Extrawurst oder fatales Signal?

Uli Hoeness, der ehemalige Präsident der Bayern, wird bereits nach der Hälfte seiner Haftstrafe ein freier Mann. Wie die deutschen Medien die vorzeitige Freilassung kommentieren.

Uli Hoeness wird am 29. Februar vorzeitig aus der Haft entlassen.

Uli Hoeness wird am 29. Februar vorzeitig aus der Haft entlassen.

(Bild: Keystone)

Am 13. März hatte das Landgericht München den damaligen Präsidenten des FC Bayern, Uli Hoeness, wegen Steuerhinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Hoeness, der das Urteil akzeptierte und sein Amt als Präsident des deutschen Rekordmeisters umgehend niederlegte, trat seine Haftstrafe in Landsberg am Lech am 2. Juni 2014 an.

Am 18. Januar hatte die für das Landsberger Gefängnis zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg nach eingehender Beurteilung entschieden, Hoeness am 29. Februar vorzeitig aus der Haft zu entlassen. Der damals zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe Verurteilte ist schon nach 21 Monaten wieder ein freier Mann. Jener Mann, der inzwischen 43 Millionen Euro an den Fiskus zurückgezahlt hat.

Im Strafgesetz verankert

«Hatte Hoeness einen Promi-Bonus?», fragt sich die «Frankfurter Allgemeine» und erklärt, dass dies nach dem Gesetz nicht der Fall sei. Denn die vorzeitige Haftentlassung sei im Strafgesetz eindeutig verankert. In Paragraf 57, Absatz 2, stünde: «Schon nach Verbüssung der Hälfte einer Freiheitsstrafe kann das Gericht die Vollstreckung des Restes zur Bewährung aussetzen, wenn die verurteilte Person erstmals eine Freiheitsstrafe verbüsst und diese zwei Jahre nicht übersteigt oder die Gesamtwürdigung von Tat, Persönlichkeit der verurteilten Person und ihrer Entwicklung während des Strafvollzugs ergibt, dass besondere Umstände vorliegen.»

Kein Verständnis für die vorzeitige Entlassung von Uli Hoeness hat die «Süddeutsche Zeitung», die in einem Kommentar von Annette Ramelsberger von einem fatalen Signal spricht. Uli Hoeness komme frei, das sei schön für ihn und seine Fans. Und sicher würden nun wieder einige Hochachtung ausdrücken für den ehemaligen Präsidenten des FC Bayern, der die Haft so anstandslos hinter sich gebracht habe und deswegen die frühe Chance zum Neubeginn verdiene.

«Wer, wenn nicht Uli Hoeness?»

Und garantiert werde Hoeness nicht rückfällig. Dennoch sei die Entscheidung des Landgerichts Augsburg fatal. «Sie untergräbt den Glauben der Bürger daran, dass vor dem Gesetz alle gleich sind. Während Monaten hat Bayerns Justiz betont, für Hoeness werde keine Extrawurst gebraten. Bewährung nach nur der Hälfte der Strafe ist in Deutschland die absolute Ausnahme, in Bayern ohnehin. »

Die «Augsburger Allgemeine» titelt einen Kommentar von Holger Sabinsky-Wolf mit der Überschrift: «Entlassung aus der Haft: Wer, wenn nicht Uli Hoeness?» Die Diskussion darüber werde wieder losgehen, ob der Ex-Präsident des FC Bayern wie ein normaler Gefangener behandelt worden sei, weil er kein normaler Häftling sei. Hoeness sei von der bayrischen Justiz nicht geschont worden.

«Lieber Uli Hoeness»

Die gesetzlichen Regeln seien ausgeschöpft, aber nicht überschritten worden. Hoeness sei nicht vorbestraft gewesen, er habe mehr als 43 Millionen Euro zurückgezahlt, habe sich tadellos geführt. Die Gefahr, dass er erneut straffällig werde, gehe gegen null. Dass einem Verurteilten die Hälfte seiner Strafe erlassen werde, sei eine Seltenheit. Doch wer, wenn nicht einer wie Uli Hoeness, sollte in den Genuss dieser Ausnahmeregel kommen?, schliesst der Kommentar.

Die «Bild»-Zeitung spricht über Kolumnist Franz Josef Wagner in einem offenen Brief den ehemaligen Präsidenten des FC Bayern wohlwollend mit «Lieber Uli Hoeness» an. Es sei wunderbar für seine Familie, dass er Ende Februar ein freier Mann sei. «Aber wie wunderbar wird es für Sie? Haben Sie draussen, in Freiheit, nach wie vor Gefängnis-Klamotten an? Früher hatten Sie die Elite Deutschlands auf Ihrer Seite. Von Merkel bis Anne Will», schreibt Wagner. Das Wichtigste sei aber, dass Hoeness nicht mehr in einer Zelle sitze, dass er spazieren gehen könne mit seiner Frau. Die Gefängnistür habe sich geöffnet, eine andere Tür sei dafür aufgegangen. «Herzlichen Glückwunsch, Uli Hoeness, willkommen in der Freiheit.»

tn

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