Die Verlierer der Meisternacht

Während YB anscheinend mühelos den Höhenflug der letzten Saison fortsetzt, befindet sich der FC Luzern vor dem Duell am Samstag im Stade de Suisse (19 Uhr) in der Krise.

Bei der Meisterfeier in der Nebenrolle: Christian Schneuwly (l.) war mit Luzern zu Gast, als YB am 28. April den Titel holte.

Bei der Meisterfeier in der Nebenrolle: Christian Schneuwly (l.) war mit Luzern zu Gast, als YB am 28. April den Titel holte.

(Bild: Christian Pfander)

Dominic Wuillemin

Es sind Bilder des Sieges, Jubels, Trubels. Die Verlierer, sie sind ­darauf nicht sichtbar. Aber es gibt sie: den FCL und seine Spieler, denen mehr abhandenkommen sollte als dieses eine Spiel.

Jene Niederlage in Bern war eine von nur dreien Luzerns nach der Winterpause. Der Club, der die Rückrunde als Achter begonnen hatte, befand sich im Hoch, der dritte Platz am Saisonende sowie der damit verbundene Einzug in die Qualifikation der Europa League war die Krönung des Aufschwungs.

Doch während die Young Boys ihre Erfolgsgeschichte anscheinend mühelos weiterschreiben und schon wieder unangefochten Tabellenführer sind, redet Luzerns Captain Christian Schneuwly nun über Tagesform und fehlendes Wettkampfglück. Der 30-Jährige sagt: «Ich bin seit zweieinhalb Jahren in Luzern. In dieser Zeit erlebten wir immer mal wieder ein Auf und Ab. Daran müssen wir arbeiten.»

Seoanes Bindung zum FCL

Die neuerliche Schwächephase, die den FC Luzern vor dem heutigen Gastspiel in Bern mit neun Punkten aus neun Spielen und drei Niederlagen in Folge auf den achten Rang geführt hat, kann auf die Ereignisse des 28. April zurückgeführt werden.

Als die Young Boys einen Monat später ihren Meistertrainer Adi Hütter an Eintracht Frankfurt verloren, dachten sie bald einmal an Gerardo Seoane, den aufstrebenden Luzerner Coach, der mit seinem Auftreten und dem seines Teams in der Meisternacht nicht die entscheidenden, aber doch ein paar Pluspunkte gesammelt hatte.

Der Abgang des Erfolgstrainers nach nur einem halben Jahr im Amt sei für etliche Spieler ein Schock gewesen, ist aus dem Umfeld des Clubs zu vernehmen. Für die enge Bindung zwischen Trainer und Team spricht die Er­zählung, wonach Seoane ehemaligen Akteuren zuweilen heute noch per Whatsapp eine Kurzanalyse ihrer Darbietung schickt.

Schneuwly sagt, er sei zu lange im Geschäft, als dass ihn plötzliche personelle Veränderungen beschäftigen würden. Der Trainerwechsel sei für ihn zwar über­raschend früh zustande gekommen. «Aber wir merkten rasch, dass er eine erfolgreiche Karriere machen kann.»

Es sei deshalb klar gewesen, dass Seoane Begehrlichkeiten wecken würde. «Und Wuschu», sagt der Wünnewiler über seinen früheren Mitspieler und heutigen YB-Sportchef Christoph Spycher, «wusste genau, wenn er holen musste.»

Interessierter Beobachter

Schneuwly, der jahrelang im Nachwuchs der Berner und später mit Unterbrüchen bis 2013 für die Profis gespielt hatte, verfolgt den Weg seines früheren Clubs mit Interesse, die 0:3-Niederlage in der Champions League bei Juventus Turin sah er sich im Fernsehen an.

Dass die Mehrbelastung für YB im Verlauf des Herbstes zum Nachteil werde, glaubt der Vater eines kleinen Sohnes nicht («Als Spieler möchte man möglichst oft spielen»). Auch nicht, dass die happige Niederlage am Dienstag in Turin das Team vom Weg abbringen könne («Seoane wird durch Rotation neue Impulse setzen»).

Schneuwly stellt sich auf einen schwierigen Match am Samstag Abend (19 Uhr) in Bern ein. Bei einer Niederlage würde der Druck auf Seoanes Nachfolger, René Weiler, weiter zunehmen. Bereits werden mögliche neue Trainer gehandelt.

Erinnerungen an den 28. April

Auf Schneuwlys Rolle im Team hatte der Trainerwechsel keinen Einfluss. In Abwesenheit des langzeitverletzten Claudio Lustenberger trägt er wie letzte Saison die Captainbinde. Und vielleicht wird bei ihm, wenn er samstags Luzern im Stade de Suisse aufs Feld führt, die eine oder andere Erinnerung an den 28. April 2018 wach werden.

Trotz der Niederlage sei es auch für ihn ein Riesenspiel gewesen, sagt Schneuwly. «Schon beim Einmarsch ins Stadion war die Stimmung gigantisch.» Als dann YB-Goalie Marco Wölfli beim Stand von 1:1 den ­Penalty gehalten habe, erzählt Schneuwly, habe er gedacht, dass die Geschichte des Spiels schon geschrieben sei. «Es musste einfach so kommen.»

Das 1:0 übrigens erzielte damals Christian Schneuwly mit einem wunderbaren Freistoss. Es ist ein Tor, das von der meisterlichen Bilderflut weggeschwemmt worden ist.

Berner Zeitung

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