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Auf einmal klappt bei Wacker nichts mehr

Hinten und vorne nix: Wacker Thun unterliegt Pfadi Winterthur 20:33. Es ist die zweite Heimniederlage in Folge. Die Verfassung des Teams stimmt nachdenklich.

Adrian Horn
Prügel bezogen: Die Thuner (Mitte: Simon Huwyler) müssen eine Klatsche einstecken.
Prügel bezogen: Die Thuner (Mitte: Simon Huwyler) müssen eine Klatsche einstecken.
Patric Spahni

Wacker-Trainer Martin Rubin sagt: «Ich dachte, die Niederlage gegen Suhr sei ein Ausrutscher gewesen. Aber offenbar liegen die Probleme tiefer.» Ein Funktionär erzählt: «Eigentlich müssten wir den Zuschauern den Eintritt erstatten.» Und ein Anhänger meint: «Die brauchen einen Mentalcoach!»

20:33 unterlagen die Thuner Pfadi Winterthur, einem in mancherlei Hinsicht angeschlagenen Club, der wegen heftiger finanzieller Probleme um seine Existenz kämpft, im Sommer und im Verlauf der Saison zentrale Spieler verloren hat und gewichtige Ausfälle verzeichnet.

Die Vorstellung des Meisters – sie war mies und phasenweise desaströs, vorab zwischen der 13. und der29. Minute, als kein einziger Treffer (!) gelang. Angefangen hatten die Berner Oberländer vor 860 Besuchern ordentlich, nach der Startphase lautete das Skore 4:4. 15 Tore kassierten sie in der Folge bis zur Pause, sehr viele davon fielen im Anschluss an technische Fehler und missratene Abschlüsse.

Ohne Selbstvertrauen ...

Dass die Zürcher aufgrund ihrer aussergewöhnlich offensiven Deckung Mannschaften vor grosse Probleme stellen können, deren Akteure verunsichert sind, ist keine Neuigkeit. Eine Erkenntnis ist vielmehr, dass die Thuner gerade ohne jegliches Selbstvertrauen agieren. Und dies ist nach den hervorragenden Darbietungen Ende 2018 und dem tollen Start ins neue Kalenderjahr mit dem Sieg beim BSV Bern nur schwer nachvollziehbar. Gewiss: Mit Nicolas Suter, Ron Delhees, Damien Guignet und Luca Linder fehlen wichtige Leute, die gerade gegen diesen Widersacher einiges hätten bewirken können. Bloss: In derselben Zusammensetzung schlug Wacker vor zwei Wochen den Kantonsrivalen.

Zum zweiten Mal in Folge verlor der Cupfinalist, erneut daheim, nachdem er Suhr 24:29 unterlegen war. Paradoxerweise ist das im Grunde nicht weiter schlimm. Selbst wenn die Oberländer all ihre verbleidenden Finalrundenpartien verlieren sollten, was kaum geschehen wird, werden sie das Playoff mit keiner schlechten Ausgangslage in Angriff nehmen.

Als Sechstklassierte träfen sie im Viertelfinal wohl auf Suhr, auf Bern oder auf St. Gallen – und damit in jedem Fall auf einen Verein, gegen den sie nicht Aussenseiter wären. Ausserdem pflegt Wacker zuzulegen, wenn es wichtig wird. Doch vielleicht ist gerade das Wissen darum die Ursache der kleinen Krise, in der sich das Team befindet. Gegen Suhr und nun gegen Pfadi mangelte es an sehr vielem, an Explosivität etwa, vor allem aber an Entschlossenheit. Die Körpersprache vieler Akteure erinnerte an das Auftreten, das gewöhnlich in Testspielen an den Tag gelegt wird.

… und ohne Leidenschaft

Partien wie jener gegen Pfadi nicht das nötige Gewicht zu geben, wäre fatal. In Thun ist das Interesse an Handball hoch, Wacker wird nicht bloss an Titeln gemessen. Bei potenziellen Besuchern und möglichen Sponsoren zählt oft der Gesamteindruck. Und der ist gerade nicht gut. Einzelne Zuschauer sollen die Begegnung am Samstag noch vor deren Ende verlassen haben. Sie mochten nicht länger mitansehen, wie die Equipe vorgeführt wird. Das müsste für die Beteiligten ein Warnsignal sein.

Möglicherweise vermissen die Thuner ihren langjährigen Antreiber Viktor Glatthard mehr, als sie zunächst dachten, zumal dieser bei seinem norwegischen Club einen zentralen Part in der Deckung einnimmt und sich damit als exzellenter Verteidiger bestätigt. Der Brienzer verstand es stets, eine positive Stimmung zu erzeugen und die andern mitzureissen. Eigentliche Leader wie Reto Friedli und Marc WInkler überzeugten am Samstag auch darin nicht.

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