Behramis Kung-Fu-Attacke sorgt in Deutschland für hitzige Debatte

Valon Behrami hätte im Spiel des HSV gegen Dortmund gleich dreimal Rot sehen können. Doch es blieb lediglich bei einer Verwarnung, was nicht nur BVB-Trainer Jürgen Klopp auf die Palme brachte.

Ein Schlag in die Kehle: Valon Behramis Foul bleibt ungestraft. (Quelle: TA, Teleclub)
Thomas Niggl@tagesanzeiger

Der Schweizer Nationalspieler Valon Behrami kehrte nach einem Eingriff am Knie und einer zehnwöchigen Pause erstmals in der Rückrunde wieder in die Mannschaft des Hamburger SV zurück. Sein Comeback löste in Deutschland eine hitzige Debatte aus. Der Tessiner war offenbar derart übermotiviert, dass er im Spiel gegen Dortmund ohne Rücksicht auf Verluste in die Zweikämpfe stieg.

Der üble Ellbogencheck mit Anlauf gegen den Hals von Dortmunds armenischem Nationalspieler Henrich Mkhitaryan hätte schon in der Anfangsphase zwingend die Rote Karte zur Folge haben müssen. Danach stieg Behrami gegen Dortmunds Mittelfeldspieler Sven Bender gleich zweimal in Kung-Fu-Manier mit gestrecktem Bein ein. Auch da hätte Schiedsrichter Peter Gagelmann durchaus direkt Rot zeigen können.

«Macht daraus eine Geschichte und nicht in meinem Namen»

An der Pressekonferenz debattierten die beiden Trainer Joe Zinnbauer und Jürgen Klopp denn auch heftig über den Kampfstil des Schweizers. Der HSV-Coach nahm seinen Mittelfeldspieler in Schutz: «Wir wissen, dass er gerade mal ein paar Tage auf dem Platz gestanden ist und die Koordination auch noch fehlt, aber Absicht war es mit Sicherheit keine.»

Dortmunds Trainer entgegnete zunächst mit dem Verweis auf seine Auseinandersetzung mit Sky-Kommentator Marcel Reif in der vergangenen Woche. «Daraus ist eine Riesengeschichte entstanden. Jetzt sitzt ihr alle da und habt die Szene gesehen und wollt von mir hören, was ich denke. Dabei denkt jeder das Gleiche, ausser Joe (gemeint ist HSV-Coach Zinnbauer, Anm. der Redaktion), weil es sein Job ist. Macht daraus eine Geschichte und nicht mit meinem Namen, ehrlich gesagt», sagte Klopp und gab dann doch noch in seinem Namen eine Erklärung ab.

«Ich bin ein Idiot»

«Es war eine Rote Karte, fertig. Ob er jetzt acht Monate nicht gespielt hat oder zwei Wochen, ob ihm die Koordination fehlt oder sonst was – sie hat gereicht, um den Arm nach oben zu nehmen und Mkhitaryan ins Gesicht zu schlagen. Ob es Absicht war oder nicht, interessiert uns im Moment nicht. Ich wünsche ihm als Mensch, dass es keine Absicht war, und das glaube ich ihm sogar. Aber das ist in den meisten Fällen keine.» Es habe im Übrigen noch zwei weitere Gründe gegeben, um Behrami vorzeitig unter die Dusche zu schicken.

Da konnte es sich Behramis Trainer Joe Zinnbauer nicht verkneifen, an die Adresse Klopps zu sagen: «Jetzt können sie doch eine Geschichte machen.» Klopps Antwort: «Ja, ich bin ein Idiot, aber das weiss ich schon lange.»

«Das war eine klare Tätlichkeit»

Auch beim gestrigen Doppelpass beim deutschen TV-Sender Sport 1 war Behrami ein grosses Thema. Als Gesprächsleiter Jörg Wontorra den Beitrag mit dem Ausdruck einer «vermeintlichen Tätlichkeit Behramis» anmoderierte, brach Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke sogleich in schallendes Gelächter aus. «Jeder hat ja gesehen, was das war. Da gibt es eigentlich nichts zu sagen.» Wenn Behrami am Ball sei, schaue man schon genauer hin.

Auch für Thomas Strunz, den ehemaligen Mittelfeldspieler der Bayern, gibt es keine zwei Meinungen. «Das war eine klare Tätlichkeit, die durch nichts zu entschuldigen ist. Und der Schiedsrichter stand drei Meter daneben.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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