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Fussballmärchen im Land des Donnerdrachen

Ein Berner Alternativ-Fussballteam fordert am Fuss des Himalaja die Nationalmannschaft Bhutans heraus.

Für Techniker aus Europa sind die unebenen und löchrigen Plätze in Bhutan eine Herausforderung.
Für Techniker aus Europa sind die unebenen und löchrigen Plätze in Bhutan eine Herausforderung.
Manuel Zingg

«Am 25.September landen wir im Städtchen Paro, welches eine Autostunde von Bhutans Hauptstadt Thimphu entfernt ist. Die Herzlichkeit der Gastgeber sowie die Ruhe und Sauberkeit des Landes prägen unsere ersten Eindrücke. Obwohl uns in der Schweiz gesagt wurde, es gäbe praktisch keine Fussballfelder am Fuss des Himalaja, erblicken wir bereits auf unserer Fahrt nach Thimphu einige. Am folgenden Tag absolvieren wir trotz Zeitumstellung und Schlafmangel eine erste Trainingseinheit auf 2736 Metern über Meer im Nationalstadion «Changlimithang». Die Szenerie ist atemberaubend: Eine Ehrentribüne verziert mit Holzschnitzereien, im Hintergrund von Gebetsfahnen übersäte Hügel. Die Nationalflagge wird von einem Drachen geschmückt. Es wird uns erklärt, dass der Donnerdrache das Symbol Bhutans ist. Die Rasenverhältnisse hingegen sind für europäische Verhältnisse eine Katastrophe. Es hat Löcher, an einigen Stellen Rinnen von Fahrzeugen. Das Gras wächst teils gar nicht, teils in wilden Büschen – auf diesem Feld würde in der Schweiz keine 5.-Liga-Mannschaft spielen.

In königlich blauen Trikots laufen wir am 27.September ins Nationalstadion ein. Die Fifa-Hymne wird gespielt, 3000 Zuschauer sorgen für eine tolle Atmosphäre. Eine Blaskapelle begleitet den Einmarsch des Prinzen, welcher die Equipen vor dem Anpfiff begrüsst. Wir starten gut in die Partie, bekunden mit einem Lattenschuss Pech. In der ersten Halbzeit fallen keine Tore – nicht zuletzt dank zahlreicher Paraden unseres Torhüters Thomas Hofer, welcher auf Grund seines unkonventionellen Auftretens zum Publikumsliebling avanciert. Obwohl im Durchschnitt einen Kopf kleiner als wir, können die bhutanischen Nationalspieler nach der Pause ihre physischen Vorteile ausspielen. Die ungewohnte Höhenlage mit der dünnen Luft macht sich bemerkbar. Wir verlieren 0:5, die Enttäuschung über die Niederlage weicht aber schnell. Als Gäste werden wir vom Prinzen beglückwünscht und vom Publikum gefeiert.

Nach unserem ersten Spiel reisen wir nach Jakar, Zentralbhutan. Auf der zwölfstündigen, kurvenreichen Fahrt offenbart sich uns eine eindrückliche Gebirgslandschaft. Bei zwei Schulbesuchen spielen wir Fussball mit Kindern und verteilen Schokolade und Fussballartikel. Insgesamt 200 Kilogramm Ware haben wir an Bord, der humanitäre Gedanke soll nicht zu kurz kommen. Wir wollen in Bhutan nicht bloss unser Fussballerego befriedigen, auch der kulturelle Austausch liegt uns am Herzen. Das Land ist stark traditionalistisch angehaucht. 90 Prozent der Bevölkerung betreiben Landwirtschaft – Bhutan ist der ländlichste Staat der Welt. Und dennoch: Es ist die Mischung, die ins Auge sticht. Oftmals sieht man Mönche mit Mobiltelefonen – ein seltsames Bild. In Jakar bestreiten wir ein Testspiel gegen eine lokale Equipe. Vor mehreren Schulklassen, Mönchen und Lokalpolitikern gewinnen wir die Partie klar mit 4:0.

Zurück in Thimphu, treten wir zu einer Revanche gegen die bhutanische Nationalmannschaft an. Die Partie endet 3:3, gegenüber dem ersten Spiel zeigen wir uns verbessert und treffsicherer. Die zuerst etwas zurückhaltenden und doch sehr freundschaftlichen Einheimischen beschenken uns im Anschluss mit ihren Trikots und verdeutlichen, dass das Projekt bleibende Spuren hinterlassen wird. Zu einem Rückspiel in der Schweiz wird es aber kaum kommen, der bhutanische Fussballverband verfügt nicht über die entsprechenden finanziellen Mittel.»

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