Der seltene Torschütze

Routinier, Vorzeigekämpfer und neuerdings auch Torschütze: Auf Rechtsverteidiger Stefan Glarner kann sich der FC Thun verlassen. Der 30-jährige Meiringer fordert am Freitag in ­Sitten Punkte.

Rechtsverteidiger Stefan Glarner hat gegen YB sein erstes Tor für Thun seit sieben Jahren erzielt. Jetzt will der Meiringer gegen Sion nachlegen.
Peter Berger@PeterBerger67

«Je weniger Tore man schiesst, desto besser behält man diese in Erinnerung.» Stefan Glarner sagt dies mit einem Lächeln und aus gutem Grund. Der Verteidiger hat am vergangenen Sonntag im Derby gegen YB mit seinem Kopf­balltor den FC Thun auf die Siegesstrasse geführt. Es war ein denkwürdiger Moment. «Ich musste ein paar Jahre warten. Mein letztes Tor war mir 2010 ebenfalls gegen YB gelungen»,­erzählt Glarner. Mehr als sieben Jahre sind seit dem 2:2 am damaligen 26. September vergangen.

Warum es so lange gedauert hat, bis er sein 5. Tor in der Super League und sein 10. für den FC Thun erzielte, weiss der 30-jäh­rige Oberländer aus Meiringen nicht. «Ich komme zu vielen ­Szenen im und um den Strafraum, aber als Verteidiger sucht man wohl öfter noch einen frei stehenden Mitspieler. Ein Stürmer schiesst eher selber», lautet sein Erklärungsversuch. «Ein moderner Verteidiger muss sich jedoch auch offensiv einschalten, nur defensiv absichern reicht nicht.»

Der Ratgeber

Dass ihm der persönliche Erfolg «gutgetan» hat, verheimlicht Glarner nicht. Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass er nun eine ähnliche Serie startet wie Basels Rechtsverteidiger Michael Lang, der innerhalb von 14 Tagen in 5 Spielen 7 Tore erzielt hat. «Wenn es bei mir auch so klappen würde, wäre das natürlich der Idealfall.»

Der Bruder von Schwingerkönig Matthias Glarner ist mit seiner Kampfkraft und seinem Offensivdrang für den FC Thun aber auch ohne einen persönlichen Torreigen Gold wert. Seit 18 Tagen ist er ein «Ü-30-Spieler». Neben ihm sind nur Nelson Ferreira, Captain Dennis Hediger und Ersatzgoalie Guillaume ­Faivre älter als 30 Jahre.

Glarner ist deshalb für die Mannschaft auch neben dem Feld als Gesprächspartner wichtig. «Ich schätze es, viele junge, willige Spieler im Team zu haben», sagt er. «Ich versuche ihnen zu helfen, ihnen Tipps zu geben.»

Für ihn sei selbstverständlich, dass er seine Erfahrungen teile, sagt der Routinier. Er verweist auf seine Anfänge, als er im Alter von 18 Jahren beim FC Thun debütierte. «Die Zeiten haben sich geändert, damals waren wir drei, vier Junge im Team. Jetzt wird viel früher auf diese ­gesetzt.»

Obwohl die Personaldecke wegen der vielen Verletzten weiterhin dünn ist, wird Glarner nicht bange. Sollte heute auch noch Roy Gelmi ausfallen – der Innenverteidiger konnte gestern nicht trainieren – müsste Trainer Marc Schneider nach dem zuletzt erfolgreichen 3-5-2-System wieder auf die Viererkette in der Abwehr umstellen. «Mir spielt das keine Rolle. Ich habe keine Vorliebe», hält Glarner fest. Seine Läufe entlang der Seitenlinie gehören sowieso zum Programm.

Und sie werden auch heute im Wallis nötig sein. «Wir müssen unbedingt den Sieg gegen YB bestätigen», betont der Verteidiger. «Die ausstehenden Partien in Sitten und gegen Lugano sind Direktduelle. Diese Spiele sind entscheidend.» Die Sittener liegen einen Punkt hinter den Thunern am Tabellenende. Für Glarner ist klar: «Kann jeder 100 Prozent abrufen, haben wir gegen jeden Gegner Chancen, wenn nicht, reicht es in dieser ausgeglichenen Meisterschaft gegen keine Mannschaft.»

Vertrag läuft aus

Nach dem Spiel im Tourbillon schliesst der FC Thun das Jahr am nächsten Samstag zu Hause gegen Lugano ab. Danach beginnt die Winterpause. Gut möglich, dass dann der Verein noch eine Vertragsverlängerung bekannt geben wird. Glarners Kontrakt läuft im nächsten Sommer aus.

Der Oberländer, der abgesehen von drei Jahren – 2011 sechs Monate in Sitten, ab 2012 bis Sommer 2014 beim FC Zürich – seine Karriere in Thun verbrachte, macht kein Geheimnis daraus, dass er bleiben will. Das Interesse ist gegenseitig. «Stef ist ein sehr wichtiger Spieler», betont Trainer Schneider. Sollte Glarner weiterhin Tore schiessen, würde ihn das noch wertvoller machen.

Berner Zeitung

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