Magnin braucht kein Glück, sondern Erfolg

GC taumelt dem Abstieg entgegen, dem FCZ droht die Barrage. Der Cup-Halbfinal des FCZ gegen Basel heute um 20.15 Uhr ist die letzte Chance, dass ein Zürcher Club positiv auffällt.

Ludovic Magnin, der Kämpfer: Können er und sein FCZ die Saison noch retten? (Bild: Christian Merz/Keystone)

Ludovic Magnin, der Kämpfer: Können er und sein FCZ die Saison noch retten? (Bild: Christian Merz/Keystone)

Thomas Schifferle@tagesanzeiger

«Viel Glück!», wünscht ein Journalist Ludovic Magnin zum Abschied, «Erfolg brauche ich», gibt der Trainer des FCZ zurück.

Es ist Mittwochmittag, einen Tag vor dem Spiel gegen Basel, in dem der zweite Finalist im Cup ausgemacht wird. Auf dem Papier ist das eine grosse Begegnung, weil es hier um zwei Clubs geht, die seit den 60er-Jahren eine tiefe Rivalität pflegen. Viermal standen sie sich allein in einem Cupfinal gegenüber, jedes Mal gewann der FCZ, zuletzt 2014.

Auf dem Rasen ist es heute ein Wiedersehen, vor dem die Gewichte aus der Balance geraten sind. Die Rollen sind klar verteilt. «Wenn wir jetzt nicht Aussenseiter sind, weiss ich auch nichts mehr», sagt Magnin.

Anfang Dezember war vieles anders. Da lag der FCZ in der Meisterschaft vor dem FCB, nur dank eines besseren Torverhältnisses, aber immerhin. Dann fuhr er in den Basler St.-Jakob-Park und verlor 0:2. Und spätestens seither ist bei ihm nichts mehr, wie es einmal war und wie es eigentlich sein sollte. Er hat noch zwei von vierzehn Spielen gewonnen und ist nun auf Platz 8 gelandet, mitten «im Abstiegskampf», sagt sein Trainer.

Der FCZ ist eine von zwei grossen Enttäuschungen in der Super League, die andere heisst GC und kommt ebenfalls aus der Stadt, die sich touristisch einmal als «World Class. Swiss Made» verkaufte. Fussballerisch ist Zürich nun eine Brache. GC taumelt so dem Abstieg entgegen, dass es sich ohne wundersame Wende nicht mehr retten kann. Und wenn es dumm läuft, landet der FCZ in der Barrage. Und vielleicht über diesen Umweg auch in der Challenge League. Ein doppelter Abstieg hätte nur etwas Positives: Dann wäre zumindest das Zürcher Derby gerettet.

«Wir sind noch nicht tot»

Was den FCZ von GC unterscheidet: Er hat noch immer alle Chancen, die Saison zu retten. Er kann den Cup gewinnen und noch immer Vierter werden, Lugano ist nur drei Punkte entfernt. Das ist verrückt, aber in einer spielerisch bescheidenen Liga eben möglich, in der Thun trotz einer Serie von neun Spielen ohne Sieg und mit 5:22 Punkten weiterhin Dritter ist. «In der Berichterstattung fehlt mir eines», sagt Magnin, «dass wir noch nicht tot sind.»

Er gibt sich kämpferisch, etwas anderes bleibt ihm auch nicht übrig. Er erinnert daran, dass die guten Spiele doch erst ein paar Monate zurücklägen, gegen Leverkusen (3:2), in Luzern (5:2). «Die Hinrunde», sagt er, und dabei gelingt ihm eine spezielle Formulierung, «die Hinrunde war ziemlich, ziemlich sehr gut.» Und er sagt auch: «Wichtig ist, dass du einigermassen Licht im Tunnel siehst. Wenn du nur den Kopf in den Sand steckst und alles schwarz siehst, dann endest du in der Klinik mit vielen Medikamenten.»

