Ein Trio zu viel für den FC Bayern

Der FC Barcelona verliert in München zwar 2:3, steht aber trotzdem im Champions-League-Final. Neymar erzielt beide Tore für die Katalanen.

  • loading indicator
Ueli Kägi@ukaegi

Das Publikum glaubte daran. Es schrie «Toooor» in der 59. Minute, Lewandowski hatte endlich getroffen. Es schrie «Toooooooor» in der 74. Minute, jetzt nach Müllers Treffer. Es schoss kurz danach aus den Sitzen hoch zur Standing Ovation, ein Eckball hatte dafür genügt. Einer nur schaute dem wilden Treiben mit den Armen in die Hüfte gestützt zu. Aus sicherer Distanz, als ob ihn das alles gar nichts anginge. Und dieser eine war Lionel Messi.

Es gab ganz nüchtern betrachtet auch ziemlich wenig Grund, so aufgeregt zu sein wie Münchner Publikum und Mannschaft. Gut, die Bayern führten wieder 3:2 und spielten wuchtig nach vorne. Aber wie realistisch war denn ein ganz verrücktes Ende? Nicht sehr. 6:2 hätte der deutsche Rekordmeister dieses Halbfinal-Rückspiel gewinnen müssen nach dem 0:3 im Camp Nou. Das gelang ihm nicht. Er erzielte keinen Treffer mehr. Am 6. Juni steht deshalb Barcelona im Final. Vielleicht wird der Match in Berlin zum Treffen der spanischen Klassenbesten. Real empfängt heute Juventus.

Das grosse Beben in München

«Das Spiel muss für sich selbst sprechen», hatte Bayern-Trainer Josep Guardiola vor dem Match gesagt. In diesem Satz lag die Hoffnung auf einen unvergesslichen Abend nach dem klaren Resultat im Hinspiel. Aber wie sollte das passieren können, dieses eigentliche Wunder? Ohne die verletzten Alaba, Robben und Ribéry. Nach 361 Minuten in Folge ohne Tor und vier Niederlagen in Serie. Und vor allem gegen einen FC Barcelona mit den Stürmern Messi, Neymar und Suárez. Die drei allein waren bis zu diesem Match bei 112 Treffern angekommen in der laufenden Saison. Das ist schon Clubrekord.

Vielleicht hat es überhaupt noch nie einen besseren Sturm gegeben in der Geschichte des Fussballs. Die drei sind der Grund, dass Guardiola Barça als «die beste Mannschaft der letzten 15, 20 Jahre in Europa» bezeichnet.

Die «Süddeutsche Zeitung» hatte eine Idee, wie es zur grossen Wende kommen könnte: «Man kann wenig anderes tun, als sich dem Spiel auszuliefern und zu hoffen, dass es irgendeine Eigendynamik entfaltet – eine frühe rote Karte, zwei Elfmeter, drei Glücksschüsse aus 40 Metern in den Winkel, irgendeine unplanbare Schrägheit.» Und Guardiola, mit der Angst vor dem bösen Konter, forderte: «Herz ja, aber auch Kopf.» Die 70'000 Zuschauer liessen die Allianz-Arena beben, als es losging. Der Match war in den ersten Minuten famos wie die Stimmung. Rakitic, beim FC Basel gross geworden, hatte für Barça eine erste Chance in der 5. Minute. Auf der anderen Seite wurde Thiagos Schuss noch geblockt (6.), aber nicht Benatias Kopfball gestoppt (7.).

Barcelona mit Standgas

Die Bayern führten 1:0, es war darauf ohrenwehlaut, nicht lange allerdings. Messi, Suárez und Neymar spielten den Bayern bald das Lied vom Tod. Es lief die 15. Minute, als der Argentinier Messi den Uruguayer Suárez in die Tiefe schickte, der Spanier Xabi Alonso das Offside aufhob und der Brasilianer Neymar das perfekte Zuspiel nur noch an Neuers Händen vorbeizuschieben brauchte.

Jetzt hätten die Bayern schon ein 5:1 benötigt. Vielleicht hätten sie wieder ein wenig daran geglaubt, wenn Barcelonas hervorragender Goalie ter Stegen den Kopfball von Müller nicht aus der hohen Ecke gegrabscht (19.), Lewandowski viel entschlossener geschossen hätte aus bester Distanz (27.) oder auch Müller (29.). Barcelona, Meistercup- oder Champions-League-Sieger 1992, 2006, 2009 und 2011, hatte eine ganz andere Effizienz. Müllers Chance war gerade vergeben, da verlängerte Messi mit dem Kopf in die Tiefe auf wen? Auf Suárez. Und passte Suárez? Zu Neymar. Und führte Barça 2:1. Und war dieses Duell entschieden.

Die Zeit bis zur Halbzeit nutzte Ter Stegen, um noch einmal fabelhaft abzuwehren, erneut gegen Lewandowski. Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen begnügte sich der Goalie nach Neymars Doppelschlag nicht mit dem Standgas, was wenigstens der Bayern-Seele gut tat.

Bayern München - FC Barcelona 3:2 (1:2)

70'000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Clattenburg (Eng). - Tore: 7. Benatia 1:0. 15. Neymar 1:1. 29. Neymar 1:2. 59. Lewandowski 2:2. 74. Müller 3:2.

Bayern München: Neuer; Rafinha, Benatia, Boateng, Bernat; Xabi Alonso; Lahm (68. Rode), Schweinsteiger (87. Götze), Thiago Alcantara; Müller (87. Javi Martinez); Lewandowski.

FC Barcelona: Ter Stegen; Alves, Piqué, Mascherano, Jordi Alba; Rakitic (71. Mathieu), Busquets, Iniesta (75. Xavi); Messi, Suarez (46. Pedro), Neymar.

Bemerkungen: Bayern ohne Badstuber, Ribéry, Robben, Alaba (alle verletzt), Barcelona komplett. Verwarnungen: 41. Rafinha, 45. Thiago Alcantara, 64. Rakitic (alle Foul), 77. Lewandowski (Reklamieren), 81. Xabi Alonso, 84. Rode, 85. Pedro (alle Foul).

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt