Ein Katerjammer

Der FC Thun verliert drei Tage nach dem Cupfinal gegen einen nachlässigen FC Basel 1:2. Und rutscht auf Rang 6 ab. Europa rückt damit in weite Ferne.

Der Schuss von Basels Kevin Bua zappelt hinter Thun-Keeper Guillaume Faivre im Netz. Damit steht es 2:1 für den FC Basel.

Der Schuss von Basels Kevin Bua zappelt hinter Thun-Keeper Guillaume Faivre im Netz. Damit steht es 2:1 für den FC Basel.

(Bild: AFP)

Dominic Wuillemin

Plötzlich herrscht Betrieb in Thuns Coachingzone, plötzlich steht Marc Schneider an der Seitenlinie, versucht mit Zurufen und zuckenden Armbewegungen Korrekturen anzubringen, dann wieder applaudiert er, biegt seinen Körper wie eine Banane durch, als einer seiner Spieler eine gute Passmöglichkeit verpasst hat. Schneider, der die ersten 45 Minuten auf der Bank sitzend verbrachte, hält es nicht mehr auf seinem Stuhl.

Es läuft die zweite Halbzeit, und Schneiders Team, das öfters den Ball und die besseren Chancen hat, liegt plötzlich im Rückstand. Bei seiner ersten Prüfung überhaupt hatte Thuns Goalie Guillaume Faivre den Ball nach vorne abgewehrt, Samuele Campo in der 63. Minute zum 0:1 abgestaubt.

Weil Luzern und St. Gallen gleichzeitig führen, rutschen die Thuner in der Livetabelle auf Rang 6 ab. Und somit aus dem europäischen Geschäft. Den Thunern droht gegen Basel innert drei Tagen der zweite herbe Rückschlag.

Der erste war der verlorene Cupfinal in Bern, dieses Spiel, in das aufseiten der Oberländer so viel Energie hineinfloss. Und dann waren 90 Minuten gespielt, und alles war vorbei, der Traum ausgeträumt, die Silbermedaille trug schon sehr bald kein Thuner mehr um den Hals.

Ferreira bedankt sich

So ein Erlebnis kann schon mal einen emotionalen Hangover verursachen, derweil reiste ihr Gegner im emotionalen Hoch an. Und mit einer gewissen Müdigkeit: Der eine oder andere FCB-Spieler dürfte am Montag auch unter einem Hangover gelitten haben – einfach unter einem der anderen Sorte. Die Frage vor der gestrigen Partie war deshalb: wie sich der Cupfinal auf das Geschehen auswirken würde.

Basels Trainer Marcel Koller entscheidet sich für eine radikale Erfrischungskur, gleich auf sieben Positionen verändert er sein Team, Marc Schneiders vier Umstellungen wirken dagegen schon fast konservativ.

Nicola Sutter, der sich im Cupfinal einen Bänderriss im Fuss zugezogen hat, wird einige Wochen ausfallen, Marvin Spielmann ist gesperrt. Der Flügel, der im Sommer zu YB wechseln wird, wird vor der Partie geehrt, wie auch die anderen, die das Team verlassen werden – allen voran Nelson Ferreira, der nach fast zwei Jahrzehnten als Profi seine Karriere beenden und einen Job im Club übernehmen wird.

Die Fans haben für den bald 37-Jährigen eine hübsche Choreo vorbereitet, und der portugiesische Interlakner bedankt sich mit einer engagierten Leistung. Er ist am linken Flügel an vielen Offensivaktionen beteiligt, wie seine Teamkollegen erfreut er sich grosser Freiräume.

Die Basler wirken nachlässig, sie verlieren im Mittelfeld etliche Bälle, Torhüter Jonas Omlin spielt einmal einen haarsträubenden Fehlpass. Doch in seiner Kerndisziplin, dem Abwehren von Schüssen, da überzeugt der Goalie, etwa, als er Dejan Sorgics strammen Schuss in der 26. Minute aus kurzer Distanz pariert.

So kommt es, dass die Thuner erneut einem Rückstand hinterherlaufen – wie schon im Cupfinal. Diesmal gelingt der Ausgleich, Moreno Costanzo, neben Ferreira der beste Thuner, gleicht eine Viertelstunde vor Schluss aus kurzer Distanz aus. Schneider streckt beide Arme nach oben, schreit die Freude heraus.

Salanovic hadert

Es ist jetzt ein vehementes Anrennen der Thuner auf den Siegtreffer, sie brauchen den Erfolg, um im Rennen um die europäischen Plätze nicht in Rücklage zu geraten. Und so rennen sie in einen Konter, Bua vollendet ihn in der 88. Minute sehenswert – mit dem dritten Torschuss des FCB an diesem Abend. Wie schon im Cupfinal hat Thun einen grossen Aufwand betrieben und steht doch mit leeren Händen da.

Dennis Salanovic spricht danach von einem unliebsamen Déjà-vu. «Es ist extrem bitter, wie die letzten Wochen verlaufen sind.» Thun, von November bis Anfang Mai in den Top 3, steht auf Rang 6. Die Oberländer brauchen am Samstag in Sitten einen Sieg und müssen auf einen Ausrutscher der Konkurrenz hoffen. So haben sich die Zeiten geändert.

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