«Lösungen fallen nicht vom Himmel herunter»Ludovic Magnin, FCZ-Trainer

Magnins Stimme ist angeschlagen, er leidet an Heuschnupfen. Verlieren tut er sie trotzdem nicht. Eine halbe Stunde redet und redet er. Was für ihn spricht: Er sucht keine Ausreden, das passt nicht zu seiner Art. Was gegen ihn spricht: Er hat es in den letzten Wochen nicht geschafft, das Problem zu lösen, das den ganzen Verein niederdrückt. «Lösungen fallen nicht vom Himmel herunter», sagt er.

Abstiegskampf statt Europa-League-Plätze

Ein Platz in der Europa League sollte für die beiden Zürcher Clubs diese Saison herauskommen. GC versprach offensiven Fussball und der FCZ auch. Und der FCZ schwadronierte zugleich vom Einbau von vielen Jungen, die selbst ausgebildet worden sind. Die Realität hat beide nicht nur ein-, sondern überholt. GC hat sich selbst zerlegt – und der FCZ? Er spielt nicht schön, und die Förderung der hausgemachten Jungen ist stecken geblieben. Ausser bei Kevin Rüegg und Toni Domgjoni ist davon nichts zu erkennen.

Uli Forte könnte sich über die Entwicklung des FCZ seine Gedanken machen, seit er im Februar 2018 weggeschickt wurde – damals lag die Mannschaft auf Platz 3 und stand im Cup-Halbfinal. Sie trat nicht spektakulär auf, aber solid. Nun hat Forte aber gar keine Zeit, sich mit seinem alten Arbeitgeber zu befassen. Er ist seit gut zwei Wochen damit beschäftigt, GC auf irgendeine Art in der Liga zu halten.

Die Treueschwüre der Chefs

GC schiesst am wenigsten Tore in der Liga, sechs sind es gar nur in den zwölf Spielen der Rückrunde; und dem FCZ gelingen auch nicht viel mehr, nur zehn im neuen Jahr. «Die letzten dreissig Meter» hat Magnin für seine Mannschaft als Problemzone ausgemacht. Dummer­weise sind es die entscheidenden dreissig Meter. 36 Tore sind sehr wenig für eine Mannschaft, deren Präsident Spektakel versprochen und darum Forte entlassen hat.

«Die Welt stürzt bei uns nicht ein, wenn es nicht klappen sollte», hat Ancillo Canepa jüngst in der NZZ gesagt und mit «es» die Qualifikation für die Europa League gemeint. «Wir stehen zum Trainer, wir machen mit ihm weiter», hat Thomas Bickel der «SonntagsZeitung» gesagt. Damit Präsident und Sportchef nicht von ihren Prognosen und Treueschwüren abrücken müssen, tut die Mannschaft vor allem gut daran, am kommenden Sonntag wieder einmal zu gewinnen. Dann kommt Sion in den Letzi­grund. Denn eines hat absolute Priorität: Das ist der Ligaerhalt. Den Cup gewinnen, aber abzusteigen – das nennt Magnin «Horrorszenario». Der FCZ erlebte das vor drei Jahren, mit Forte als Trainer.

Herz am rechten Fleck

Wie nun immer diese Saison für den FCZ enden wird, er muss einen personellen Umbruch einleiten, damit er das bekommt, was ihm so sehr fehlt: eine Achse. «Wir müssen alles hinterfragen, ohne uns selbst zu zerfleischen», sagt Bickel. Jedenfalls braucht der FCZ Leaderfiguren, wie sie in der Schweiz rar sind.

Der Sportchef verlangt von den Spielern Leidenschaft. Magnin wendet ein, sie hätten das Herz am rechten Fleck. So viel ist davon nicht immer zu sehen. Und im Vergleich zu Xamax hat der FCZ einen Nachteil: Anders als die Neuenburger hat er immer gross geträumt und sein Personal besser gesehen, als es ist.

Noch eine Frage an Magnin vor dem Spiel gegen Basel: Ist das Glas halb voll oder halb leer? «Das Glas ist mehr als halb leer.»

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