Sonnige Thuner Gemüter im Regen

Der FC Thun bezwingt Luzern überzeugend 3:1 und hat nun zehn Punkte Vorsprung auf Schlusslicht Vaduz.

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Die Schweiz wird gerade von einer Regenfront heimgesucht, aber im Berner Oberland scheint die Sonne. Irgendwie, wenn auch nur sinnbildlich. Denn freilich prasselte am Samstag der Regen auch unerbittlich auf die Stockhorn-Arena hernieder, spätestens um 19.45 Uhr ist das den Protagonisten des FC Thun aber egal. 3:1 haben die Gastgeber den erschreckend harmlosen FC Luzern geschlagen und feiern den dritten Sieg in Serie, den ersten gegen den FCL seit 25 Monaten.

«Es macht richtig Spass, so zu spielen», sagt Christian Fassnacht, dem gegen Luzern erstmals seit Mitte März wieder ein Tor gelang, und wischt sich das nasse Haar aus dem Gesicht. Wenige Meter daneben steht Dennis Hediger. Der Captain hat sich seines durchnässten Trikots entledigt und präsentiert seinen durchtrainierten Oberkörper. Er sagt, es sei wichtig gewesen, geduldig zu bleiben. Nach dem frühen Rückstand durch das Tor Marco Schneuwlys rannten die Thuner an, kreierten Chancen, mit denen im Normalfall mehrere Spiele gewonnen würden.

In der ersten Halbzeit lautete das Schussverhältnis 11:1 zugunsten des Heimteams. Da der Kopfball von Schneuwly aber den Weg ins Thuner Tor gefunden hatte und sich der reflexstarke Jonas Omlin im Tor der Innerschweizer nicht hatte bezwingen lassen, liefen die Einheimischen lange einem Rückstand hinterher.

Drei Siege in Serie sind rar

«Wir durften einfach die Geduld nicht verlieren» sagt Matteo Tosetti. Flügelkollege Fassnacht hält fest: «Nach dem Ausgleich habe ich gewusst, dass wir die drei Punkte holen würden.» Und Simone Rapp meint: «Wenn die Leistung stimmt, kommen die Tore automatisch.» Der Tessiner hat ein breites Grinsen im Gesicht, weil er zum zweiten Mal innert Wochenfrist von einem siegbringenden Treffer berichten kann. Zum zweiten Mal kam er nach einer Flanke Tosettis völlig freistehend zum Kopfball. «So einfach kann es gehen.»

Die Worte der Thuner Akteure illustrieren Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis, immer an einen Sieg zu glauben und sich vom Spielverlauf und einer Vielzahl vergebener Chancen nicht verunsichern zu lassen. Eigenschaften, die vorab mit Spitzenteams assoziiert werden, in den letzten Wochen aber auch im Thuner Ensemble zum Tragen gekommen sind. «Wir befinden uns in einer sehr guten Phase», sagt Tosetti. «Alles klappt nach Wunsch.» Erst zum dritten Mal in dieser Saison konnten die Thuner jubeln, nachdem sie 0:1 in Rückstand geraten waren. Dass die Thuner momentan auf einer Erfolgswelle reiten, zeigt ein Blick in die Vergangenheit, denn letztmals drei Erfolge aneinandergereiht hatten sie vor sechs Jahren (gegen YB, Sion und Xamax). «Wir wollen diese Serie weiter ausbauen», sagt Christian Fassnacht selbstbewusst – im Wissen, dass am nächsten Sonntag die Reise zum Meister auf dem Programm steht.

Kleiner Wermutstropfen

«Ich glaube, wir können noch viel Erfolg haben in dieser Saison», meint Tosetti. Einem Ziel sind die Oberländer mit dem Sieg gegen Luzern auf jeden Fall näher gekommen. Nach der Niederlage von Vaduz gegen GC (2:4) beträgt das Polster auf den Abstiegsplatz zehn Punkte. Die Gefühlslage wird in Thun traditionell nüchtern wiedergeben. Sowohl in positiven als auch in negativen Momenten hüten sich die Verantwortlichen davor, euphorische oder schwarzmalerische Aussagen zu machen. Und so ist auch nach dem Erfolg gegen Luzern immer wieder zu hören, dass der Ligaerhalt noch nicht geschafft sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Thuner noch einmal bangen müssen, ist indes auf ein Minimum gesunken.

Ganz eitel Sonnenschein herrscht im Regen aber dann doch nicht. Der Thuner Sicherheitsdirektor Peter Siegenthaler hatte für die Partie ein Fahnenverbot erlassen, worauf die meisten Luzern-Supporter der Begegnung fernblieben. Markus Lüthi steht solchen Kollektivstrafen sehr kritisch gegenüber, weil dem Klub deswegen einerseits Zuschauereinnahmen fehlen, andererseits hohe Sicherheitskosten entstehen. «Dadurch verlieren wir etwa 15'000 Franken», sagt der Thun-Präsident. Doch dann schreitet er mit einem Lachen durch die Katakomben – der Erfolg seines Teams hat diese Wolke am Himmel zumindest vorübergehend vertrieben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.05.2017, 19:39 Uhr

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02.06.FC Basel 1893 - FC St. Gallen4 : 1
02.06.FC Lugano - FC Luzern0 : 1
02.06.FC Sion - Grasshopper Club1 : 1
02.06.FC Vaduz - FC Thun1 : 3
02.06.BSC Young Boys - FC Lausanne-Sport2 : 0
Stand: 02.06.2017 22:38

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2.BSC Young Boys36209772:4469
3.FC Lugano361581352:6153
4.FC Sion361561560:5551
5.FC Luzern361481462:6650
6.FC Thun3611121358:6345
7.FC St. Gallen361181743:5741
8.Grasshopper Club361081847:6138
9.FC Lausanne-Sport36981951:6235
10.FC Vaduz36792045:7830
Stand: 02.06.2017 22:39

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