Die Alten sorgen beim FC Thun vor

Der FC Thun überwintert in der Super League auf dem dritten Platz. Die Zwischenzeugnisse einer vorzüglichen Vorrunde, die auch dank dreier Routiniers zustande kam.

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Dominic Wuillemin

Es ist ein Bild, an das man sich beim FC Thun gewöhnt hat. Im Tor steht Guillaume Faivre (31), mit schwarzer Kappe und der Zurückhaltung und Normalität eines Mannes, der auf einem Bauernhof in einem Hochtal im Neuenburger Jura aufgewachsen ist. Hinten rechts verteidigt Stefan Glarner (31) – aufgewachsen abseits der Peripherie, in Meiringen im Haslital –, der spricht, wie er spielt: unaufgeregt, abgeklärt, souverän.

Und da ist Captain Dennis Hediger (32), ein Schrank von einem Mann – auch er vom Land, in Iffwil bei Jegenstorf aufgewachsen –, der Woche für Woche seine Leistung mit der Zuverlässigkeit eines Postautos erbringt.

Seit der Rückkehr von Glarner nach Thun im Sommer 2014 gilt die Regel: Sind die drei fit, stehen sie zusammen auf dem Platz. Die Ausnahme bildete die vergangene Saison, in der Faivre seinen Stammplatz zwischenzeitlich an Francesco Ruberto verloren hatte.

Wie das so ist mit etwas, das man scheinbar auf sicher hat: Man läuft Gefahr, es zu wenig zu schätzen.

Als die Thuner im März nach einem 2:7 in Sitten dem Abstieg näher kamen, kehrte Faivre ins Tor zurück, hielt bei seinem Comeback beim 0:0 gegen Lausanne gleich einen Penalty und avancierte zu einem der Protagonisten des Aufschwungs. Doch wie das so ist mit etwas, das man scheinbar auf sicher hat: Man läuft Gefahr, es zu wenig zu schätzen.

Die verlässlichen Routiniers

In Thun gehören die Schlagzeilen anderen, den Aufsteigern, den Skorern, jenen, die vielleicht den nächsten Transfer zu einem grösseren Club machen können. Das soll den Wert der Routiniers nicht schmälern: Keiner im Kader hat in der Vorrunde mehr gespielt als die drei.

Faivre stand in der Super League jede Minute auf dem Platz, im Cupachtelfinal beim FC Wil hielt er im Penaltyschiessen zwei Elfmeter und sicherte so das Weiterkommen. Und Hediger und Glarner spielten – wenn einsatzbereit – immer durch, je einmal fehlten sie gesperrt. Hediger erzielte zwei Tore, beide brachten den Sieg. Und Glarner spult hinten rechts sein Pensum mit einer Konstanz ab, bei der auch Sportchef Andres Gerber, der Glarner seit über einem Jahrzehnt kennt, manchmal immer noch ins Staunen gerät.

Die wertvollen Zugänge

Zuweilen unterschätzt wird der Wert der diesjährigen Zugänge. Unter den Neuen ist zwar kein Senkrechtstarter, wie Christian Fassnacht einer war, als er im Sommer 2016 von Winterthur nach Thun gewechselt hatte, aber alle drei fanden ihre Rolle beim Tabellendritten auf Anhieb.

Basil Stillhart, vom FC Wil aus der Challenge League gekommen, hat nach Faivre, Glarner, Hediger und Dejan Sorgic gar die meisten Minuten bestritten. Dennis Salanovic brachte mit seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke eine Unberechenbarkeit ins Team, die die Thuner in der vergangenen Saison vermisst hatten.

Seine vier Tore und zwei Assists sind ein starker Wert für einen, der fast nie von Anfang an spielte. Mit 4,7 weist er zudem den zweitbesten Notenschnitt unter den Thuner Akteuren aus. Und Kenan Fatkic deutete mehr als einmal sein Potenzial an, der technisch versierte Zentrumsspieler könnte zum Aufsteiger des nächsten Jahres werden.

Der beste Spieler

Der Aufsteiger dieses Jahres ist Nicola Sutter. Der 23-Jährige hat den Aufwärtstrend der letzten Rückrunde bestätigt, er hat sich zum verlässlichsten Thuner Innenverteidiger entwickelt. Zudem haben nur die Offensivakteure Salanovic, Marvin Spielmann und natürlich Sorgic öfters getroffen als Sutter.

Womit man beim besten Thuner der Vorrunde angelangt wäre. Mit einem Notenschnitt von 4,71 erhält Sorgic das beste Halbjahreszeugnis. In 16 Partien bekam der mannschaftsdienliche Stürmer nur eine Ungenügende, dafür sechsmal eine 5, einmal eine 5,5 sowie einmal die Höchstnote 6 – für seine zwei Tore beim 4:2-Sieg gegen Basel.

Elf Treffer hat der 28-Jährige erzielt, er belegt in der Torschützenliste nach Guillaume Hoarau den zweiten Rang. Der jubelnde Sorgic, es ist auch ein Bild, an das man sich in Thun gewöhnt hat.

Berner Zeitung

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