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Grosses Spektakel, nüchternes Fazit

Das Spiel YB - FC Zürich hat beste Unterhaltung für die über 20000 Zuschauer im Stade de Suisse geboten. Nach dem 2:2 bleiben Leader Basel und der FCZ für die Berner weit entfernt, und das Unentschieden zeigte: Das ist kein Zufall.

Die Emotionen fuhren am Ende unkontrolliert Achterbahn mit den Beteiligten, und die armen Trainer und Fussballer wussten gar nicht so recht, wie sie dieses 2:2 zwischen YB und Zürich denn nun deuten sollen. Es war eine rasante Begegnung gewesen, unterhaltsam und spektakulär, und vielleicht muss man – aus Berner Sicht – nüchtern festhalten: Der FC Basel und der FC Zürich sind vorerst ausser Reichweite – und das ist kein Zufall. Einerseits. Andererseits haben die Young Boys in dieser prächtigen Veranstaltung Moral bewiesen und mit dem Super-Last-Minute-Tor durch Alberto Regazzoni in der 93. und letzten Minute eine Antwort auf das Last-Minute-Tor des FCZ durch Eric Hassli in der 90.Minute gefunden. «Wir müssen zufrieden mit dem Punkt sein», sagte YB-Torhüter Marco Wölfli. «Aber eigentlich können wir mit einem Punkt gegen Zürich in unserer Lage nicht einverstanden sein.»

Hasslis herrliches Tor

Es herrschte eine merkwürdige Stimmung nach Spielschluss, und Wölflis Interpretation der Geschehnisse passte zum hektischen und eigenartigen Treiben. Eric Hassli, der überragende Angreifer Zürichs, stand in den Katakomben des Stade de Suisse wenige Meter neben Wölfli und parlierte derart offen und fröhlich, dass man sich fragen musste, ob der früher oftmals mürrische Franzose in der letzten Saison einen Doppelgänger beim FCZ platziert hatte. «Ja, ich denke manchmal auch, mein Cousin habe damals für Zürich gespielt», sagte Hassli lachend. Der kräftige und technisch filigrane Stürmer war die überragende Figur gewesen, er erzielte zwei Tore und das zweite, ein herrlicher Schuss in den Winkel, schien die Entscheidung zu sein. In einer verrückten Partie vor über 20000 Zuschauern aber gehörte Regazzoni das letzte Wort.

Das Heimspiel gegen den FCZ war ein ideales Spiegelbild für die YB-Ausgabe 2008/09: offensiv gefällig, defensiv anfällig. Und der Vergleich mit den Zürchern offenbarte eindrücklich die Unterschiede zu den Spitzenteams Basel und Zürich, die 12 und 10 Punkte entfernt sind. Beim stabileren FCZ stimmte das Gleichgewicht, während die YB-Spieler noch immer Mühe bei der Adaption des 3-4-3-Systems bekunden. Zudem besitzen die Berner zwar zwei starke Sturmreihen – gestern spielten Regazzoni, Marco Schneuwly und David Degen, während Thomas Häberli und Seydou Doumbia auf der Bank sassen und Carlos Varela gesperrt war. Aber in der wackligen Abwehr fehlen Alternativen, Marc Schneider war nach der Einwechslung für den verletzten Saif Ghezal erneut ungenügend, der erst 17-jährige François Affolter aber agierte wieder überragend. «Es benötigt natürlich Zeit, bis das System sitzt», sagte Degen, der nach einem schönen Angriff in der 18.Minute das 1:0 geschossen hatte.

Doumbia, der starke Joker

In einer lebhaften Partie, die problemlos auch 4:3 oder 4:4 (oder 2:5) hätte enden können, führte der FCZ die feinere Klinge, überzeugte mit One-Touch-Fussball und verpasste eine Entscheidung, weil er bei den vielen Kontermöglichkeiten zuweilen zu schludrig zu Werke ging. Der glitschige Tanz auf dem Kunstrasen bot bestes Amüsement für die frierenden Besucher: Glanzparaden der starken Torhüter Wölfli und Johnny Leoni, ein Traumtor von Hassli, Chancen im Überfluss, ein überragender Wirbelwind Doumbia, trickreich und blitzschnell, als perfekter YB-Joker, ständig wechselnde Druckphasen – und ein kurioses erstes FCZ-Tor. YB-Abwehrchef Ghezal rutschte bei einem Steilpass auf Hassli in der 22.Minute aus, und der FCZ-Torjäger erzielte das 1:1, indem er Wölfli tunnelte. «Da waren nur wenige Zentimeter offen», sagte Wölfli und zeigte noch einmal, wie wenig Platz für den Ball zwischen seinen Beinen übrig gewesen war. «Aber Hassli hat halt gerade einen unglaublichen Lauf und trifft, wie er will.»

Und den ziemlich stürmischen, aber reichlich unfertigen Young Boys bleibt nach dem attraktiven Schauspiel die Hoffnung, bis Ende der Vorrunde erneut einen Steigerungslauf zu initiieren – und in der Winterpause die Sünden bei der Kaderzusammenstellung zu korrigieren.

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