Fatal naiv

Die Bayern wollten gegen den FC Barcelona mit Herz, aber vor allem auch mit Kopf spielen. Davon war genau die Hälfte zu sehen.

Die Bayern liefen auch in Match 2 naiv ins Verderben.

Die Bayern liefen auch in Match 2 naiv ins Verderben.

(Bild: Keystone)

Ueli Kägi@ukaegi

Gut, es fehlten: Ribéry und Robben, die Flügelstürmer. Alaba und Badstuber, die Abwehrspezialisten. Alles Nationalspieler. Aber: Die Bayern hatten noch immer Lahm, Weltmeister 2014 wie Müller, Schweinsteiger, Boateng und Neuer. Sie hatten auch Xabi Alonso, Welt- und Europameister, doppelter Champions-League-Sieger. Oder Thiago, den 20-Millionen-Euro-Einkauf. Und sie hätten noch Götze gehabt, aber der spielt irgendwie keine Rolle mehr in dieser Mannschaft, bei diesem Trainer.

Die Bayern wollten auch «mit Herz, aber auch mit Kopf spielen», so hatte es Pep Guardiola angekündigt vor dem Rückspiel. Davon war genau die Hälfte zu sehen. Die Münchner wirbelten mit Herz. Aber sie spielten ohne Kopf. Sie verliessen ihre Positionen schon in den ersten Minuten, als ob es darum gegangen wäre, das 0:3 im Hinspiel innert 15 Minuten zu korrigieren. Sie erinnerten in ihrem Auftritt an den Matchtag im Camp Nou. 77 Minuten lang hatten sie da das 0:0 gehalten, aber nach dem 0:1 geglaubt, mehr Risiken eingehen zu müssen. Das Ende ist bekannt. 0:3.

Wie naiv sie auch in Match 2 ins Verderben liefen

Es ist nur erstaunlich, wie die Bayern mit ihren Erfahrungen aus Spiel 1 umgingen. Wie naiv sie auch in Match 2 ins Verderben liefen. Mit wie wenig Absicherung sie nach der frühen Führung durch Benatia Angriff um Angriff lancierten, wie ungenügend sie verteidigten und Barça ins Messer liefen. Zack, zack, zack, Messi, Suarez, Neymar, zweimal fast genau gleich, Pass in die Tiefe, Pass in die Mitte, Schuss ins Tor.

«Nur das Triple ist genug», hat Guardiola kürzlich gesagt, er kennt die Ansprüche im Verein, er ist ja vor zwei Jahren auch als Nachfolger von Meisterschafts-, Pokal- und Champions-League-Gewinner Jupp Heynckes gekommen. Drei grosse Titel, das ist natürlich eine übertriebene Erwartung. Nur ist ein einziger Triumph wie in dieser Saison (und keine grossen Finalspiele) gefühlt auch schon etwas wenig bei einem Club mit zuletzt 530 Millionen Euro Umsatz und 405 Millionen Euro Eigenkapital.

Die Bayern-Führung muss unterstützend investieren

Es hatte etwas Versöhnliches, als die Bayern am Dienstagabend in der zwischenzeitlich fantastisch lauten Münchner Arena auf die Ehrenrunde gingen und beklatscht wurden für einen stürmischen Fussballabend und wenigstens ein 3:2 – es war ihr erster Sieg nach vier Niederlagen in Folge. Es war aber auch der Match, der gezeigt hat, dass die Bayern den Ausfall von Schlüsselspielern nicht mehr einfach so kompensieren können wie gerade noch vor wenigen Monaten. Das gilt für die Offensive, aber genauso für die Defensive.

Es mag noch nicht die Zeit gekommen sein für den grossen Schnitt, auch wenn Schlüsselfiguren wie Lahm (im November 32), Schweinsteiger (im August 31) und Xabi Alonso (im November 34) ihren Zenit überschritten haben dürften. Robben ist auch schon 31-jährig, Ribéry 32. Unterstützend muss die Bayern-Führung aber ins Kader investieren. Das wird sie im Sommer tun.

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