Breiter, aber auch befreiter?

Das Lazarett beim FC Thun lichtet sich. Die Frage ist, ob dies genügt, um die Wende einzuleiten.

Seit längerer Zeit wieder im Training, bald auch wieder in der Liga zu sehen: Ridge Munsy.

Seit längerer Zeit wieder im Training, bald auch wieder in der Liga zu sehen: Ridge Munsy.

(Bild: Keystone)

Dominic Wuillemin

Es ist nur eine simple Übung – das klassische 5-gegen-2 – welche die Thuner am Mittwoch in der Stockhorn-Arena absolvieren. Und doch deutet sie einen Aufschwung an. Nicht weil das Niveau während der Übung aussergewöhnlich hoch ist, das ist es nicht. Sondern weil einer der Spieler, der in der Mitte dem Ball nachjagt, Dennis Hediger ist – im Februar beim Duell mit YB mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Kunstrasen begleitet, nach Kreuz- und Innenbandriss seit acht Monaten schmerzlich vermisst.

Eigentlich plante der Captain sein Comeback für August ein, doch dann erlebte er Phasen, in denen der Heilungsprozess kaum voranschritt, einmal fast während eines Monats. Nun aber ist seine Rückkehr nahe – nicht heute in Basel, wohl auch nicht in acht Tagen in Bern. Schon nur deshalb nicht, weil Club und Spieler nicht bereit sind, auch nur das kleinste Risiko einzugehen.

Hediger ist die alles überstrahlende Personalie, aber im Training sind auch andere Spieler zu sehen, die die Partien vornehmlich in Zivilkleidung verfolgten. Da ist Stürmer Ridge Munsy, der die Länderspielpause zur vollständigen Genesung nutzen konnte. Oder Spielmacher Grégory Karlen, der in dieser Saison überhaupt noch nie eingesetzt werden konnte.

Das Hoffen auf Tore

Trainer Marc Schneider wird jetzt so viele Optionen haben wie überhaupt noch nie während dieser Saison. Die Frage ist, ob dies genügt, die Wende einzuleiten, «die Blockade zu lösen», wie er es formuliert. Oder ob sich die Thuner in eine Lage manövriert haben, in der mehr benötigt wird als ein paar Auswahlmöglichkeiten mehr.

«Wir haben gezeigt, dass wir ansprechenden Fussball spielen und uns Chancen erarbeiten können. Das Einzige, was fehlt, sind Tore», sagt Schneider. Es ist dieser Mangel, der die Thuner beunruhigen sollte. Als sie in den letzten beiden Rückrunden in eine Krise stürzten, da lag es zumindest nicht an der Offensivausbeute.

Die Hebel in der Defensive anzusetzen, ist leichter als vorne. Es ist kein Zufall, sind es Offensivkräfte, die im Weltfussball am meisten kosten. Wobei die Gründe für die Thuner Harmlosigkeit eher nicht im spielerischen, sondern im mentalen Bereich zu suchen sind. Die Oberländer schiessen mit am meisten aufs gegnerische Tor, sie verwerten jedoch nur knapp sieben Prozent ihrer Gelegenheiten. Es ist der schlechteste Wert der Liga. «Mit jeder Minute ohne Treffer wird die Blockade vor dem gegnerischen Tor grösser», sagt Schneider.

Insofern ist es für die Thuner vielleicht gar nicht schlecht, stehen nun in Basel und Bern Partien an, in denen sie nichts zu verlieren haben.

So könnte Thun spielen:Hirzel; Glarner, Havenaar, Sutter, Kablan; Gelmi, Stillhart; Tosetti, Castroman, Hefti; Rapp. Ohne: Hediger, Ziswiler, Bigler (verletzt), Righetti (krank).


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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