Auch in Thun ist die Liebe geblieben

Miguel Rodrigues ist bei Servette gross geworden. Die Verbundenheit zum morgigen Gegner der Oberländer ist beim 22-jährigen Innenverteidiger stark.

Lange ein Grenat: Miguel Rodrigues

Lange ein Grenat: Miguel Rodrigues

(Bild: EQ Images)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Sie ist in jedem Wort spürbar. Miguel Rodrigues sitzt am Donnerstagmittag auf der Tribüne der Stockhorn-Arena und spricht über die Liebe. Seine Liebe zu Servette, seinem Verein, bei dem er als Elfjähriger mit Fussballspielen angefangen, sämtliche Juniorenstufen durchlaufen und es vor fünf Jahren als 17-Jähriger bis zum Stammspieler in der ersten Mannschaft geschafft hat. «Dieser Verein bedeutet mir noch immer viel», sagt Rodrigues.

Dass der Innenverteidiger seine Liebe aber vor zwei Jahren verliess und zum FC Thun übersiedelte, hat einen Grund, der schon diverse junge Spieler früher oder später weglockte. Bis im Sommer spielte Servette nur in der Challenge League, was für den Traditionsverein nach turbulenten Jahren inklusive Konkurs mit dubiosen Besitzern und Zwangsabstieg zwar eine beachtliche Rückkehr darstellte – besonders Junge streben aber danach, sich in einer höheren Liga zu messen.

Neben Rodrigues verliessen unter anderen Kevin Mbabu, Denis Zakaria, Dereck Kutesa, Maxime Dominguez, Jérémy Guillemenot und Yassin Maouche die Genfer – weil sie ihnen entwachsen waren oder das Ausland und grosse Vereine lockten.

Spielen im Quartier

Miguel Rodrigues verfolgt nach wie vor eng, was in seinem Herzensverein passiert. Mit Verteidiger Christopher Routis, Mittelfeldspieler Boris Cespedes oder Captain Anthony Sauthier tauscht er sich regelmässig aus, auch mit Mitgliedern der Physioabteilung ist der 22-Jährige in Kontakt. Aufgrund seiner beiden Kreuzbandrisse habe er viel Zeit mit ihnen verbracht. «Eigentlich mehr, als mir lieb gewesen wäre», sagt er und lacht. Auch mit Didier Fischer versteht er sich gut, und Rodrigues ist überzeugt, dass es vor allem dem Präsidenten zu verdanken ist, dass Servette nun wieder zu den zehn besten Vereinen des Landes gehört. «Jetzt herrscht Stabilität. Finanziell, aber auch sportlich.»

Der portugiesisch-schweizerische Doppelbürger freute sich sehr darüber, dass Servette die Rückkehr in die Super League schaffte. Er erzählt von seiner Kindheit, wie er jeweils mit Freunden im Quartier Fussball gespielt habe, gleich nach der Schule, in jeder freien Minute. Das sei in der Stadt heute nicht anders. «Genf ist fussballverrückt.»

Dass der Aufsteiger bereits fünf Punkte gesammelt und unter anderem Meister YB ein Unentschieden abgetrotzt hat, überrascht ihn nicht. Denn Servette spiele mutig, sei offensiv stark und scheue sich nicht davor, das Spiel zu machen. Rodrigues ist überzeugt: «Dass sie ihrer Philosophie auch in der Super League treu bleiben, zahlt sich jetzt aus.» Und obwohl es in der ausgeglichenen Liga sehr schwierig sei, Prognosen zu stellen und Rangvorhersagen zu machen, traut er den Grenats zu, sich im Mittelfeld zu etablieren und um die Europacup-Plätze zu spielen.

Mitfiebern auf der Tribüne

Wahrscheinlich wird Miguel Rodrigues morgen (16 Uhr, Stockhorn-Arena), wenn Servette zum ersten Mal in dieser Spielzeit gegen den FC Thun antreten wird, das Geschehen von der Tribüne aus verfolgen müssen. Im Cupspiel am letzten Sonntag gegen Bernex-Confignon zog er sich in einem Zweikampf eine Fussverletzung zu, die nach wie vor schmerzt. Das sei schon etwas schade, meint Rodrigues. «Aber ich freue mich trotzdem drauf, viele bekannte Gesichter zu sehen.»


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