«Alle ausser mir dürfen mitmachen»

Stürmer Nassim Ben Khalifa klagt gegen seinen Arbeitgeber FC St. Gallen. Vor dem Kreisgericht widerspricht der Club seiner Version.

Will wenigstens wieder komplett ins Mannschaftstraining integriert werden: Nassim Ben Khalifa.

Will wenigstens wieder komplett ins Mannschaftstraining integriert werden: Nassim Ben Khalifa.

(Bild: Freshfocus)

Fussball-Stürmer Nassim Ben Khalifa klagt gegen seinen Verein, den FC St. Gallen, wie 20 Minuten am Mittwoch exklusiv berichtet hatte. Der 27-Jährige, der unter Trainer Peter Zeidler nicht mehr spielen darf, fühlt sich diskriminiert, weil er zum Teil auch von Trainings ausgeschlossen wird.

Der Einzelrichter des Kreisgerichts St. Gallen befasste sich am Freitag mit dem Fall. Das Urteil steht noch aus. Ben Khalifa, der beim FC St. Gallen einen Vertrag bis Juni 2020 besitzt, verlangte als vorsorgliche Massnahme, dass ihn der Club wieder vollumfänglich ins Training der Super-League-Mannschaft integriert.

Ben Khalifa trainiert zwar unter der Woche mit dem Team. Vom Abschlusstraining am Tag vor dem Match ist er aber jeweils ausgeschlossen. «Alle ausser mir dürfen mitmachen», beklagte er sich vor dem Richter. Das Abschlusstraining sei das wichtigste. Da könne sich jeder Spieler durch eine gute Leistung für den Match empfehlen.

Der U-17-Weltmeister von 2009 erschien gleich mit zwei Anwälten zum Verhandlungstermin. Sie bemängelten, der FC St. Gallen komme dem Beschäftigungsanspruch Ben Khalifas nicht genügend nach. «Im Profi-Fussball zählt jedes Training.» Der Stürmer werde isoliert und ignoriert, was für ihn eine grosse psychische Belastung sei.

FCSG-Anwalt: Berufsrisiko

Der Anwalt des FC St. Gallen sah dies komplett anders: Ben Khalifa gehöre aus sportlichen Gründen nicht mehr zum Kader der ersten Mannschaft. Dies sei zulässig und gehöre zum Berufsrisiko eines Profi-Fussballers. Es bestehe keine Verletzung des Beschäftigungsverhältnisses.

Die Abschlusstrainings dienten der Vorbereitung auf die jeweiligen Meisterschaftsspiele. Wer dabei sei und wer nicht, liege in der Kompetenz des Trainers. Darüber entscheide nicht der Richter. Ben Khalifa habe sich vom Club losgesagt und wolle den FC St. Gallen verlassen, erklärte der Anwalt des FC St. Gallen.

Dem widersprach der Stürmer: Im August 2018 hätten ihn der Trainer und der Sportchef darüber informiert, dass man aus sportlichen Gründen die Zukunft ohne ihn plane. Sie hätten ihm nahegelegt, sich einen neuen Club zu suchen. Dies habe er erfolglos versucht.

Zeidler und Sutter befragt

Vorgeladen wurden auch Trainer Peter Zeidler und Sportchef Alain Sutter. Der Richter wollte von ihnen wissen, wie die Abschlusstrainings funktionierten und wer daran teilnehme. Auf die Frage, weshalb Ben Khalifa ausgeschlossen werde, sagte Zeidler: «Wir haben es klar kommuniziert.»

sda

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