Chiumientos schonungslose Kritik

Obwohl sich der FCZ die Europa League praktisch gesichert hat, hält sich die Freude in Grenzen.

FCZ-Captain Davide Chiumiento legt sich gegen den FC Luzern mächtig ins Zeug. Nach dem Spiel liess er Dampf ab.

FCZ-Captain Davide Chiumiento legt sich gegen den FC Luzern mächtig ins Zeug. Nach dem Spiel liess er Dampf ab.

(Bild: Keystone)

Florian Raz@razinger

Urs Meier sass im Presseraum des Luzerner Stadions und wiederholte mehrfach, wie sehr er sich freue: für seine Spieler, über die Aussicht auf den Europacup, auf das letzte Saisonspiel gegen die ­Grasshoppers. Freude hier, Freude da. Nur anzusehen war sie dem Trainer des FC Zürich in diesen ­Momenten nach dem 1:0 seines Teams beim FC Luzern kein bisschen. Auch nicht, als er vom Traumtor sprach, das dem FCZ den Sieg brachte: Armando Sadiku hatte ein Luzerner Geschenk angenommen und aus rund 24 Metern ins hohe Eck getroffen.

Mit drei Punkten und einer um 13 Tore besseren Tordifferenz liegt der FCZ nun vor St. Gallen auf Rang vier. Der Start in der Qualifikation zur Europa League ist ihm kaum mehr zu nehmen. 2,4 Millionen Euro würde das Erreichen der Gruppenphase an ­Prämien einbringen. Ein erstrebenswerter ­Zustupf für einen Schweizer Club und somit eigentlich Grund zur Freude. Aber eine gelöste Stimmung mochte beim FCZ nicht aufkommen. Und das galt nicht nur für ­Trainer Meier. Es ist offensichtlich, dass bei den Zürchern in dieser Rückrunde einiges zu Bruch gegangen ist.

«Wir haben nicht die Rückrunde gerettet»

Ersatzstürmer Mario Gavranovic stapfte bereits allein mit grimmiger Miene durch den Kabinentrakt, als sich seine Kameraden noch für die Unterstützung der Fans bedankten, von denen sich ­einige später Scharmützel mit der ­Polizei lieferten. Und schliesslich stand Mittelfeldspieler Davide Chiumiento in der ­Interviewzone und sagte: «Wir haben den Platz in der Europa League gerettet. Aber nicht diese ­Rückrunde.»

Die Aussage kann nicht überraschen nach 17 Spielen, in denen der FCZ bloss ebenso viele Punkte gewonnen hat. Doch was Chiumiento anfügte, lässt erkennen, wie tief die Probleme gehen, mit denen sich der Club auseinandersetzen muss, will er in der neuen Saison besser abschneiden als im Frühjahr. Die Verletzten wollte er gar nicht erst als Entschuldigung für schwache Resultate anführen: «Das wäre eine Ausrede.»

«Wir müssen die Trainingsqualität steigern»

Andere Dinge sind es seiner Meinung nach, die den Ausschlag gaben. «Es macht den FCZ aus, dass viele Spieler einen speziellen Charakter haben», ­erklärte Chiumiento und wollte das auch positiv verstanden wissen, «aber wir müssen an unserer Mentalität arbeiten und auch unter der Woche Gas ­geben. Du kannst nicht denken, dass es am Wochenende schon irgendwie klappt.» Seine Folgerung: «Wir müssen unsere Trainingsqualität steigern.» Die Kritik gehe an Team und Trainerstaff gleichermassen, fügte er noch an.

Spieler, die im Training nicht vollen Einsatz geben, und ein Trainer, der sie nicht dazu antreiben kann: Das klingt komplett anders als das, was Ancillo ­Canepa nach Niederlagen jeweils zu ­Meiers Verteidigung vorgebracht hatte. Man solle mal in einem Training vorbeischauen, erklärte der FCZ-Präsident dann, dort sei zu sehen, wie gut der Trainer die Mannschaft noch erreiche.

«Man muss ehrlich sein»

Nach Chiumientos Aussagen muss das in Zweifel gezogen werden. Was die Frage aufwirft, wie der FCZ auf diese Kritik reagiert. Versprechen alle, künftig wieder härter zu trainieren? Werden Spieler mit schwierigem Charakter wegtransferiert? Muss Meier Konsequenzen fürchten? Er habe alles zum Trainer gesagt, sagte Canepa im Schweizer Fernsehen bloss: «Dabei bleibt es.» Ein paar Wochen ist es her, dass Canepa Meier in der NZZ eine Jobgarantie für die kommende Saison gegeben hatte.

Es gibt also einiges zu besprechen beim FCZ. Und Davide Chiumiento weiss auch schon, wie das zu geschehen hat: «Im Fussball muss man ehrlich sein und die Dinge beim Namen nennen.» Die Aussage verknüpft Forderung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft gleichermassen: «Wenn wir aus diesem Halbjahr lernen, hilft uns das kommende Saison.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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