Der zweite Anlauf

Janick Kamber erhielt bei Xamax eine weitere Chance in der Super League. Heute tritt er in Thun an.

Janick Kamber (links) ist bei Xamax Stammspieler.

Janick Kamber (links) ist bei Xamax Stammspieler.

(Bild: Keystone)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Am Freitagmorgen steht für Janick Kamber das Abschlusstraining auf dem Programm. Nichts Strenges, den meisten seiner Teamkollegen von Xamax liegen die 120 Minuten vom Mittwoch im Cup gegen Lugano (1:3) noch in den Knochen. Vor der heutigen Partie gegen den FC Thun (19 Uhr) sollen die Spieler nicht überstrapaziert werden.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ganz normaler Super-League-Alltag also. Nicht ganz. Einerseits, weil die Neuenburger der Neuling in der Liga sind. Nach bisher zwölf Meisterschaftspartien stehen sie mit zehn Punkten am Tabellenende. Auf überzeugende Auftritte folgten nicht selten durchzogene. Nach dem verheissungsvollen Saisonstart mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen und zwischenzeitlicher Tabellenführung folgte eine Niederlagenserie von fünf Partien. Es habe schon ein bisschen Zeit gebraucht, sich an den Rhythmus in der höchsten Spielklasse zu gewöhnen, sagt Kamber. «In der letzten Saison waren wir in der Challenge League immer Favorit, haben viel gewonnen. In der Super League sind die Spiele viel ausgeglichener. Diese Umstellung ist nicht einfach.»

Der 26-Jährige mit den grauen Haaren ist auf der linken Seite gesetzt. 10 Partien hat er bisher für die Neuenburger in der Super League bestritten. Zum Alltag ist sie jedoch auch für Kamber nicht geworden.

Weshalb, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: 2009 ist er Vizecaptain der Schweizer Mannschaft, die in Nigeria U-17-Weltmeister wird. Kamber übernimmt im Team eine tragende Rolle, und nach dem Coup in Afrika kehrt er mit dem Glauben zum FC Basel zurück, sich bald einen Stammplatz in der Equipe des damaligen Meisters erkämpfen zu können. Doch Kamber wechselt wenig später zu Lausanne, wo er 2011 in der Super League debütiert. Die beschauliche Pontaise soll ein Sprungbrett sein zu einem grösseren Club, vielleicht sogar ins Ausland. Doch ein Kreuzbandriss bremst Kamber, via Biel und Wohlen empfiehlt er sich für Xamax, wo er nun nach 32 Spielen für Lausanne seinen zweiten Anlauf in der Super League wagt. «Ich bin älter und reifer als beim letzten Mal», sagt Kamber.

Lobeshymnen und Kritik

Die Geschichte der U-17-Weltmeister von Nigeria ist schon oft erzählt worden, und auf die Lobeshymnen folgten rasch Prognosen, was denn diese Helden im Fussball werden leisten können. «Einer wie Philipp Lahm, bodenständig, mit dem Potenzial zum Nationalspieler und Weltkarriere», hiess es über Kamber einmal. Ebenso schnell wie das Lob kam aber auch die Kritik, und irgendwann die Verurteilung als «Gescheiterten». Auch Kamber wurde schon in diese Schublade gesteckt. Der Mümliswiler stellt aber klar: «Ich war immer zufrieden mit meiner Karriere. Egal, wo ich spielte.» Klar, der Weltmeistertitel sei für ihn der Türöffner in den Profifussball gewesen. «Aber ich habe mich nie unter Druck gesetzt und gesagt, ich müsste jetzt eigentlich irgendwo im Ausland spielen.»

Anerkennung für Tosetti

Natürlich kreuzt Kamber hin und wieder die Wege seiner WM-Teamkollegen, von Pajtim Kasami beispielsweise, dem Sion-Profi, St.Gallens Nassim Ben Khalifa oder Winterthur-Torhüter Raphael Spiegel. «Solche Wiedersehen sind jeweils lustig», sagt Kamber. Heute trifft er beim Spiel gegen Thun auf einen weiteren Weggefährten von damals. Matteo Tosetti spielte im Gegensatz zu Kamber in Nigeria eine marginale Rolle, kam nur in einer Partie zu einem Kurzeinsatz.

Der Sprung zum Stammspieler in der Super League fiel dem Tessiner indes leichter, gehört er doch nun schon seit drei Saisons zu den Leistungsträgern beim FCT und brillierte letzte Saison als bester Vorbereiter der Liga. «Ich freue mich für Matteo, dass es ihm so gut läuft», sagt Kamber. Das Beispiel Tosetti zeige vor allem, dass man in die Leistungen in den Nachwuchsauswahlen nicht zu viel interpretieren sollte, was den Karriereweg betreffe. «Das Wichtigste ist, dass man hart arbeitet und seinen Weg weitergeht.»

Es ist das Motto, das sich Janick Kamber auf seinem Weg zurück in die Super League ebenfalls zu Herzen genommen hat. Und nun, da er es zurück in die höchste Spielklasse geschafft hat, ist er umso dankbarer für die zweite Chance. Auch wenn die Saison bisher aus sportlicher Sicht hätte besser laufen können für die Neuenburger – «Ein paar Punkte mehr wären schon schön» –, zieht Kamber eine positive Zwischenbilanz über das erste Saisondrittel. Und er sagt: «Ich will es geniessen, hier zu spielen.»

Berner Zeitung

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