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Der Monsieur vor der Derniere

Möglicherweise spielt Roman Caspar am Freitag zum letzten Mal in der Thuner Lachenhalle. Dass sich Wacker nach schwierigen Jahren als Topclub etabliert hat, ist mit das Verdienst des Captains.

Ein letzter Vorstoss: Roman Caspar im Angriff.
Ein letzter Vorstoss: Roman Caspar im Angriff.
Christian Pfander

Es sind bemerkenswerte Karrieren, die dieser Tage enden. Die Kadetten Schaffhausen müssen fortan ohne den früheren Bundesligaprofi Manuel Liniger auskommen. Er hört genauso auf wie Pfadi Winterthurs Leader Marcel Hess, der Handballer mit den meisten Einsätzen im Oberhaus hierzulande. Mit Wacker-Thun-Captain Roman Caspar tritt ein weiterer Grosser der Szene zurück.

Fällt die Entscheidung im Playoff-Final bereits am Montag, wird sich der Auftritt des Regisseurs am Donnerstag als der letzte in der Lachenhalle erweisen. Der Zol­likofner sagt, ihm sei bewusst, dass er womöglich kein weiteres Mal in der Heimstätte vor all den Leuten auflaufen werde. «Solche Gedanken aber kommen nur punktuell.» Grundsätzlich gelte die Konzentration der Serie.

Caspar mag heuer nicht so viele Tore erzielt haben wie Lenny Rubin. Es mag sein, dass er nicht so spektakulär wirft wie Lukas von Deschwanden. Ganz bestimmt tritt er den Widersachern nicht ganz so furchteinflössend gegenüber wie Reto Friedli. Wichtig ist der mitunter brillante Verteidiger dennoch.

Er hat den Club geprägt, auf und neben dem Platz. So manch Spieler entschied sich auch deswegen für einen Wechsel zu den Thunern, weil deren Captain ihm glaubhaft hatte vermitteln können, dass sich ein Transfer hierhin lohnt. Der Berner ist so was wie der Mitbegründer der aktuellen, so erfolgreichen Ausgabe von Wacker. Vor ihm war kein aktueller Spieler Mitglied des Fanionteams.

Trainer Martin Rubin bezeichnet ihn als verlängerten Arm auf dem Platz, als Bindeglied, als Kopf der Mannschaft. Der Familienvater ist ein Gentleman, ein Monsieur: stilvoll, kultiviert, höflich, mit viel Klasse ausgestattet.

Obwohl er einer der besten Abwehrspieler der Liga ist, sehr wohl hart zupackt, ist er kaum je des Feldes verwiesen worden. Geraten Akteure aneinander, ist Caspar dabei – stets in der Rolle des Schlichters. Man kann sich den studierten Mathematiker gut als Coach, als Sportchef, als Präsidenten oder in einer sonstigen führenden Funktion vorstellen.

Der Baumeister

Der Einfluss des 31-Jährigen auf dem Feld ist in dessen letzter ­Saison nicht mehr so gross, wie er dies 2012 und 2013 war, als die Thuner unter Rubin die ersten Titel geholt haben. Am Gewinn der Meisterschaft etwa hatte der Aufbauer einen riesigen Anteil, er war die zentrale Figur in der Deckung und Spielgestalter.

Seit er sich einige Monate nach dem grössten Erfolg der Laufbahn schwer an der Schulter verletzt hat, vermag er nicht mehr ganz so wuchtig zu werfen, die Leistungsfähigkeit im Angriff hat entsprechend abgenommen, wenngleich der Routinier noch immer in der Lage ist, in der Rückraummitte einen starken Part zu spielen.

In den bisherigen beiden Partien der Playoff-Final-Serie nahm Wackers Captain keine dominante Rolle ein. Er sass jeweils zunächst auf der Bank, wurde selbst in der Deckung erst im Verlauf des Spiels eingesetzt, obwohl mit Stefan Huwyler die andere zentrale Kraft in der Verteidigung verletzt fehlt.

Vielleicht aber darf die langjährige Schlüsselfigur Freitag (19.30 Uhr, live auf Mysports und auf SRF.ch) von ­Beginn an ran. Von Bedeutung sei nicht, ob, wann und wie lange er mittun dürfe. «Wichtig ist einzig, dass wir Erfolg haben.» Caspar verlässt die Handballbühne in jedem Fall standesgemäss: mit Stil.

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