Thuner kämpfen sich zum Remis

Der FC Thun zeigt gegen den FC Zürich eine durchzogene Leistung, wird aber beim 2:2 für eine Aufholjagd mit einem Punkt belohnt.

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Plötzlich packt Marc Schneider der Mut. Es läuft die 81. Minute im Verfolgerduell mit dem FC ­Zürich. 2:2 steht es, und der Trainer des FC Thun hat noch eine Wechselmöglichkeit. Stürmer Nicolas Hunziker kommt für Mittelfeldspieler Kenan Fatkic. Es ist ein klares Zeichen, dass er mit dem Unentschieden nicht zu­frieden ist, dass er in den Schlussminuten den Siegtreffer an­streben will.

Selbst der Stadion­speaker scheint ob der Courage des Thuner Trainers überrascht, identifiziert er doch erst fälschlicherweise Dejan Sorgic als den Ausgewechselten. Doch es ist ebendieser Sorgic, dem sich in der Nachspielzeit tatsächlich die grosse Chance zum Siegtor bietet. Der Schuss des Zugers zischt am Tor vorbei, er habe den Ball nicht wunschgemäss getroffen, sagt der beste Thuner Torschütze später.

Schneiders Weckruf

Als die Protagonisten der Berner Oberländer im Kabinengang der Stockhorn-Arena stehen, er­wähnen sie sie alle, die grosse Möglichkeit zum Sieg. Im selben Atemzug sagen sie jedoch auch, was Schneider stellvertretend unumwunden auf den Punkt bringt: «Wir hätten den Sieg sicher nicht verdient gehabt.»

Die Gäste aus Zürich sind am Sonntagnachmittag über weite Strecken die dominierende Mannschaft, die Thuner kommen oft einen Schritt zu spät, wirken unkonzentriert und leichtgewichtig. «Wir haben uns nicht getraut, Fussball zu spielen», sagt Schneider, und Captain Dennis Hediger bemängelt, dass die ganze Mannschaft «viel zu tief gestanden» sei.

Über dem Thuner Ensemble schwebt lange Zeit eine ungewohnte Lethargie, die Schneider abzuschütteln versucht, indem er bereits nach 34 Minuten einen ersten Wechsel vornimmt: Basil Stillhart, der bisher in allen Partien durchgespielt hatte, mit Kevin Bigler ersetzt. «Ich hätte auch fünf, sechs andere auswechseln können», meint Schneider. «Wir hatten einfach das Zentrum überhaupt nicht im Griff.»

Schneiders Massnahme zeigt erst nur bedingt Wirkung, und nachdem Benjamin Kololli in der 57. Minute bereits zum zweiten Mal von den Unzulänglichkeiten im Spiel der Thuner profitiert und auf 0:2 erhöht, glauben wohl die wenigsten der 5526 Zuschauer, dass die Oberländer irgend­etwas anderes aus dieser Begegnung würden in die zweiwöchige Nationalmannschaftspause mitnehmen können als eine ganze Menge Verbesserungswürdiges.

Magnins Anekdote

Doch dann kommt die Phase im Spiel, die FCZ-Trainer Ludovic Magnin an der Pressekonferenz dazu verleitet, eine Anekdote von Trainerikone Gilbert Gress zum besten zu geben. «Herr Gress», sagt denn also Magnin, «hat mir beigebracht, dass eine Mannschaft nach einem erzielten Tor mindestens fünf Minuten keinen Gegentreffer bekommen darf.» Dass der 39-Jährige die goldene Regel des gressschen Fussballs rezitiert, lässt erahnen, dass der FCZ diesem Prinzip gegen Thun nicht treu bleiben konnte.

Im Gegenteil: Gress hätte in den 5 Minuten nach dem 0:2 gleich doppelten Grund dazu gehabt, seine schneeweissen Haare zu raufen. Nur 2 Minuten nach Kolollis Treffer zieht der eingewechselte Dennis Salanovic am Strafraum ganz in der Manier von Arjen Robben nach innen und schlenzt den Ball in die entfernte Torecke. Nur 3 Minuten später lanciert Kenan Fatkic Dejan Sorgic mit einem gut getimten Steilpass, den dieser kaltblütig zum Ausgleich verwertet.

«Dass wir nach dem Rückstand noch zurückkommen konnten, spricht für die Moral dieser Mannschaft», sagt Schneider. «Diese Leistung heute hat uns aber auch aufgezeigt, dass wir noch ganz viele Dinge verbessern müssen, wenn wir konstant oben in der Liga mitspielen möchten.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.10.2018, 18:11 Uhr

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Telegramm

Thun - Zürich 2:2 (0:1)
5526 Zuschauer. - SR Tschudi. - Tore: 28. Kololli (Rüegg) 0:1. 57. Kololli (Odey) 0:2. 59. Salanovic (Kablan) 1:2. 62. Sorgic (Fatkic) 2:2.
Thun: Faivre; Kablan, Gelmi, Sutter, Facchinetti; Fatkic (83. Hunziker), Hediger, Stillhart (34. Bigler); Tosetti (56. Salanovic), Sorgic, Spielmann.
Zürich: Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsö, Pa Modou; Palsson, Hekuran Kryeziu; Rodriguez (83. Winter), Domgjoni, Kololli; Ceesay (53. Odey).
Bemerkungen: Thun ohne Glarner (gesperrt), Karlen, Costanzo, Joss und Righetti (alle verletzt). Zürich ohne Marchesano, Khelifi, Aliu, Kempter, Rohner, Sauter (alle verletzt) und Sarr (krank). 32. Kopfball von Bangura an den Pfosten des eigenen Tores. Verwarnungen: 20. Bangura (Foul), 43. Bigler (Foul), 50. Kololli (Foul), 52. Kablan (Foul), 81. Pa Modou (Foul).

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