Kontrolliert, aber nicht überzeugend

Die Schweiz hat ihre Pflichtaufgabe in San Marino ohne Probleme, aber auch ohne Glanz erledigt. Das sorgt erst einmal für Ruhe. Sie wird sich aber weiter steigern müssen.

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David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Es ist ein Erfolg, der in kaum allzu lange in Erinnerung bleiben wird. Das 4:0 in San Marino – ein Pflichtsieg, wie man ihn von einer Schweizer Nationalmannschaft erwarten darf, in welcher Verfassung und Zusammensetzung sie auch immer sein mag. Ein Sieg aber auch, der frei von Glanz war, ganz besonders in der zweiten Halbzeit, und der zuweilen Pfiffe der zahlreich mitgereisten Fans provozierte.

«Vincere e convincere» hatte Nationaltrainer Vladimir Petkovic als Credo ausgegeben für diese Aufgabe in der winzigen Enklave in Italien, «siegen und überzeugen». Oder: überzeugend siegen. Nach den Auftaktniederlagen gegen England (0:2) und in Slowenien (0:1) war Wiedergutmachung angesagt, und den Spielern merkte man am Anfang den Willen an, es besser zu machen als zuvor. Doch besser machen heisst gegen einen Gegner vom Schlage San Marinos: ihm eine Kanterniederlage zufügen. Das ist den Schweizern nur halbwegs gelungen. Sie haben San Marino ohne Zweifel kontrolliert, überzeugt haben sie dabei weniger. Es fiel ihnen schwer, mit dem 3:0 im Rücken nach der Pause nachzulegen.

Klima der Verunsicherung

Ein Befreiungsschlag ist dieser Sieg darum nicht, nicht gegen diesen Widersacher. Die ersten Tore dieser Qualifikation für die EM 2016, der erste Sieg – davon war ausgegangen worden gegen San Marino. Drei Punkte aus drei Spielen zum Auftakt der Kampagne hingegen, dies entspricht nicht dem, was man von den Schweizern erwartet hatte. Es wird auch dem Anspruch nicht gerecht, den die Mannschaft von Vladimir Petkovic trotz des Umbruchs im vergangenen Sommer an sich selber stellt.

In diesem Klima der Verunsicherung war es erst möglich gewesen, dass da und dort eine Niederlage selbst gegen San Marino ernsthaft für denkbar gehalten worden war. Bei über 20 Prozent der Leser von thunertagblatt.ch/Newsnetz zum Beispiel. Und nirgends zeigte sich diese Furcht deutlicher als in der törichten Schlagzeile im «Blick»: «Der Nati droht das grösste Debakel aller Zeiten», hiess es da.

Nun gegen die zähen Litauer

Natürlich: Nach zwei Niederlagen nun San Marino bezwungen zu haben, ändert nichts an der Feststellung, dass sich die Schweizer einen Fehlstart in die neue Ära geleistet haben. Darüber hinaus besteht aber noch kaum Grund zur Besorgnis – es braucht dank des neuen EM-Qualifikationsmodus nicht besonders viel, um im Soll zu sein. Gewinnt die Schweiz am 15. November ihr Heimspiel in St. Gallen gegen die Litauer, hat sie den Anschluss an Rang 2 bereits wieder hergestellt. Nur eines ist klar: Die Schweiz wird gegen die zähen Balten auf viel mehr Widerstand treffen.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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