«Der Gegner muss schon gut sein, um uns zu bezwingen»

Das Fussball-Nationalteam der Frauen ist auf WM-Kurs. Trainerin Voss nennt die Gründe für den Aufschwung.

«Ich habe ein leistungsbereites, talentiertes Team angetroffen»: Martina Voss-Tecklenburg, Trainerin des Schweizer Fussball-Nationalteams der Frauen.

«Ich habe ein leistungsbereites, talentiertes Team angetroffen»: Martina Voss-Tecklenburg, Trainerin des Schweizer Fussball-Nationalteams der Frauen.

(Bild: Keystone Salvatore Di Nolfi)

Mit einem Sieg am Donnerstag gegen Island dürfte Ihnen die erste WM-Teilnahme sicher sein.
Dann wird sich unsere Ausgangslage nochmals verbessern.

Das ist bescheiden ausgedrückt. Der Vorsprung ist gross, und Ihr Team trifft in den letzten drei Spielen auf die drei schwächsten Teams.
In Serbien wird es nochmals schwierig und unangenehm. Das haben auch die Resultate der anderen Teams gezeigt.

Island hat neben der Schweiz als einziges Team realistische Chancen auf Platz 1.
Island hat nur drei Verlustpunkte. Aber es spielt noch zweimal gegen den EM-Halbfinalisten Dänemark. Island hat einen neuen Trainer und im März gute Leistungen am Algarve-Cup gezeigt.

Ihr Team hat Island im Hinspiel 2:0 bezwungen.
Es war wohl die beste Leistung, seit ich mein Amt angetreten habe. Wenn wir ­genauso laufbereit auftreten, bin ich von einem Sieg überzeugt, da wir fussballerisch besser sind.

Was haben Sie denn vor zwei Jahren in der Schweiz vorgefunden?
Ich habe ein leistungsbereites, talentiertes Team angetroffen, das schnell merkte, dass es mehr tun muss, um erfolgreich zu sein. Es reicht nicht, es gut miteinander zu haben und ein wenig Fussball zu spielen.

Mussten Sie hart an der Mentalität arbeiten?
Es ging relativ schnell. Wir haben ja genügend Spielerinnen im Ausland, die mit ständigem Leistungsdruck konfrontiert sind. Von daher war es einfach zu sagen: Wir wollen auch mit dem Nationalteam gewinnen – und ihr könnt das.

Davon zu reden ist das eine – es braucht auch die Resultate dazu.
Wir haben uns schrittweise verbessert. Und heute sage ich selbstbewusst: Der Gegner muss schon gut sein, wenn er die Schweiz besiegen will.

Haben da alle gleich mitgezogen?
Die Spielerinnen, die nicht dazu bereit waren, einen grösseren Aufwand zu betreiben, haben schnell gesagt: Ich kann nicht mehr dabei sein.

Was heisst dies in der Praxis?
Sie müssen sechs bis sieben Trainings in der Woche bestreiten. Mit vier Einheiten spielt niemand mehr im Nationalteam.

Wer vom Schweizer Frauenfussball spricht, der nennt Lara Dickenmann oder Ramona Bachmann. Jetzt waren eben die Halbfinals der Champions League – mit Noelle Maritz und Lia Wälti. Haben Sie damit gerechnet?
Das war nicht zu erwarten. Es gehört Mut dazu, zum Triplesieger Wolfsburg oder nach Potsdam zu wechseln. Was mich aber viel mehr freut, ist, dass alle Schweizerinnen, die ins Ausland gingen, Leistungsträgerinnen sind. Das wertet den gesamten Schweizer Frauenfussball auf.

Der Grossteil des Nationalteams spielt mittlerweile im Ausland.
Es gibt natürlich Kritiker, die sagen, die NLA werde dadurch schwächer und wir brauchten die doch hier. Ich bin aber überzeugt davon, dass dies dem Schweizer Frauenfussball am meisten hilft.

WM-Qualifikation: Gruppe 2. Gestern: Malta - Israel 0:2. – Heute (in Nyon), 19 Uhr: Schweiz - Island. Dänemark - Serbien. – 1. Schweiz 6/16. 2. Island 4/9. 3. Israel 5/9. 4. Dänemark 4/5. 5. Serbien 5/4. 6. Malta 6/0.

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