Canepa fehlt eine Strategie

Die Entlassung von Trainer Urs Meier zu diesem seltsamen Zeitpunkt deutet auf grosse Unruhe beim FC Zürich hin.

Leerer Blick, vielsagende Geste: Urs Meier und Ancillo Canepa haben sich auseinandergelebt.

Leerer Blick, vielsagende Geste: Urs Meier und Ancillo Canepa haben sich auseinandergelebt.

(Bild: Keystone)

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Drei Runden gespielt, und schon erlebt die Super League ihre erste Trainerentlassung. Dass es Urs Meier trifft und den FCZ betrifft, überrascht noch nicht einmal so sehr – zu durchzogen ist der ambitionierte Stadtclub in die Saison gestartet. Der Zeitpunkt wirft gleichwohl Fragen auf.

Meier war schon Ende vergangener Saison angezählt gewesen. Nur 5 der 18 Rückrundenpartien (und gerade einmal ein Heimspiel) hat sein FCZ gewonnen, doch weil die Konkurrenz derart schwächelte, erreichte er wenigstens die Europacup-Qualifikation. Allerdings droht ihm dort, nach dem trostlosen 0:1 im Hinspiel gegen Dinamo Minsk vom vergangenen Donnerstag, das frühe Aus. Das passt nicht zu den Zielen, die Präsident Ancillo Canepa für die Saison ausgegeben hat: Das Erreichen der Europa-League-Gruppenphase hatte er zur Pflicht ernannt.

«Überdurchschnittlich gut»

Im Stadtderby vom Sonntag konnte man der Mannschaft trotz des 2:3 nicht viel vorwerfen. Ersatzgeschwächt wie sie angetreten war, war ihre Niederlage in der Nachspielzeit vor allem eines: unglücklich. Die überraschende Entlassung am Tag danach deutet deshalb auf eine latente Unruhe im Verein hin, für die es in den vergangenen Wochen sowieso zunehmend Indizien gegeben hat. Und sie verdeutlicht, dass der Führung eine Strategie fehlt. Wenn Meier entlassen wird, kaum hat die Saison begonnen, weshalb denn nicht vor der langen Sommerpause?

Und: Warum ist Meier jetzt nicht mehr der richtige Trainer des FCZ, wenn er doch, wie Canepa im Mai der «Basler Zeitung» sagte, «ein überdurchschnittlich guter Trainer ist».

Chikhaoui-Abgang kann befreiend wirken

Es ist kaum zu übersehen, dass sich das einst erfolgreiche Tandem, das 2014 gemeinsam Cupsieger wurde, auseinandergelebt hat. Canepa verpflichtete Spieler über Meiers Kopf hinweg, wie im vergangenen Winter den Mittelfeldspieler Sangoné Sarr. Und die Eskapaden von Captain Yassine Chikhaoui lösten bei der Mannschaft zunehmend Irritationen aus. Über den streitbaren Tunesier hatte allerdings Canepa stets seine schützende Hand gehalten. Bis er ihn nun, überraschend, zu al-Gharafa nach Katar transferierte. Chikhaouis Abgang könnte befreiend wirken.

Für die Mannschaft. Für den Trainer.

Nur Meier kann nicht mehr davon profitieren. Der ehrliche, loyale Arbeiter, der mit seiner Art chancenlos war, um sich auf Dauer gegen den Präsidenten durchsetzen zu können.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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