Kein Essen, kein Trinken, aber zwei Tore für Chikhaoui

Der Tunesier Yassine Chikhaoui lebt derzeit nach den strengen Gesetzen des Ramadans. Und führte den FCZ zum 2:1 gegen Thun.

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Ueli Kägi@ukaegi

Das Ende hatte nichts mehr mit Stil zu tun. Das Ende war: Zittern. Der FCZ kämpfte sich durch die Minuten, nachdem er eine Viertelstunde vor Schluss das 2:1 hatte hinnehmen müssen. Vorne konnte er seine Konter nicht zu Ende spielen. Hinten verteidigte er wiederholt unsortiert, manchmal fast wie eine Schülermannschaft. Er benötigte deshalb auch Glück, um die heikelsten Szenen vor dem eigenen Tor schadlos zu überstehen.

«Wir haben genug Nerven gebraucht», sagte Trainer Urs Meier nach dem Match, während Thuns Urs Fischer fand, das für sein Team mehr möglich gewesen wäre. Die Berner Oberländer haben einen guten Start verpasst nach dem Auftaktsieg gegen Vaduz. Im Gegensatz zum FCZ, der am Wochenende bereits GC besiegt hatte. Darauf einbilden aber sollte sich niemand etwas im Club. Das Derby war kein hochstehendes Spiel. Nun kamen die ungenügenden Schlussminuten dazu.

Der FCZ, ein spannendes Projekt

Was aber gilt: Der FCZ hat sich als interessantes Projekt vorgestellt. Es ist ja vieles neu geworden bei ihm auf diese Saison hin, vor allem in der Offensive. Meier setzt im defensiven Mittelfeld auf den Zuzug Gilles Yapi und den zuvor lange verletzt ausgefallenen Burim Kukeli. Er hat für die rechte Mittelfeldseite Rodriguez gefunden und für die Position hinter den Spitzen DavideChiumiento. Chikhaoui ist sein neuer Captain, der Tunesier stürmt mit Landsmann Amine Chermiti, da Mario Gavranovic (Kreuzbandriss) ausfällt.

Chiumiento hat schon im ersten Saisonspiel seine neue Rolle gefunden und das Tor zum Auftaktsieg erzielt. Und nun hat Chikhaoui den zweiten Matchtag gegenutzt, um seinen ersten Treffer als Anführer zu erzielen - und auch gleich seinen zweiten. Diesen dann im grossen Stil, nach einem langen Solo, vorbei an fünf Gegenspielern. So halt, wie es in dieser Liga vielleicht überhaupt nur er kann.

Der Auftritt des Tunesiers war umso bemerkenswerter, weil er strikt nach den Gesetzen des Ramadans lebt und seit dem 28. Juni zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang weder isst noch trinkt. Er steht derzeit mitten in der Nacht auf, morgens um halb drei, für eine letzte Mahlzeit. Er wird zwischendurch vom Morgentraining dispensiert, damit er seinen Körper schonen kann.

Die Ansprache in der Kabine

Gestern nach dem Spiel hat Chikhaoui zuerst breit gelacht und dann erzählt, wie es ist, in solchen Zeiten abends noch Fussball zu spielen: «Sehr schwierig», weil der Tag ja so lang sei im Hochsommer. Er hat sich trotzdem nicht stoppen lassen und selbst dafür gesorgt, dass dem FCZ gelingt, was Chikhaoui vor dem Match in der Kabine von seinen Mitspielern gefordert hatte: «Wir müssen die Konstanz finden, die uns im vergangenen Jahr gefehlt hat.»

Die 31 .Minute lief, als das Team in Führung ging. Das erste Tor war aufgrund des Spielverlaufs verdient – im Augenblick aber auch glücklich, weil den Thunern unmittelbar davor ein Angriff wegen angeblichem Offside zu Unrecht abgepfiffen worden war. Die Stadtzürcher hatten schwungvoll begonnen. Das lag vor allem an Chiumiento, der einige starke Momente hatte als Vorbereiter. Der neue Zehner setzte in der 9. Minute Schönbächler perfekt ein, doch brachte der Flügel den Ball alleine vor Leite nicht am Thuner Goalie vorbei. In der 15. Minute hatte Chermiti nach Chiumientos Zuspiel keine klügere Idee, als sich gegen Goalie Leite fallen zu lassen, Schiedsrichter Jaccottet liess sich nicht täuschen.

In der Defensive liess der FCZ bis zur Pause nicht viel zu. Er war auch zu Beginn der zweiten Halbzeit die stärkere Mannschaft. Chikhaoui schoss in der 48. Minute und versuchte in der 57.Minute Chermiti einzusetzen, beides tat er ohne Erfolg. Dafür kam sein grosser Augenblick in der 62. Minute mit dem Solo und dem Tor. «Geniestreich», fiel Meier zu dieser Aktion ein. Der Trainer musste seinen besten Spieler des Abends nach dem 2:0 bald auswechseln. Die Kräfte. Der Ramadan dauert noch bis zum Sonntag. Dann spielt der FCZ in Vaduz. Chikhaoui muss noch einmal leiden.

Tages-Anzeiger

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