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45 Meter: Der Einwurf-Schreck von England

Die Aufsteiger wirbeln die englische Premier League durcheinander. Den «Tigers» von Hull City wurde letzte Woche der Zahn gezogen; der neue Überflieger ist Stoke City – dank einer Einwurf-Kanone.

Die Experten-Runde der BBC-Sendung «Match of the Day» ist fast Woche für Woche perplex, überrascht und – vor allem – beeindruckt. Rory Delaps Einwürfe sorgen gleichsam für Erstaunen und Bewunderung. Über 40 Meter weit kann der 32-jährige Ire den Ball werfen; sieben der bisher 13 Treffer von Stoke bereitete Delap mit seinen Wahnsinns-Einwürfen schon vor.

Am Samstag machte Arsenal bittere Bekanntschaft mit Delaps Spezialität. Nach zehn Minuten warf Delap den Ball 45 Meter in den Strafraum, und Ricardo Fuller brachte den Aussenseiter früh in Führung. Der (inoffizielle) Weltrekord eines Einwurfs liegt bei 46 Metern. Und auch das 2:0 gegen «Gunners» bereitete die Einwurf-Kanone vor. Seyi Olofinjana vollendete die Vorarbeit Delaps. «Wir hatten einen Plan und wir arbeiteten viel daran. Aber diese Art von Toren. Damit umzugehen, ist nicht unsere grösste Stärke», gab Arsenals Trainer Arsène Wenger nach der Niederlage zu.

Weit, flach und kein Offside

Delap sieht die Gefährlichkeit seiner «Waffe» unaufgeregt. «Es ist kein Geheimnis, die Leute haben es ja schon im TV gesehen. Es war das gleiche letztes Jahr in der Championship (die zweite englische Liga; Anm. d. Red.)», so der Weitwerfer. Aber mit dem Selbstbewusstsein des siebenfachen Vorbereiters bemerkt er auch, dass es «keine Möglichkeit gibt, die Einwürfe zu verteidigen, wenn sie richtig gemacht werden». Der frühere englische Internationale Alan Shearer analysierte am Samstagabend in «Match of the Day 1» die Gefährlichkeit: Die Bälle kämen nicht nur weit, sondern würden auch flach und scharf in den Strafraum fliegen. Und die Offside-Regel gilt nicht bei Einwürfen.

Als Kind Steine geworfen

Das Werfen liegt Delap offensichtlich im Blut. «Meine Eltern erzählen, dass ich als Zwei- und Dreijähriger Steine in Fenster warf», erinnert sich der Stoke-Profi lachend. Im Alter von 14 Jahren versuchte er sich im Carlisle Athletic Club mit dem Speerwurf. Er übertraf die Marke von 40 Metern – eine bemerkenswerte Weite für einen Junior. «Ich war immer eine kleine, dünne Ratte, also muss es die Technik gewesen sein», erzählt Delap. Er hielt sich jedoch an den Fussball, und entdeckte bei Carlisle United die Fähigkeit, von der heute die ganze Premier League spricht und vor der sie sich fürchtet.

Ein Freund von Delap sah sich ein Junioren-Spiel gegen Liverpool an. Nach einem Ausball reichte dieser Zuschauer Delap den Ball für einen schnellen Einwurf. «Unser Mittelstürmer war ungedeckt in der Mitte. Der Ball flog in den Strafraum, und er köpfelte ein. Es war die letzte Minute, wir gewannen 3:2», berichtet Delap.

Nicht schön, aber effektiv

Geübt hatte Delap seine Spezialität freilich nie. «Der Konditionstrainer von Derby County liess mich Medizinbälle werfen, um etwas mehr herauszuholen, aber ich hatte nur Schmerzen in Schultern und Nacken», sagt er. Überhaupt habe er bei Derby und auch später bei Southampton und Sunderland sein Talent nie richtig einsetzen können. Doch jetzt bei Stoke passen seine weiten Einwürfe wie massgeschneidert zum Team mit vielen grossgewachsenen Spielern. «Es ist präziser als ein Corner, und der Trainer will, dass ich den Ball möglichst flach werfe, weil dies schwieriger zu verteidigen ist. Wir haben zwei Spieler im Fünfmeterraum, die ich anvisiere», verrät Delap das einfache Rezept. Oder wie es Chelsea-Trainer Luiz Felipe Scolari sagte: «Es ist vielleicht nicht schöner Fussball, aber es ist effektiv.»

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