«Habe mir Fragen nach der Sauberkeit gestellt»

Interview

Der frühere GC-Mittelfeldspieler Steven Zuber hat sich in Moskau auf Anhieb zurechtgefunden. Auf dem Rasen und im Verkehr.

Steven Zuber (22): Nur einem Tor im ZSKA-Dress rennt er noch hinterher.

Steven Zuber (22): Nur einem Tor im ZSKA-Dress rennt er noch hinterher.

(Bild: Keystone Denis Tyrin)

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Sie sorgen für Aufsehen, die jungen Schweizer Fussballer im Ausland. Kaum hat die Saison in den grossen Ligen begonnen, treffen Pajtim Kasami für Fulham, Haris Seferovic bei San Sebastian, Josip Drmic in Nürnberg. Und in Moskau schlägt auch Steven Zuber ein rasantes Tempo an. Sein ZSKA Moskau hat bisher fünf Saisonspiele absolviert – der frühere GC-Spieler war in jedem gesetzt.

Vor sechs Wochen wechselte der 22-jährige Winterthurer mit einem Fünfjahresvertrag zu ZSKA, dem elffachen russischen Meister mit seinen grossen Ambitionen, einem Club mit 13 Mittelfeldspielern im Kader. Zuber setzte sich jedoch auf Anhieb durch – nachdem er in den ersten vier Partien ausgewechselt worden war, spielte er am Sonntag daheim gegen Kuban Krasnodar durch. ZSKA, der Meister des Vorjahres, gewann 1:0 und liegt auf Rang 3 der Premier Liga.

Steven Zuber, kann man schon sagen, Sie hätten sich in Moskau durchgesetzt?
Nein, dafür ist es zu früh. Die Meisterschaft geht noch sehr, sehr lange, und erst am Schluss ist es Zeit für eine Bilanz. Was man sagen kann: Ich habe mich sehr gut eingelebt.

Haben Sie erwartet, dass Sie gleich so oft zum Einsatz kommen? Ich hatte gar keine grossen Erwartungen und bin sowieso eher der Typ, der von Tag zu Tag schaut.

Aber Sie haben sich doch sicher Ziele gesetzt.
Klar. Ich will, dass die Leute sagen: Zuber hat uns weitergebracht. Ich möchte hier in Erinnerung bleiben und will nicht einfach einer von vielen oder der kleine Schweizer sein.

Ein erstes Tor im Dress von ZSKA könnte dabei helfen.
In einem Freundschaftsspiel gegen ein Team aus der zweithöchsten Liga habe ich eines geschossen. Aber es ist klar, dass ich so schnell wie möglich auch in der Meisterschaft treffen will.

In einem TV-Interview vor einigen Jahren sagten Sie, Arsenal und Manchester United seien Ihre Wunschclubs. Nun spielen Sie bei ZSKA Moskau. Warum?
Jeder Junge hat eben einen Traumverein. Aber es gibt daneben viele gute Clubs und viele schöne Städte auf der Welt. ZSKA ist ein Topclub, hat schon den Uefa-Cup gewonnen, und es ist eine Ehre für mich, hier zu spielen. Früher habe ich TV-Abende mit Kollegen organisiert, um Champions League zu schauen. Jetzt werde ich bald in der Champions League spielen.

Also war der Fixplatz für ZSKA in der Königsklasse ein Kriterium?
Es war nicht der Hauptgrund, aber schon wichtig. Besser als die Champions League geht im Clubfussball nicht. Ich will mich mit den Besten messen und mit den Besten spielen. Nur so kann ich mich verbessern.

Was wussten Sie von Moskau, bevor Sie gingen?
Dass es überall und jederzeit Stau hat (lacht).

Und?
So schlimm ist es nicht. Es hat zwar sehr viel Verkehr, aber er fliesst meistens. Jedenfalls auf meiner Route. Für die 20 Minuten, die ich von meiner Wohnung zum Trainingsgelände brauche, ist es okay.

Sie fahren Auto?
Natürlich. Wenn man sich daran gewöhnt hat, geht das relativ gut. Mittlerweile fahre ich schon fast wie ein alter Routinier (lacht wieder).

Wie gefällt Ihnen die Stadt?
Sie ist sensationell. Es heisst, Moskau sei das europäische New York, und das stimmt. Es ist riesig, es ist immer etwas los, es hat grossartige Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Ich liebe gutes Essen und komme hier voll und ganz auf meine Kosten. Von den Sehenswürdigkeiten habe ich noch lange nicht alle gesehen, aber immerhin war ich schon auf dem Roten Platz. Sehr eindrücklich.

In Moskau ist es staubig.
Ich habe mir Fragen nach der Sauberkeit und der Lebensqualität gestellt, für einen Schweizer liegt die Messlatte ja recht hoch. Und ich kannte keinen Russen, den ich hätte fragen können. Aber alle Sorgen waren unbegründet. Die Lebensqualität ist hoch.

Wie kommen Sie mit den kyrillischen Schriftzeichen zurecht?
Zu 90 Prozent kann ich sie entziffern, nur mit ein paar Buchstaben habe ich noch Mühe.

Russisch sprechen Sie aber noch nicht?
Einige Brocken spreche ich, vor allem in der Fussballsprache: links, rechts, solche Anweisungen kann ich ableiten. Und die Standardsprüche: Guten Tag, wie geht es, tschüss. Ab September besuche ich einen Sprachkurs. Russisch zu lernen, ist für mich selbstverständlich: Wenn ich irgendwo bin, will ich mich verständigen können. Vor allem, wenn ich länger bleibe. Ich lerne gerne Sprachen.

Tages-Anzeiger

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