Billig kaufen, teuer verkaufen

Der FC Basel und sein CL-Achtelfinalgegner verfolgen das gleiche Geschäftsmodell. Was dieses ausmacht.

  • loading indicator
Ueli Kägi@ukaegi

Es ging nicht lange nach der Auslosung gestern Mittag in Nyon, da hatte FCB-Präsident Bernhard Heusler seinen Trainer Paulo Sousa am Telefon. Die Basler treffen im Achtelfinal der Champions League auf den FC Porto, für Sousa eine besondere Konstellation. Der 44-Jährige ist nicht sehr weit von Porto entfernt in ­Viseu aufgewachsen und als Fussballer bei den Rivalen Benfica und Sporting Lissabon gross geworden, bevor er für eine grosse Karriere weiterzog.

Der FC Porto hat eine schöne nationale Gegenwart und hübsche internationale Vergangenheit. 2013 wurde er zum 27. Mal Meister, die vergangene Saison schloss er auf Rang 3 ab. Je einmal hat er Meistercup und Champions League gewonnen: 1987 im Final gegen die Bayern. 2004 mit Jungtrainer Mourinho gegen Monaco.

Monaco und Porto waren auch übrig geblieben als mögliche Gegner gestern. Dass es die Portugiesen wurden, macht Heusler nicht unglücklich. Er sagt: «Mit seiner Historie und seinem Stadion ist der Club europäisch eine andere Adresse als Monaco.» Der FCB wird am 18. Februar zu Hause antreten, drei Wochen später tritt er im Estádio do Dragão an. Es kann in der Arena mit 52'000 Sitzplätzen sehr stürmisch werden.

Deco, Falcao, James

Der FC Porto verfolgt ein ähnliches ­Geschäftsmodell wie Basel – allerdings «auf anderem Level», wie Heusler festhält. Mit einem Umsatz von geschätzt 140 Millionen Franken (Basel zuletzt 88 Millionen) funktioniert er als Durchlauferhitzer, kauft junge Talente ein und möglichst ertragreich weiter.

Was sich im Club allein in den vergangenen Jahren nach oben gearbeitet hat: Zum Beispiel Deco (Barcelona, Chelsea), Pepe (später Real), Carvalho (Chelsea, Real, Monaco), Anderson (ManU), Diego (Werder, Juve, Wolfsburg) oder Mereiles (Liverpool, Chelsea). Zuletzt haben sich ­Falcão (für 40 Millionen Euro zu Atlético), Hulk (gut 50 Millionen, Zenit) und ­James Rodriguez (45 Millionen, Monaco) aus Porto ver­abschiedet. Umstritten sind die Finanzie­rungsmodelle im portugiesischen Fussball. Der sogenannte «Third Party Ownership» ist verbreitet. Dabei halten Drittparteien, vornehmlich ­Investment Funds, die Transferrechte an den Spielern. Fifa und Uefa wollen dagegen vorgehen.

Der holländische Nationalspieler ­Martins Indi (22), der zweifache Liga­torschützenkönig Martinez (28, Kol) und Quaresma (31) sind die bekanntesten ­Namen aus dem aktuellen Kader. Dazu kommen eine Handvoll Talente wie der brasilianische Neo-Nationalspieler Danilo (23), der bei Juven­tus als Nachfolger von Rechtsverteidiger Lichtsteiner gehandelt wird. Der 20-jährige Spanier Oliver Torres trifft auch fürs U-21-Nationalteam. Herrera (24) hat für Mexiko alle WM-Spiele absolviert. Algeriens Brahimi (24) trug vier Treffer zu den starken Auftritten in der Champions-League-Gruppenphase bei, die Porto mit vier Siegen, zwei Remis und 16:4 Toren vor Schachtar, Athletic Bilbao und Bate Borissow auf Platz 1 abgeschlossen hat.

Die ersten Worte, die Sousa gestern zum Gegner einfielen: Das Team sei individuell hervorragend besetzt. Heusler sieht in Europa drei, vier Mannschaften, die der FCB selbst mit zwei über­ragenden Leistungen kaum eliminieren könnte: Real, Bayern, Barcelona, vielleicht auch Chelsea, der FC Porto gehört nicht dazu. Zu den Basler Chancen mag er sich nicht konkret äussern, er weiss, wie schwierig es wird. Ein grosses Ziel benennt Heusler trotzdem: «Der Viertelfinal wäre für uns noch einmal ein neuer Höhepunkt.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt