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Der Thuner Schattenmann beim FC Luzern

Thomas Binggeli ist seit zwei Jahrzehnten Assistenztrainer – obwohl der 54-jährige frühere Thuner die Ambition hat, Chefcoach zu sein.

Mehr als bloss der Leibchenträger: Thomas Binggeli.
Mehr als bloss der Leibchenträger: Thomas Binggeli.
Martin Meienberger (Freshfocus)

Als sich Thomas Binggeli in der Umgebung Luzern auf Wohnungssuche begibt, gibt es für ihn ein Hauptkriterium: die Nähe zum Stadion des FC Luzern auf der Allmend. «Ich bin einer, der 24 Stunden für den Fussball lebt. Da kann ich es nicht gebrauchen, jeden Tag im Auto Zeit zu vertrödeln», sagt er. Soeben ist er eingezogen, es ist ein Neuanfang – wieder einmal.

Seit bald 20 Jahren ist der 54-Jährige in Sachen Fussball unterwegs. Die Reise begann 2001 in Thun als Assistent von Hanspeter Latour, mit dem er auch heute noch eng verbunden ist (kürzlich verbrachte er einige Tage beim Oberländer in dessen Chalet in Eriz), und führte ihn über Zürich, Köln, Aarau und Winterthur 2016 nach Belgien. Zwei Jahre lebte Binggeli in der Hauptstadt Brüssel, ehe er diesen Sommer seine Zelte abermals abbrach, um nach Luzern zu ziehen. «Wer im Fussball tätig sein will, muss ein hohes Mass an Flexibilität an den Tag legen», sagt er.

«Ich bin einer, der 24 Stunden für den Fussball lebt. Da kann ich es nicht gebrauchen, jeden Tag im Auto Zeit zu vertrödeln.»

Thomas Binggeli

Das gilt besonders für einen Assistenztrainer, wie er einer ist. Als sein Chef René Weiler im Herbst 2017 bei Anderlecht entlassen wurde, verlor auch Binggeli seine Stelle. Und als Weiler diesen Sommer beim FC Luzern anheuerte, hatte auch Binggeli wieder einen Job. Fussball sei ein Tagesgeschäft, sagt er. «Es bringt nichts, grosse Pläne zu schmieden.» Es ist ein Leben voller Ungewissheiten mit wenig Konstanten: Der Oberaargauer lebt seit über 20 Jahren allein, er hat sich bewusst dafür entschieden, keine Familie zu gründen.

Schock bei Anderlecht

Und doch tut sich auch ein Profi wie Thomas Binggeli manchmal schwer mit den Eigenheiten des Geschäfts. Die Freistellung bei Anderlecht trotz Gewinn der Meisterschaft kurz zuvor sei ein Schock gewesen. «Ich habe den Boden unter den Füssen verloren, spürte eine grosse Leere», sagt er. Im Fussball seien Titelgewinne Schnee von gestern, meint er. «Es zählt nur die Gegenwart.»

Es ist spürbar, dass Binggeli diese Denkweise missfällt. Aber eben: Er hat sich arrangiert. Er wäre bei Anderlecht geblieben, ihm wurde ein Job in Aussicht gestellt. Doch der neue Trainer wollte ihn nicht in seinem Stab haben. Binggeli, mit einem weiterlaufenden Vertrag ausgestattet, blieb in Belgien, besserte sein Französisch auf, weil er gemerkt hatte, dass er mit den Spielern nicht wie gewünscht hatte kommunizieren können. «Man hat nie ausgelernt», sagt er.

Die Emanzipation

Diese Einstellung hat aus Binggeli einen hochgeschätzten Assistenten gemacht. Als Latour 2009 seine Trainerkarriere beendete, gelang ihm rasch die Emanzipation von seinem Freund und Mentor. Thuns Trainer Marc Schneider, der unter dem Duo ­Latour/Binggeli 2002 Fuss im Profigeschäft gefasst hat, attestiert dem Luzern-Assistenten einen sehr hohen Fussballsachverstand. Nicht jeder sei für den Job im Schatten gemacht, sagt Schneider. Es brauche ein hohes Mass an Loyalität.

Das heisst nicht, dass Binggeli nicht die Ambition hätte, dereinst selber ein Team zu übernehmen, vorne an der Linie zu stehen, als Chef und nicht im Schatten eines anderen. 2015 schloss er den Lehrgang zur Uefa-Pro-Lizenz ab. Er findet, dieser Ehrgeiz sei wichtig. Er treibt ihn an. Er sagt: «Der Zeitpunkt muss stimmen, vielleicht ist es irgendeinmal so weit, vielleicht auch nicht.»

Augen offen, Ohren gespitzt

Vorerst ist Thomas Binggeli in Luzern, beim FCL, einem Club, der für sein unruhiges Umfeld bekannt ist. Er sei gerade dabei, den Verein kennen zu lernen, sagt er. Das bedinge, die Augen offen zu halten, sich umzuhören, Beziehungen aufzubauen. Und natürlich: so oft wie nur möglich auf dem Clubgelände zu sein.

Umgezogen ist Binggeli zwar, eingelebt hat er sich aber nicht. «Wenn ich zur Tür reinkomme, muss ich erst über ein paar Kisten klettern», meldet er. Aber das kann warten, er hat andere Prioritäten.

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