Die verpasste Chance

Es gab viele gute Gründe dafür, Cristiano Ronaldo zum Weltfussballer zu wählen. Trotzdem wäre Manuel Neuer diesmal die bessere Wahl gewesen.

Cristiano Ronaldo hat ihm die Trophäe vor der Nase weggeschnappt: Goalie Manuel Neuer an der Verleihung des Ballon d'Or. (12.01.2015)

Cristiano Ronaldo hat ihm die Trophäe vor der Nase weggeschnappt: Goalie Manuel Neuer an der Verleihung des Ballon d'Or. (12.01.2015)

(Bild: Reuters Ruben Sprich)

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Lang ist die Liste der Weltfussballer, je nach Zählart umfasst sie 13 Namen (Fifa) oder 44 (France Football) – doch nur drei Defensivspieler finden sich darunter. Die Verteidiger Franz Beckenbauer und Fabio Cannavaro sowie 1963 der russische Torhüter Lev Jaschin, genannt «Schwarzer Panther», bilden die Ausnahme in einem Sport, der sich schon immer über die erzielten Tore definierte und bevorzugt die Künstler auszeichnet.

Für das Jahr 2014 hatte sich der Fussballfamilie die fast historische Chance geboten, wieder einmal einen jener Spieler zu ehren, die dafür sorgen, dass keine Tore fallen. Wie etwa vor zwölf Jahren, damals war das Jahr von Oliver Kahn aber mit dem Makel behaftet gewesen, dass dieser die Niederlage Deutschlands im WM-Final mitverschuldete. Demgegenüber war das Jahr von Manuel Neuer perfekt. Zum WM-Titel der Deutschen leistete der Bayern-Goalie «einen wesentlichen Anteil», wie Nationaltrainer Joachim Löw lobt: «Er hat das Torhüterspiel geprägt wie niemand vor ihm.» Wenn nicht jetzt also: Wann denn?

Ungekürter Neuer

Trotzdem blieb Neuer an der Fifa-Gala im Kongresshaus ungekürt. Stattdessen wurde zum dritten Mal Cristiano Ronaldo geehrt, was sicher nicht falsch ist angesichts seiner Quote von 61 Toren in 60 Partien mit Real Madrid. Und es ist auch nicht falsch angesichts seiner Bedeutung für den Fussball. Spieler wie der Portugiese sind es, die faszinieren und polarisieren, für die man ins Stadion geht oder den Fernseher anstellt. Kinder wollen Fussballer werden und sein wie CR7. Er ist eine Inspiration. Und nicht zuletzt ist er das für die Amateure aus Lesotho, Anguilla und Andorra, die für diese Weltfussballerwahl ihre Stimme abgeben durften.

Es wäre der Fifa zu wünschen gewesen, die Wahl wäre anders ausgegangen, wäre endlich wieder einmal ein Defensivspieler ausgezeichnet worden. Für eine Wahl Neuers gab es genauso viele Gründe wie für die Wahl Ronaldos. Vor allem ein Fachpublikum, bestehend aus Captains und Nationaltrainer, hätte das würdigen müssen. Das Votum war aber zu eindeutig. Und dass der deutsche Nationalgoalie am gestrigen Abend gar hinter Lionel Messi zurückblieb, lässt nur eine Erkenntnis zu: Wird Neuer in der Form des Jahres 2014 nicht gewählt, wird auch nie ein anderer gewählt.

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