Beschämende Bilder, die für den Zerfall von GC stehen

Die Grasshoppers steigen aus der Super League ab und tun das unter unwürdigen Umständen – ein paar Dutzend erniedrigen in Luzern die eigenen Spieler und erzwingen den Abbruch.

Die Schande von Luzern: GC-Chaoten provozieren einen Spielabbruch.
Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Als der FC Luzern das 4:0 gegen die Grasshoppers erzielt, läuft die 66. Minute. Und es ist der Auslöser für ein Schauspiel, das fassungslos macht: Eine Horde von GC-Hooligans droht, den Platz zu stürmen. Sicherheitskräfte halten sie in Schach, GC-Präsident Rietiker und Captain Lindner versuchen, auf sie einzuwirken. Es bringt nichts, die Bande zieht erst ab, als der Schiedsrichter das Spiel abbricht.

Das Fazit des Tages ist niederschmetternd für einen Club, der einst als nobel galt, Rekordmeister ist und den Schweizer Fussball über Jahrzehnte geprägt hat: Er steigt nach 70 Jahren aus der höchsten Spielklasse ab und liefert dazu Bilder, die für seinen Zerfall stehen.

Es ist erst acht Wochen her, dass der GC-Mob den Spielabbruch in Sitten erzwang. Damals warf er minutenlang brennende Fackeln auf den Platz. Die randalierenden Fans versuchten, die Schuld der Clubführung zuzuschieben: Diese habe vorher ein gemeinsames Treffen platzen lassen.

Wie fadenscheinig, ja perfid gar diese Ausrede war, zeigt dieser Sonntag in Luzern. Der Mob tut so, als würde ihm der Club am Herzen liegen, als wäre er mehr wert als die Spieler auf dem Platz. «Wir sind GC. Was seid ihr?», ruft er ihnen nach. Natürlich haben diese Spieler in der gesamten Saison ihre Leistung nie auch nur annähernd gebracht, selbst für viel Geld nicht. Zum Teil sind das Hunderttausende von Franken. Aber das gibt noch niemandem das Recht, diese Spieler zu verhöhnen und sie sogar zu erniedrigen: In Luzern wollte der Mob die Spieler dazu zwingen, Trikots und Hosen auszuziehen und in Unterwäsche über den Platz zu laufen.

Bilder: Ein unwürdiges Ende

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Der Absturz von GC ist in der Stadt mit zunehmender Gleichgültigkeit hingenommen worden, wie die traurigen Zuschauerzahlen im Letzigrund zeigen. Zürich hat nie das Bild einer Stadt abgegeben, die mit ihren Fussballern leidet. Sie hat ihr Schicksal registriert, mehr aber nicht. Wer sich in Zürich von den Grasshoppers und auch vom FCZ abgewendet hat, der ist gestern bestätigt worden.

Ein paar Dutzend Chaoten mögen bewiesen haben, dass sie ein ganzes Stadion in Geiselhaft nehmen und ein Spiel zerstören können. Sie haben keine Vorstellung, wie sehr sie GC und dem ganzen Fussball schaden. Der Club wird lange brauchen, um sich von diesem Schaden zu erholen.

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