Alle sind sie gegen die Uefa-Super-Liga

Von Uli Hoeness über den Schweizer Liga-CEO Claudius Schäfer bis nach Italien: Die Pläne der Uefa stossen europaweit nicht auf viel Wohlwollen.

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Die Uefa will Veränderung. Wieder einmal. Sie will, dass Real Madrid nicht mehr nach Zagreb reisen muss. Sie will kein halbleeres Stadion in München, weil nur der FC Brügge vorbeikommt. Sie will Top-Spiele durchs Band. Der Verband möchte also ab 2024 die Champions League komplett reformieren. Das wurde in den letzten Tagen publik, hätte aber erst heute Freitag ans Licht kommen sollen. Wie das neue System der Uefa aussehen könnte, lesen Sie hier und in der Bildstrecke. Heute soll sich die Uefa auch noch dazu äussern.

Die Pläne der Uefa und der ECA (Europäische Club-Vereinigung, Vorstand ist Juventus-Präsident Andrea Agnelli) stossen aber schon jetzt auf Widerspruch. «Wir sind der Meinung, dass nur einige reiche und dominante Clubs von den Vorschlägen profitieren», schreibt die Vereinigung professioneller europäischer Fussballligen (EPFL) in einem Statement. Die grosse Mehrheit der Vereine in den Ligen des Kontinents würden Schaden davontragen.

Zu diesen reichen und dominanten Clubs, die profitieren könnten, gehören mit Sicherheit auch die Bayern. Doch auch in München werden die Uefa-Pläne nicht unbedingt goutiert. Weil zu deren Überlegungen auch gehört, dass europäische Top-Spiele an Samstagen stattfinden könnten, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeness am Donnerstag: «Es ist für mich nicht vorstellbar, dass es wegen internationalen Spielen am Samstag keine Bundesliga mehr gibt.» Bei den Bayern seien sie sich im Klaren, dass die Bundesliga das Wichtigste sei. Christian Seifert, Geschäftsführer der deutschen Fussballliga (DFL), ergänzt: «Eine mögliche Reform sollte allen Akteuren gerecht gemacht werden.»

Die neue Liga: ein aristokratischer Zirkel

Genau gleich tönt es etwas weiter südlich. Da sagte Gabriele Gravina, Präsident des italienischen Fussballverbands ebenfalls am Donnerstag: «Wir sind gegen die Schaffung einer Super-Champions-League.» Er und der Verband würden den Wert des nationalen Fussballs nicht zum Nachteil von dessen Interessen opfern. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte pflichtet Gravina in der «Gazzetta dello Sport» bei: «Ich habe starke Zweifel an der Idee, eine Liga einzuführen, die sich letztendlich als aristokratischer Zirkel präsentiert.» Und er fragt: «Hätte Ajax Amsterdam, das in dieser Saison vielleicht den besten Fussball zeigte, mit den neuen Regeln überhaupt an der neuen Champions League teilnehmen können?»

Die Frage ist durchaus berechtigt. Für die erste Austragung in der Saison 2024/25 würden sich die besten 32 Teams aus den Saisons 2020 bis 2024 qualfizieren. Zum Vergleich nehmen wir die aktuelle Fünfjahreswertung der Uefa zur Hand, die im Sommer 2024 keine Rolle mehr spielen wird. Da liegt Ajax dank den herausragenden Saisons 2016/17 (Europa-League-Final) und 2018/19 (Champions-League-Halbfinal) auf Rang 20.

Knapp unter den besten 32 Teams Europas findet sich auch der FC Basel wieder, er steht auf Rang 29, die Young Boys auf Platz 55. Es läuft darauf hinaus, dass für Schweizer Vereine kein Platz mehr ist. Stehen die ersten 32 Teilnehmer mal fest, kann man sich nur noch via die Europa Leauge (neu: League 2) qualifzieren. «Es soll doch weiterhin der Traum von jedem Club sein können, auch mal gegen Real Madrid oder Bayern München zu spielen», sagt Claudius Schäfer darum im «Blick». Der CEO der Schweizer Fussballliga (SFL) findet, es müsse eine Bewegung geben, die gegen diese Ansinnen kämpft. Denn: «Das will gar niemand.»

mro

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