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Baumann: «Man muss den Spielern Zeit lassen»

Alain Baumann ist seit dem 1. Februar YB-Sportchef. Er spricht über seine Arbeit und die YB-Strukturen, er verteidigt die Transferpolitik, erzählt von seiner Vision und sagt, was mit den Millioneneinnahmen aus den Transfers passiert.

Welche Note würden Sie Ihrer Arbeit geben?

Alain Baumann: Note? Wir sind doch nicht in der Schule (lacht). Vermutlich ist es zu früh, nach wenigen Monaten im Amt ein Fazit zu ziehen. Grundsätzlich bin ich zufrieden. Aber es gibt bei YB noch sehr, sehr viel zu tun. Als Sportchef hat man keine Probezeit, aber ich lerne jeden Tag dazu. Das ist ja in jedem Beruf so.

An wem orientieren Sie sich?

Ich finde, Fredy Bickel und Erich Vogel sind die zwei besten Schweizer Sportchefs. Bei YB hat es in den letzten Jahren viele Veränderungen gegeben. Wir wollen jetzt Kontinuität aufbauen.

Welches sind die wichtigsten Aufgabengebiete für Sie?

Jeder Tag ist anders. Ständig rufen Berater an und preisen ihre Spieler an, wir haben intern viele Diskussionen, es geht um Vertragsverlängerungen, ich rede mit den Nachwuchstrainern, gehe Spiele und Spieler beobachten. Es ist ein Traumjob, aber ein stressiger.

Wie sind die YB-Strukturen?

Sie sind sehr gut bezüglich Zusammenarbeit zwischen YB und Stade de Suisse. Sie sind ausbaufähig in zahlreichen anderen Bereichen wie vor allem Scouting.

Stört es Sie nicht, dass viele denken, Sie seien bloss der Befehlsempfänger von Stadion-CEO Stefan Niedermaier?

Nein, weil es nicht stimmt. Natürlich muss Stefan Niedermaier Entscheidungen fällen, insbesondere in finanzieller Hinsicht. Das ist doch legitim. Er ist der CEO, und ich bin der Sportchef mit allen Freiheiten.

Sie sind stets sehr ruhig, überlegt und korrekt.

Ja, ich lege immer Wert auf freundliche Umgangsformen. Ich werde nie in der Öffentlichkeit schlecht über Spieler oder Mitarbeiter reden. Ich bin kein Polterer, ich schreie nicht herum, ich bin so, wie ich bin. Intern haben wir eine ausgeprägte Streitkultur, nach aussen wollen und müssen wir eine Einheit sein.

In der Öffentlichkeit wird Ihre Arbeit an den Transfers gemessen.

Das mag sein und ist verständlich, obwohl meine Arbeit wie gesagt wesentlich vielschichtiger ist.

Doch das Wichtigste für den Erfolg einer Mannschaft ist deren Zusammenstellung...

...das kann ich unterschreiben, wenn man die Trainerwahl hinzunimmt. Und da dürfen wir mit Vladimir Petkovic zufrieden sein. Er ist ein ausgezeichneter Trainer und ein toller Beobachter, seine Philosophie passt zu uns, wir wollen das Publikum mit attraktivem Fussball unterhalten. Ich denke, heute wirft uns niemand mehr den Trainerwechsel vor.

Der Zeitpunkt bleibt fragwürdig. Schliesslich war der Spielermarkt leer, als Petkovic verpflichtet wurde. Und jetzt fehlen Fussballer, die im 3-4-3-System agieren können.

Im Gegenteil, der Zeitpunkt war ausgezeichnet. Wir waren schlecht gestartet und mussten handeln. Fragen sie beim FC Luzern nach, die haben Petkovic am Tag seiner Vorstellung bei uns angerufen. Wir hätten nicht länger warten dürfen, sonst wäre Petkovic nicht mehr auf dem Markt gewesen.

Dennoch: Mit den Spielertransfers können Sie nicht zufrieden sein.

Natürlich hätten wir uns vom einen oder anderen mehr erwartet. Aber man muss den Spielern Zeit lassen. Das beste Beispiel ist Regazzoni, der bei YB ein sehr schwaches Jahr hatte und jetzt wieder Nationalspieler ist. Man muss berücksichtigen, welche Überlegungen wir uns gemacht haben.

