsengang von Aramco zeigt die ganze Widersprüchlichkeit eines Finanzplatzes, der sich nachhaltig geben und gleichzeitig gutes Geld verdienen will.

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