Aus dem Nichts zum Publikumsliebling

Vor drei Monaten spielte Ridge Munsy noch in der 1.Liga, nun hat er sich in der Super League bestens eingelebt. Der Stürmer des FC Thun hofft, am Samstag gegen den GC erneut eine Einsatzchance zu erhalten.

In der Super League angekommen: Thun-Neuzugang Ridge Munsy  gibt auch in der höchsten Liga (hier im Derby gegen YB) Vollgas.

In der Super League angekommen: Thun-Neuzugang Ridge Munsy gibt auch in der höchsten Liga (hier im Derby gegen YB) Vollgas.

(Bild: Patric Spahni)

Zwischen dem Sportplatz Bachgraben in Allschwil und dem St.-Jakob-Park in Basel liegen 5 Kilometer. Auf der Strasse, fussballerisch, trennen die beiden Lokalitäten Welten. In Allschwil, der Heimstätte des Erstligisten Black Stars, hatte Ridge Munsy seinen vorletzten Auftritt auf Basler Territorium. Am 24. September, beim 7:1 seines SC Kriens, und Munsy steuerte einen seiner 22 Vorrundentreffer bei. 133 Zuschauer wurden gezählt.

200-mal mehr Zuschauer

164 Tage später durfte Munsy am letzten Samstag vor rund 200-mal grösserer Kulisse auflaufen. Beim 0:3 Thuns beim FC Basel wurde er in der 70. Minute eingewechselt, konnte aber am Verdikt nichts mehr ändern. Eindruck hat ihm das Gastspiel an der Stätte der grössten Schweizer Kluberfolge der Neuzeit dennoch gemacht: «Vor dem Match ging mir schon viel durch den Kopf, ich war glücklich und beeindruckt. Die Möglichkeit, vor 26'000 Zuschauern das Beste geben zu dürfen, war sehr inspirierend.»

Der 7. März war – abgesehen vom Resultat – der vorläufige Höhepunkt des Märchens. Anfang Januar aus der Innerschweiz ins Oberland geholt, hat sich Munsy bestens eingelebt. In vier von fünf Spielen durfte er im Spielverlauf auf den Platz. Dass sein Minutentotal mit 60 noch gering ist, stört ihn nicht: «Jeder Einsatz ist ein schönes Zeichen vom Trainer, dass er mit mir rechnet. Ich versuche, in den wenigen Minuten dem Team so gut wie möglich zu helfen. Ansonsten bleibe ich geduldig und hoffe, dass sich die Einsatzzeit erhöhen wird.»

Natürlich ist der Rhythmusunterschied gross und lässt sich nicht einfach innert Kürze komplett beheben. Als Munsy mit dem Team ins Trainingslager in die Türkei reiste, waren physische Defizite logisch. Er hat hart gearbeitet, um dieses Manko zu beheben. «Ich habe schon einige Zusatzschichten eingelegt», sagt er in Erinnerung an die vergossenen Schweisstropfen und fügt an, «Pi Zürcher (der Konditionstrainer, Red.) macht das sehr gut».

Munsy hat sich der veränderten Realität schnell angepasst. Er versucht auch zu geniessen: «Ich weiss mehr und mehr zu schätzen, dass ich im Leben gerade eine sehr gute Phase habe. Es macht enorm viel Spass, ins Training zu gehen, am Morgen muss ich nicht mehr kämpfen, um aufzustehen.»

Den guten Erfahrungen zum Trotz: Ob es für einen Stürmer ein guter oder ein schlechter Tag war, entscheidet sich anhand der Tore und der gelungenen Offensivaktionen. Da muss Munsy noch zulegen, wenn er sein Ziel erreichen will: «Ich will so schnell wie möglich einschlagen, Tore beisteuern. Dazu muss ich vor dem Tor präsenter sein.»

Bei der ersten Aktion gefeiert

Beliebt ist der praktisch immer gut gelaunte Kämpfer bei den Teamkollegen, bei den Fans hat er sogar schon eingeschlagen. Schon seine erste Aktion, beim Rückrundenstart gegen Aarau irgendwo an der Seitenlinie, wurde frenetisch gefeiert, seither ist er bereits zum Publikumsliebling avanciert und damit in die Fussstapfen von Armand Deumi oder Milaim Rama getreten.

Auch für den so gelobten Neuzugang kamen diese ausgeprägten Sympathiekundgebungen an seine Adresse unerwartet: «Ich bin selber erschrocken, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Das erwärmt aber das Herz und macht noch mehr Mut und Wille, den Fans etwas zurückzugeben, denn sie geben mir extrem viel.» Munsy, unverbraucht und ehrlich, geht sogar einen Schritt weiter: «Alleine deswegen hat sich der Wechsel schon gelohnt.»

Der 25-Jährige möchte den Fans schon am Samstag etwas zurückgeben, im Heimspiel gegen den kriselnden Rekordmeister GC (20 Uhr, Stockhorn Arena). «Wir haben die Niederlage gegen Basel verarbeitet und wollen zeigen, dass dies nicht der wahre FC Thun war. GC ist ein schwieriger Gegner, aber wir wollen alles machen, damit die drei Punkte hier bleiben.» Ridge Munsy wird auch bei einem Kurzeinsatz alles dafür geben, das nächste Kapitel in seinem modernen Fussballmärchen zu schreiben.

Berner Zeitung

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