Breitenrain - YB: Ein Geben und ein Nehmen

Im heutigen Cupspiel zwischen Breitenrain und YB treffen zwei Klubs aufeinander, die im Juniorenbereich eng zusammenarbeiten. Etwa zwei Drittel des FCB-Kaders haben eine YB-Vergangenheit.

Breitenrain-Spieler mit YB-Vergangenheit.

Breitenrain-Spieler mit YB-Vergangenheit. Bild: Christian Pfander

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Als Breitenrain-Coach Gian-Luca Privitelli seine Equipe kurz vor dem Training zusammentrommelt und jene Akteure mit einem YB-Bezug bittet, im Mittelkreis für den Fotografen zu posieren, passiert auf dem Sportplatz Spitalacker Erstaunliches: Lediglich etwa eine Handvoll Fussballer verharrt am Spielfeldrand, der Rest trottet feixend über den Kunstrasen und wirft sich wie vom Trainer befohlen in Pose.

Sage und schreibe 17 Akteure des Promotionsligisten trugen im Nachwuchs den YB-Dress, für sie bedeutet das Cupspiel gegen die Gelb-Schwarzen ein veritables Karrierehighlight. «Dieses Los ist ein Traum, ein einmaliges Spiel für den ganzen Klub», sagt Innenverteidiger Nicolas Kehrli (34), der zu Neufeld-Zeiten zwischen 2003 und 2005 24-mal für YB in der Super League aufgelaufen ist.

Auch sein 39-jähriger Bruder Raphael Kehrli, dessen Transfer 1999 von den Young Boys zu Basel mithalf, die finanziell am Abgrund stehenden Berner zu sanieren, hat es einst als riesiges Talent und als Stammspieler bis ins Fanionteam gebracht. Die grosse Mehrheit der «Breitsch»-Akteure hat es indes nie in die erste Mannschaft von YB geschafft, für viele endete der Traum vom Profi spätestens in der U-21-Equipe, einigen von ihnen wurde ein Wechsel zu einem anderen Klub früher nahegelegt, was den einen oder anderen FCB-Spieler heute zusätzlich motivieren dürfte.

Zusammenarbeit gut wie nie

Dass Breitenrain und YB im Jugendbereich kooperieren, liegt auf der Hand. Der Quartierverein hat sich im letzten Jahrzehnt zur klaren Nummer 2 in der Stadt Bern hinter YB gemausert, zudem sind die beiden Klubs nur wenige Hundert Meter Luftlinie voneinander entfernt.

«Die Zusammenarbeit mit YB ist derzeit so gut wie noch nie», sagt Breitenrain-Sportchef Christoph Schöbi, der mit seinem unermüdlichen Engagement und seinem Näschen für gute Fussballer der Hauptverantwortliche für den Aufschwung des Quartierklubs ist. Der Austausch mit den Young Boys sei in den letzten Jahren deutlich intensiviert worden, erläutert Schöbi, inzwischen würden beide Vereine voneinander profitieren.

Vorab im Bereich des Kinderfussballs entpuppte sich der FCB, der eine Fussballschule für die Kleinsten betreibt und insgesamt weit über 500 Junioren ausbildet, in den letzten Jahren als Hauptzulieferer für die Young Boys. «Unsere Jugendbewegung ist mitunter auch auf YB ausgerichtet», erzählt Schöbi. So seien aus dem letzten E-Junioren-Jahrgang zum Beispiel 12 Spieler vom FCB in das sogenannte YB-Stadtteam gewechselt. In den Kategorien FE-12, FE-13 und FE-14 nimmt jeweils eine Equipe unter diesem Namen am Spielbetrieb teil, gespeist werden diese Teams mit Kindern vom FC Wyler, vom FC Länggasse, vom FC Bern und eben Breitenrain.

Vor vielen Jahren bei YB aktiv, seit sechs Jahren Spieler des FC Breitenrain: Verteidiger Nicolas Kehrli. Bild: Andreas Blatter

Ein Geben und ein Nehmen

«War es früher vor allem ein Geben von unserer Seite, durften wir in letzter Zeit auch immer öfter nehmen», sagt Schöbi. Der Breitenrain-Sportchef schwärmt von der Zusammenarbeit mit dem Ex-YB-Nachwuchschef und jetzigen Verwaltungsratmitglied Ernst Graf – «Er vermittelt Kontakte» – und mit Christoph Spycher – «Er schätzt uns als Quartierverein und steuert auch gezielt YB-Junioren zu uns».

