Verteidigen bis zum bitteren Ende

Der FCB verlor bei Ludogorez Rasgrad nach umstrittenem Platzverweis und spätem Gegentor 0:1.

92. Minute, der Ball liegt im FCB-Tor – Schär und Goalie Vaclik sind geschlagen. Foto: Andy Müller / Freshfocus.

92. Minute, der Ball liegt im FCB-Tor – Schär und Goalie Vaclik sind geschlagen. Foto: Andy Müller / Freshfocus.

Ueli Kägi@ukaegi

Eine Mannschaft griff an. Das war Ludogorez. Eine verteidigte. Das war der FCB. Die Basler spielten seit der 18. Minute in Unterzahl. In der zweiten Halbzeit schienen sie nur noch einem Konzept zu folgen. Es hiess: Augen zu und durch. Sie waren auch auf dem Weg, das 0:0 über die Zeit zu bringen. Doch dann, schon fast am Ziel, in der Nachspielzeit, liessen sie Minev zu viel Raum und wurden böse bestraft. Der 34-Jährige traf mit seinem Distanzschuss zum 1:0. «Es ist ganz bitter, so spät das Gegentor hinnehmen zu müssen», urteilte Fabian Frei und fand auch, es sei vieles gegen den FCB gelaufen.

Der Provinzverein Ludogorez Rasgrad wird angetrieben vom örtlichen Unternehmer Kyril Domustschiew, der den Club mit seinem Geld zu drei Meister­titeln in Serie geführt hat. In die Champions League sind die Bulgaren nur mit viel Glück via Barrage gegen Steaua Bukarest gekommen. Wie wenig das bedeuten muss, erfuhren Liverpool und Real ­Madrid. Die Grossclubs konnten sich ­gegen die Bulgaren in den ersten zwei Gruppenspielen nur mit Glück (Liverpool) und Mühe (beide) 2:1 durchsetzen.

Serey Die und der Knöchel

Ludogorez empfängt seine Gegner in der Champions League nicht in Rasgrad, sondern in Sofia, das Heimstadion entspricht nicht den Uefa-Richtlinien. Basel musste gestern ohne den verletzten Captain und Schlüsselspieler Streller antreten. Trainer Sousa besetzte die Spitze mit dem 17-jährigen Embolo, das war weniger überraschend als der Einsatz von Callà auf dem Flügel. Gashi, fünffacher Torschütze in der Super League, ist ­international nicht Sousas Geschmack.

Die Startphase sah nicht schlecht aus für den FCB. Embolo kam zu Abschlüssen in der 3. und 10. Minute. Nur ging es so positiv nicht weiter. Zuerst brauchte ­Basel eine starke Parade von Vaclik, um das Gegentor zu verhindern (18.). Sekunden danach musste Serey Die vom Platz. Der Mittelfeldspieler hatte im Zweikampf den Knöchel von Gegenspieler Moti getroffen. Der deutsche Schiedsrichter Aytekin sah darin eine Absicht und zückte Rot – ein fragwürdiger, harter Entscheid.

Bis zur Pause allerdings wirkte sich die personelle Unterlegenheit noch kaum aus, weil der FCB mit der angezeigten Ruhe reagierte. Die Mannschaft zog sich nur zwischenzeitlich weit zurück, sie verteidigte souverän und liess wenig zu. Sein Offensivspiel allerdings vermochte der Schweizer Meister kaum mehr zu entwickeln. Embolo, in den ersten Minuten wirblig, hatte praktisch keine Ballkontakte mehr. Und nur einmal konterten Gonzalez und Callà so gut, dass Goalie Stoyanov in (leichte) Not geriet.

Ludogorez Rasgrad versuchte in der zweiten Halbzeit, Tempo und Druck zu erhöhen. Es drängte Basel zurück, es spielte teilweise um den Strafraum herum wie ein Handballteam. Eine Lücke allerdings fand das Team nicht, dafür reichte seine spielerische Qualität nicht, dafür hatte es nicht genug Ideen – bis das glückliche Ende kam.

Der FCB muss sich vorwerfen, nach der Pause viel zu wenig unternommen zu haben für das eigene (Offensiv-)Glück. Er hatte bis auf zwei, drei Versuche in der Schlussphase keinerlei Interesse gezeigt an eigenen Angriffen. Er kann jetzt sein Minimalziel nicht mehr erreichen, nach dem 1:5 gegen Real und dem 1:0 über Liverpool in den aufeinanderfolgenen Partien gegen Ludogorez mindestens vier Punkte zu gewinnen. Verloren ist jedoch nichts. Ein Heimsieg in 12 Tagen bietet Basel beste Möglichkeiten auf ein grosses Finale. Zu Hause gegen Real. Und dann auswärts in Liverpool.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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