Untergang im Bernabéu

Der FC Basel war bei Champions-League-Sieger Real Madrid chancenlos und verlor 1:5.

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Ueli Kägi@ukaegi

Es war: Real Madrid gegen Basel.

Champions-League-Titelverteidiger gegen Schweizer Meister. 604 Millionen gegen 73 Millionen Euro Einnahmen. 338-Millionen-Offensive mit Benzema, Bale, Ronaldo, Modric und James Rodriguez gegen den geplanten Basler Abwehrbund.

Und nach 37 Minuten, was war da? Da führte Real im Santiago Bernabéu 4:0.

Es war alles schnell gegangen. Noch nicht in den ersten Minuten, da liessen die Königlichen, die nach zwei Niederlagen in drei Ligaspielen bereits unter Druck und in die Kritik geraten waren, den Motor warmlaufen. Es war für Basel auch noch nichts verloren in der 14. Minute, obwohl Real da die Führung gelang. Aber nach einer halben Stunde gab es für den FCB keine Rettung mehr.

Vor dem 1:0 hatten die Madrilenen zuerst schick kombiniert und dann Glück gehabt: Rodriguez spielte im Basler Strafraum einen Ball mit dem Absatz an FCB-Verteidiger Samuel vorbei, Nachos scharfen und für Benzema gedachten Pass lenkte Suchy ins eigene Tor. Wie Real danach seine Tore erzielte, war wunderbar – für die Königlichen und ihren Anhang. Aber schrecklich für den FCB, der von den Finessen und vom Tempo- und Konterspiel des Gegners überfordert war.

Sousa und der Schrecken

In der 30. Minute schlug Modric nach Zusammenspiel mit Ronaldo einen perfekten Aussenristpass auf Bale, der ­Waliser trickste FCB-Goalie Vaclik mit einem Lupfer aus. In der 31. Minute spielte Modric den nächsten Aussenristpass. Wieder lancierte er Bale, doch dieses Mal stand Ronaldo bereit, um zu vollenden. Und in der 37. Minute war es James, der den Abpraller nach Benzemas Schuss über die Linie bugsierte.

FCB-Trainer Sousa stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Dass seine Mannschaft gleich nach dem vierten Gegentor selbst traf dank dem Flachschuss von Gonzalez, machte nichts besser.

«Im Normalfall haben wir in Madrid keine Chance», hatte Basels Captain Marco Streller vor dem Match bemerkt. Es war ein Satz, der nicht nach Hoffnung klang. Streller träumte trotzdem, weil er auch an früher dachte, als er es sagte. An früher, als Basel in der Gruppenphase der Champions League bei Manchester United (2011) und Chelsea (2013) gastierte, sich im Old Trafford ein 3:3 erkämpfte und in London gar 2:1 gewann.

Von einem Coup waren die Schweizer gestern Abend weit entfernt. Die Aufstellung erzählte schon davon, mit wie ­wenig offensivem Mut sie angetreten waren: Sousa hatte für die Startformation acht defensiv orientierte Feldspieler ausgesucht. In der Anfangsphase hätte sich dem Team mehrmals Raum genug geboten für schwungvollen Angriffsfussball. Es kam praktisch nie dazu, weil der FCB die Bälle immer wieder leichtfertig verlor. Und wenn Real zügig in die Tiefe spielte, war die Defensive mental zu langsam und athletisch zu schwach.

Die zweite Halbzeit war nicht mehr als ein nettes Spielchen mit einem Real, das sein Tempo drosselte und einem FCB, der jetzt besser aussehen durfte. Es hätte am Ende ein 7:2 oder 6:3 sein können. Wenn Basels Gonzalez nicht alleine an Casillas gescheitert wäre. Wenn Bale seine zweite grosse Chance nicht verschenkt hätte. Wenn Schär nicht am Pfosten gescheitert wäre. Wenn Vaclik bei seinem mutigen Sprung Nachos Flanke verpasst hätte.

Benzema und das Ende mit Stil

Das Heimpublikum vertrieb sich das Warten auf den nächsten Treffer mit einem Duell: Es trafen da die Klatscher und Pfeifer aufeinander, wenn Goalie Casillas den Ball berührte, der Nationalgoalie hat sich in den vergangenen ­Monaten mit einigen Fehlern unbeliebt gemacht bei Teilen des Anhangs.

Benzema setzte den Schlusspunkt mit dem 5:1 in der 79. Minute stilvoll: Nach atemraubendem doppelten Doppelpass mit Ronaldo setzte er den Ball unter die Latte. Danach erhoben sich viele Zuschauer zufrieden und machten sich auf den Weg.

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