Die Sache mit dem Chef beim FC Thun

Am Samstag tritt Thun in Sitten erstmals in neuer Konstellation an. Mauro Lustrinelli wird dabei derCheftrainer sein. Zumindest auf dem Papier.

Wiedervereint: Mauro Lustrinelli (rechts) war 2012 kurzzeitig Interimstrainer beim FC Thun. Marc Schneider stand ihm damals zur Seite.

Wiedervereint: Mauro Lustrinelli (rechts) war 2012 kurzzeitig Interimstrainer beim FC Thun. Marc Schneider stand ihm damals zur Seite. Bild: Patric Spahni

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Wer ist der Chef beim FC Thun?

Nach dem Abgang von Jeff Saibene in die 2. Bundesliga zu Arminia Bielefeld leitet am Mittwochvormittag erstmals der vormalige U-18-Coach Mauro Lustrinelli das Training. Er verfügt als Einziger im Klub über die nötige Uefa-Pro-Lizenz. Danach sagt er mit grosser Überzeugung: «Ich bin der Cheftrainer. Ich übernehme sämtliche Aufgaben von Jeff.»

Während der 41-jährige Tessiner spricht, gibt Marc Schneider dem Medienverantwortlichen des Klubs ein Interview. Er ist ab Sommer der Chef. Bei allen Aspekten, welche die nächste Saison betreffen, hatte er bereits unter Saibene das Sagen. Alleine deshalb ist sein Standing höher als jenes von Lustrinelli. Nach dem Abgang Saibenes wendeten sich Spieler an Schneider, um abzuklären, wie es um ihre Zukunftsaussichten steht.

Kann das gut gehen? Beim FC Thun finden sie einhellig: Ja.

Die Weisung des Verbandes

Nach Lustrinelli steht auch Schneider Rede und Antwort. Zuvor teilt er aber mit, er werde dies bis Ende Saison das letzte Mal tun. Der 36-Jährige beabsichtigt, wie unter Saibene im Hintergrund zu wirken. Die Reglemen­tarien des Verbandes sind klar: Nur der Cheftrainer darf während einer Partie an der Seitenlinie coachen, an der Pressekonferenz nach dem Spiel Auskunft geben.

Allerdings: Was sich in der Kabine oder auf dem Trainingsplatz abspielt, lässt sich nur schwer überprüfen. Stichproben führt der Verband keine durch. «Der gesunde Menschenverstand darf nicht im Abseits stehen», sagt Kommunikationschef Marco von Ah. Eine Ausnahmebewilligung für Schneider mochte der Verband nicht erteilen.

Weil er befürchtete, dass künftig etliche Klubs mit dem Verweis auf Thun eine ebensolche beantragen würden. Schneider findet dies nicht weiter schlimm. Er meint, der Einfluss des Trainers während einer Partie sei begrenzt. Die Arbeit werde unter der Woche gemacht. Und da wisse er um seine Rolle.

Das Einlenken Saibenes

Der Einfluss von Marc Schneider war bereits unter Jeff Saibene erheblich. Das zeigt nicht zuletzt die Thuner Spielweise mit frühem Gegenpressing, schnellem Umschaltspiel, vielen Vertikalpässen.

Als Saibene im Herbst 2015 im Oberland übernommen hatte, brachte er Stabilität in die verunsicherte Equipe. Doch irgendeinmal im Verlauf der Rückrunde wurde aus Vorsicht reines Verwalten: Der FC Thun spielte Beamtenfussball. In diesen Wochen und Monaten weibelten Trainerstab und Führungsspieler für eine offensivere Herangehensweise.

Eine, die besser zum vorhandenen Spielermaterial passe. Saibene zeigte sich offen für Inputs, liess Schneider und Co. mitgestalten. Nach der Winterpause spielten die Oberländer zuweilen begeisternd, in der Rückrundentabelle belegen sie vor der morgigen Partie beim FC Sion (17.45 Uhr) den dritten Rang.

«Jeff gab mir viel Vertrauen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar», sagt Schneider. Der frühere Aussenverteidiger hat klare Vorstellungen, wie sich der FC Thun bis zum Saisonende präsentieren soll. Er sagt: «Den eingeschlagenen Weg müssen wir weiterführen.»

Doch ist das im Sinne von Lustrinelli? Schliesslich bietet sich ihm die Chance, sich in der Super League zu präsentieren. Er strebt nach dieser Saison eine Anstellung als Trainer im Profifussball an. Aber kann er sich empfehlen, wenn er Begonnenes einfach so weiterführt? «Im Klub haben alle dieselbe Philosophie.

Wir sind ein Team», sagt Lustrinelli. Schneider findet derweil, sein früherer Mitspieler solle durchaus Einfluss nehmen. Er sagt aber auch: «Es darf nicht in eine völlig andere Richtung gehen.»

Am Dienstag sind Mauro Lustrinelli und Marc Schneider ­zusammengesessen, haben die Aufgabengebiete abgesteckt. Theoretisch ist alles geklärt. Theoretisch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.03.2017, 08:20 Uhr

Gerbers Ärger

Thuns Sportchef Andres Gerber war über einen Beitrag in dieser Zeitung enorm verärgert. Darin wurde kritisiert, dass der FC Thun in Zeiten des Spendenaufrufs Trainer Jeff Saibene trotz Vertrags bis Ende Saison ohne eine symbolische Gegenleistung zu Bielefeld ziehen liess und dies mit dem Verweis begründete, Mitarbeitern keine Steine in den Weg legen zu wollen. Gerber findet, es sei utopisch gewesen, dass der Klub Geld für den Coach hätte verlangen können.

Zudem spare man nun die zwei Monatslöhne des vormaligen Cheftrainers. Der Abgang Saibenes vor zwei Wochen lief zwar harmonisch ab. Doch im Klub waren längst nicht alle restlos zufrieden mit Saibene. Der in der Winterpause gefällte Entscheid, dass sein Vertrag nicht verlängert werde, fiel im Einvernehmen. Saibene stellte es in der Folge allerdings so dar, als hätte er sich mit seiner Tätigkeit im Oberland nicht mehr identifizieren können.

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