Canepas gefährliche Emotionen

Der Bauch hat wesentlich mitentschieden bei der Wahl von Sami Hyypiä. Das überrascht nicht.

Ancillo Canepa stellt seinen neuen Trainer Sami Hyypiä vor.

Ancillo Canepa stellt seinen neuen Trainer Sami Hyypiä vor.

Ueli Kägi@ukaegi

Manchmal genügt ein Satz, um fast alles zu sagen. Bei Ancillo Canepa lautet dieser Satz nach der Verpflichtung von Sami Hyypiä als neuem Trainer so: «Ich wollte einen renommierten Namen.»

Canepa ist der Herrscher beim FCZ, unterstützt von seiner Frau. Der Präsident, die Delegierte des Verwaltungsrates und der Sportchef hätten den neuen Trainer bestimmt, witzelte er gestern. Die Canepas sind das alles und er hat sich nun, als grosser Bundesliga-Fan, einen seiner grössten Träume erfüllt. Der FCZ bekommt einen Trainer von internationalem Ruf. Oder genauer: einen Trainer, der sich als Spieler einen internationalen Ruf verschafft hat.

Canepa hat den Finnen Hyypiä nicht gefunden, weil er systematisch die technischen Kriterien ins Zentrum gestellt hat oder den Leistungsausweis. Es hätte sonst offensichtlichere Kandidaten gegeben – gerade für einen Verein wie den FC Zürich, der nur selbsttragend sein kann, wenn er junge Spieler ausbildet und regelmässig mit Gewinn weiterverkaufen kann.

Der Bauch hat wesentlich mitentschieden bei der Wahl. Überraschen kann das nicht. Canepa ist nicht nur zwei in einem wie nach seiner eigenen Definition. Sondern drei in einem: Präsident, Sportchef und auch noch oberster Fan seines Clubs. Er hat in seinen bald neun Jahren an der Spitze wiederholt demonstriert, wie sehr er sich bei wegweisenden Entschlüssen von Gefühlen oder auch alten Verdiensten leiten lässt. Das muss nicht in jedem Fall falsch sein. Offensichtlich aber ist, dass die Quote an (personellen) Fehleinschätzungen beim Stadtzürcher Club in den vergangenen Jahren wesentlich höher war als etwa beim FC Basel, der sein Personal mit aller Nüchternheit zu bestimmen pflegt.

Fünf Cheftrainer hat der FCZ seit Frühling 2010 entlassen oder freigestellt. Ob Sami Hyypiä jetzt der richtige ist? Der 41-Jährige hatte in Leverkusen fast zwei Jahre lang mit einer sehr gut besetzten Mannschaft schöne Erfolge, mit Sascha Lewandowski in wesentlichen Phasen aber auch einen gleichberechtigten Partner an der Seite. Zuletzt arbeitete Hyypiä fast ohne sportlichen Ertrag. In Leverkusen musste er nach 12 Spielen mit nur einem Sieg gehen. Beim englischen Zweitligisten Brighton siegte er in 22 Anläufen dreimal. Gelingt ihm in Zürich nicht die Rückkehr zum Erfolg, ist seine Zukunft als Trainer infrage gestellt. Und damit auch Canepas Überzeugung widerlegt, dass der FCZ keinen Sportchef braucht.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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