Allein in den letzten zwei Saisons stiessen mit Eric Briner (21), Cristian Schwab (23), Roberto Zingarelli (20), Enes Ciftci (20) oder Yann Kasai (19) etliche von YB ausgebildete Talente zu «Breitsch», denen der Sprung von der U-21 ins Fanionteam verwehrt blieb. «Die Kooperation ist nachhaltig geworden, auch weil YB weiss, dass wir ein verlässlicher Partner sind», sagt FCB-Präsident Claudio A. Engeloch.

Als der Fotograf seine Bilder im Kasten hat, fallen vor dem Trainingsstart noch ein paar Sprüche in Richtung der Akteure ohne YB-Vergangenheit. «Nicht alle schaffen es halt zu YB», ruft ein «Breitsch»-Spieler, ein anderer witzelt: «Mit euren Frisuren hättet ihr eh nicht aufs Bild gedurft.» Kurz darauf nimmt das Training so richtig Fahrt auf. Die Konzen­tration der Spieler und die Intensität in den Übungen beeindrucken. Jeder Fussballer will sich für das Spiel des Lebens aufdrängen. Jene, die einst für YB spielten, vielleicht ­sogar noch ein My mehr.

Verfolgen Sie das Cup-Derby heute ab 17 Uhr im Liveticker auf unserer Website. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 10:01 Uhr

Berner Teams im Schweizer Cup

Nicht alle Berner Fussballvereine, welche sich für die erste Runde des helvetischen Cups qualifizierten, hatten so ein grosses Losglück wie der FC Breitenrain. So hat etwa der regionale Zweitligist FC Wyler, der dank der Qualifikation für den Final des Berner Cups in der 1. Hauptrunde steht, einen relativ undankbaren Gegner erwischt. Der Quartierklub empfängt am Sonntag (15 Uhr) den FC Locarno aus der 2. Liga interregional. Wyler-Trainer Johan Berisha blickt auf eine schwierige Saisonvorbereitung mit vielen Abwesenden zurück, weshalb er das Duell gegen den interregionalen Zweitligisten aus dem Tessin als Herkulesaufgabe bezeichnet. «Wären alle Spieler von Anfang an dabei gewesen, hätte ich uns sehr gute Chancen ausgerechnet. So aber müssen wir hoffen, dass der Cupgeist auflebt», hält Berisha fest.

Der FC Biel, welcher den Final des Berner Cups gegen Wyler 6:0 gewonnen hat, bekommt es derweil mit dem Promotionsligisten Bavois zu tun. Obschon die Westschweizer zwei Ligen höher agieren als die Seeländer, dürfte Biel keineswegs chancenlos sein, befinden sich im Kader doch etliche Spieler mit Erfahrung in höheren Ligen.

Zu einer reizvollen Affiche wird es am Sonntag (14.30 Uhr) auf dem Sportplatz Sandreutenen in Münsingen kommen, wo die Equipe von Trainer Kurt Feuz gegen den SC Düdingen antreten wird. Beide Mannschaften sind in der 1. Liga engagiert, es dürfte deshalb ein Duell auf Augenhöhe geben. Münsingen gelang es in den letzten Jahren immer wieder, im Cup für Furore zu sorgen, auch in dieser Saison hegen die Aaretaler Ambitionen, die eine oder andere Runde zu überstehen.

Ebenfalls im helvetischen Cup vertreten ist der Promotionsligist Köniz, der in der letzten Spielzeit sensationell den Superligisten Lausanne eliminierte und erst im Achtelfinal in einem epischen Elfmeterschiessen am FC Luzern scheiterte. Die Vorstädter müssen heute Nachmittag in den Kanton Solothurn reisen, wo sie um 18 Uhr auf den FC Bellach treffen werden. Bellach spielt in der 2. Liga regional, Köniz ist also klarer Favorit. lüp

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