Schweizer des Jahres

Fifa-Präsident Sepp Blatter wird vorverurteilt. Sorry, Freunde, da mache ich nicht mit.

Der «Tages-Anzeiger» macht sich lustig über «Die Weltwoche», die den gesperrten Schweizer Fifa-Präsidenten Sepp Blatter zum «Schweizer des Jahres» kürt. Da Blatter «für den Rest der Welt synonym steht für Korruption in der Fifa», ist auch für den «Tages-Anzeiger» automatisch klar, dass eine Würdigung Blatters nur als «Hans­wursterei» gewertet werden kann. Selten hat eine Schweizer Zeitung so offen zugegeben, dass sie sich in ihrer Urteilsbildung vor allem auf aus­ländische Meinungen verlässt.

Ich sehe es anders. Blatter hat Erstaunliches geleistet. Als er die Fifa vor 17 Jahren übernahm, war sie faktisch bankrott. Aus 20 Millionen Franken Schulden wurden 1,5 Milliarden Franken Reserven. Welcher Unternehmer kann Ähnliches vorweisen? Gleichzeitig baute Blatter die von europäisch-südamerikanischen Fussball-Aristokraten beherrschte Fifa in eine weltumspannende Agentur für Entwicklungshilfe mit grosser Bodennähe aus. Blatter investierte Milliarden in den Bau von Schulen und Infrastrukturen. Er förderte den Frauenfussball und die arabischen Verbände. Den Afrikanern brachte er die WM.

Die Expansion war nicht betriebswirtschaftlicher Selbstzweck.

Die Expansion war nicht betriebswirtschaftlicher Selbstzweck. Blatter sieht im Fussball eine zivilisierende Kraft, die der Verbreitung von Grundwerten wie Leistung, Fairplay und Selbstdisziplin dient. Seime Gegner höhnen, aber Blatters missionarische Leidenschaft ist echt.

Bis zu seiner Sperre gehörte er zu den angesehensten Schweizern. Er verkehrte auf Augenhöhe mit Staatschefs, Päpsten, Kultur­grössen und Top-Unternehmern. Quasi im Nebenamt machte er immer auch Werbung für die Schweiz. Blatters Ausnahmestellung weckte Neider. Er hätte früher zurücktreten müssen, aber die aktuelle Vorverurteilung ist ein Skandal. Bis jetzt liegen keine Beweise für strafrechtliche Verfehlungen vor, dennoch berauschen sich die Kritiker an den wildesten Anschuldigungen. Blatter kämpft weiter. Auch das macht ihn zum längst verdienten «Schweizer des Jahres».

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