Der FC Thun geht auf Konfrontation mit der Liga

Thun

Die Oberländer wollen die Modusänderung in der Super League verhindern.

Markus Lüthi, Präsident des FC Thun.

Markus Lüthi, Präsident des FC Thun.

(Bild: Raphael Moser)

Dominic Wuillemin

Der eine ist Präsident der Liga und zuversichtlich. «Ich gehe davon aus, dass wir eine Mehrheit finden», sagte Heinrich Schifferle am Mittwoch der NZZ. Der andere ist Präsident des FC Thun und ebenfalls zuversichtlich. «Ich denke, es gibt durchaus 7 Clubs, die sich dagegen aussprechen könnten», sagt Markus Lüthi.

Am Mittwoch kündigte die Liga an, die Super League ab der Saison 2021/22 auf 12 Teams aufzustocken. Nach 22 Runden wird die Liga geteilt. Sechs Teams spielen um den Titel und die Europacup-Plätze, sechs in der «Platzierungsrunde» gegen den Abstieg. Der Letzte steigt direkt ab, der Zweitletzte spielt die Barrage gegen den Zweiten der Challenge League. Und der Sieger der Platzierungsrunde kämpft in einem Playoff mit einem Team aus der Finalrunde um den letzten Platz im Europacup.

Am 22. November wird die Generalversammlung der Swiss Football League über die Reform abstimmen, es braucht unter den 20 Schweizer Proficlubs eine Zweidrittelmehrheit (14). Er werde nun den Austausch mit der Liga suchen, sagt Lüthi. «Finden wir keine Lösung, gehen wir in die Opposition. Wir werden dann alles unternehmen, dass keine Modusumstellung erfolgt.»

Der Tropfen zu viel

Lüthi stört, dass Thun nicht in den Entscheidungsprozess involviert, sondern Stunden vor Versand der Medienmitteilung vor Tatsachen gestellt wurde. Und er stört sich vor allem an der aus Sicht der Oberländer fehlenden Wirtschaftlichkeit des Konstrukts, er bezeichnet es als «sehr mangelhaft».

Mit der Modusänderung würde jeder Verein zwei Heimspiele weniger austragen. Dazu gehen sie beim FC Thun davon aus, im Normalfall in der Platzierungsrunde spielen zu müssen – also voraussichtlich gegen weniger attraktive Gegner. Zudem müssten die Fernsehgelder unter 12 Clubs aufgeteilt werden statt wie bis anhin unter 10. Lüthi glaubt deshalb, dass die jährlichen Einnahmen mindestens um eine halbe Million Franken sinken würden.

Die geplante Ligareform ist nach Einführung des Videoschiedsrichters, bei dem Lüthi das Vorgehen der Liga auch irritierte, und der ab kommender Saison Mehrkosten für die Vereine bringen dürfte, der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Im Statement, das die Oberländer gestern Morgen veröffentlichen, schreibt Lüthi: «Der Schweizer Profifussball muss sich entscheiden, ob er Clubs wie den FC Thun Berner Oberland weiterhin will oder ob nur noch finanziell abgesicherte Clubs erwünscht sind.»

Allerdings hätte die Modusänderung auch Vorteile für die Thuner. Der sportliche Druck würde kleiner, die Gefahr, abzusteigen, abnehmen. Dazu ist der Fernsehvertrag bis 2021 gültig. Es könnte durchaus sein, dass mit dem neuem TV-Kontrakt auch die Einnahmen steigen werden – trotz 12 Clubs. «Das ist das Prinzip Hoffnung», sagt Lüthi. «Sollte es das Ziel sein, die Wirtschaftlichkeit des neuen Modus über neue TV-Gelder sicherzustellen, würde dies die Ausgangslage verändern. Eine solche Finanzierung müsste jedoch verbindlich oder vorbehaltlich in den Umsetzungsentscheid integriert werden.» Ob dies bis zum November möglich ist, ist mehr als fraglich.

Dementsprechend ist wahrscheinlich, dass die Thuner in die Opposition gehen. Ihr Erfolg ist es hingegen nicht. Blickt man auf erste Reaktionen, scheint der Zuspruch für die Modusänderung gross. Gemäss der «Tribune de Genève» etwa sind alle fünf Westschweizer Vereine für die Reform, Wil und Aarau scheinen angetan, aus Luzern sind positive Signale zu vernehmen wie auch aus Bern und Basel. Die Zuversicht von Ligapräsident Schifferle ist begründet.


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