Das machen wir gerne. YB wollte nach der Vizemeisterschaft Basel angreifen, hat aber sieben Fussballer verpflichtet, von denen am Sonntag in Vaduz einzig Eudis, der bisher enttäuschendste Zugang, in der Startformation stand.

Warum sind die Leistungen von Eudis enttäuschend? Er hatte gut angefangen und verletzte sich dann. Und mit Dénervaud und Lüscher haben wir zwei Fussballer aus unterklassigen Ligen geholt, denen wir zutrauen, eine gute Rolle zu spielen. Dénervaud haben wir nach Yverdon ausgeliehen, weil die Umstellung von der 1.Liga zu YB zu gross war. Trotzdem glauben wir an ihn. Und Lüscher ist ein dankbarer Teamplayer. Eine Mannschaft kann nicht aus 20 Stammspielern bestehen.

Eudis und Schneider sind aber als Leistungsträger geholt worden.

Ich bin überzeugt, dass Eudis und Schneider noch sehr wertvoll für YB werden. Und als wir sie im Sommer geholt haben, war noch Martin Andermatt unser Trainer, das System war ein anderes.

Am erfreulichsten schlagen sich die unbekannten, aber talentierten Doumbia und Bastians.

Ja, und man könnte jetzt auch sagen: YB hat einen tollen Riecher gehabt. Beide sind jung, helfen dem Kader aber bereits, ein höheres Niveau zu erreichen.

YB hat den mit Abstand besten Fussballer, Hakan Yakin, nicht ersetzt. War das kein Riesenfehler?

Jetzt frage ich zurück: Wie viel kostet es, Yakin zu ersetzen?

Das wäre nicht billig. Aber er war der Schlüsselspieler...

...genau, wir konnten Yakin unmöglich eins zu eins ersetzen. Ein Spieler seiner Klasse kostet fünf bis zehn Millionen Franken.

Ende August wurde noch David Degen geholt, seine Qualitäten sind unbestritten. Aber warum spielt er noch keine wichtige Rolle?

Degen war monatelang verletzt, ihm fehlt die Spielpraxis, die er Schritt für Schritt erhält. Uns fehlt ein Abwehrchef. Glauben sie mir, es ist nicht einfach, einen überragenden Verteidiger zu finden. Basel sucht schon lange einen.

Aber Sie können mit den Millionen ja nur so um sich werfen.

Wir kommen Sie denn darauf?

Alleine die Verkäufe von Gohouri (4 Millionen), Mangane (5 Millionen) und Yakin (1 Million) sowie der anstehende Verkauf Zayattes (5 Millionen) spült YB 15 Millionen in die Kasse.

Das ist eine nette Rechnung, die leider nicht stimmt. Ein Teil der Einnahmen fliesst an Berater und Spieler, ein Grossteil in die Tilgung von Darlehen, und wir können jetzt mehr in den Nachwuchs investieren. Und auch die Vertragsverlängerungen von Raimondi, Varela, Häberli oder Schwegler haben uns zuletzt Geld gekostet.

Die Investoren wollen kein Geld zurück?

Nein, wir können ruhig arbeiten.

Wie weit ist die Suche nach einem Verteidiger fortgeschritten?

Wir sind dabei, bei YB ein Scoutingsystem zu installieren. Das benötigt Zeit, derzeit sind wir in dieser Beziehung nicht so gut aufgestellt. Ich war vor kurzem in Schweden, wir haben einige Spieler auf unserer Liste, aber wir sind heute noch nicht so weit, dass wir sagen können: Diesen Verteidiger wollen wir.

Wie sieht Ihre Vision aus?

Wir wollen mit YB so schnell wie möglich einen Titel holen. Und wir haben die Philosophie entwickelt, möglichst viele Schweizer im Team zu haben, ergänzt mit drei, vier starken Ausländern. Dazu kommen Talente, zum Beispiel aus der Elfenbeinküste, wo wir ja eine Partnerschaft mit einer Fussballschule unterhalten, aus der auch Doubai stammt.

Ist es realistisch, mit Basel in Konkurrenz zu treten? Dort hat es Spieler wie Huggel, Streller oder Costanzo, die über eine Million Franken im Jahr verdienen, bei YB dürfte Yapi mit rund 450000 Franken jährlich Topverdiener sein.

Das haben Sie gesagt. Natürlich ist das Lohnniveau bei Basel höher, aber man kann auch mit weniger Geld erfolgreich sein, der FC Zürich hat das mit geschickter Personalpolitik vorgemacht.

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