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Fussballprofi in der Schweiz im Hungerstreik

Er ist laut und furchtlos: Deniz Naki hat einen Mordanschlag überlebt – und will jetzt in Genf ein Zeichen setzen.

Deniz Naki gibt nicht auf. In der Türkei wurde sein Team von gegnerischen Fans angegriffen, im Januar wurde auf einer deutschen Autobahn sogar auf ihn geschossen. Drei Wochen nach dem Attentat sperrte ihn der türkische Verband lebenslang. Und jetzt ist der frühere St.-Pauli-Profi seit Montag in Genf vor dem UNO-Gebäude im Hungerstreik.

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Bilder: Der Fussballer Deniz Naki

Deniz Naki (vorne) spielte von 2009 bis 2012 bei St. Pauli und ist derzeit bei Amed SK in der dritten türkischen Liga engagiert.
Deniz Naki (vorne) spielte von 2009 bis 2012 bei St. Pauli und ist derzeit bei Amed SK in der dritten türkischen Liga engagiert.
Keystone
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Damit demonstriert er nicht etwa gegen seine Sperre – es geht ihm um viel Wichtigeres: den Syrienkrieg. «Mit diesem Hungerstreik möchten wir die Vereinten Nationen an ihre Verantwortung erinnern und gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der türkischen Regierung protestieren», sagt der in Deutschland aufgewachsene Kurde der «Welt». «Wir fordern, dass das türkische Militär und seine islamistischen Verbündeten sich aus Afrin zurückziehen und diesen Angriffskrieg endlich beenden. Hier sind die Vereinten Nationen gefragt!» Beim Protest dabei ist auch eine Gruppe aus türkischen Abgeordneten, Intellektuellen, Aktivisten und Bürgermeistern.

Am Sonntag marschierte die türkische Armee ins Zentrum der Kurdenregion Afrin ein, Präsident Recep Tayyip Erdogan verkündete stolz: «Der gesamte Ort ist seit 8.30 Uhr unter unserer Kontrolle.» Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, dass alleine durch den Beschuss eines Krankenhauses durch das Militär 16 Menschen getötet worden seien. Zehntausende befinden sich auf der Flucht.

Deutschland lieferte 354 Panzer

Nakis Kritik richtet sich auch an die deutsche Regierung: «Deutschland liefert Erdogan sogar Kriegswaffen. Warum wird ein Vökerrechtsbrecher unterstützt?» Medienberichten zufolge habe Deutschland der Türkei seit 2006 total 354 Panzer geliefert – diese sollen auch in Afrin zum Einsatz gekommen sein. Der 28-Jährige nimmt aber alle in die Pflicht: «Während all diese schweren Kriegsverbrechen begangen werden, das Völkerrecht gebrochen wird, schweigt die Welt.»

Der frühere U-19-Europameister mit Deutschland ist der türkischen Regierung schon seit längerem ein Dorn im Auge. Die «Zeit» nannte ihn im April 2017 den «Deniz Yücel des Fussballs». Der deutsch-türkische Journalist Yücel sass in der Türkei über ein Jahr in Untersuchungshaft. Wegen seiner politischen Positionierung wurde Naki im August 2017 von einem Fan auf dem Platz angegriffen, sein kurdisches Team wurde regelmässig von gegnerischen Anhängern angefeindet. Als trauriger Höhepunkt entkam er im Januar nur knapp einem Mordanschlag.

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Video: Der Anschlag auf Naki Anfang Januar

Deniz Naki wäre auf einer deutschen Autobahn beinahe erschossen worden. Tamedia/AFP

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Auf der A4 in der Nähe von seinem Geburtsort Düren wurde mitten in der Nacht auf sein Auto geschossen. Naki blieb unverletzt. Acht Wochen später sagte er der «Welt»: «Mir geht es so weit gut. Ich werde auch weiterhin weder schweigen, noch mich einschüchtern lassen.» Obwohl die Untersuchungen des Vorfalls noch andauern, glaubt Naki, dass der türkische Geheimdienst MIT hinter dem Angriff steckt. Neue Erkenntnisse gebe es noch nicht: «Ich warte ab, was dabei herauskommt.»

Seither kehrte der Fussballer wegen «massiver Sicherheitsbedenken» nicht mehr in die Türkei zurück. Viel Grund dazu hat er derzeit auch nicht mehr. Denn der türkische Verband sperrte ihn Ende Januar lebenslang und verhängte eine Geldstrafe von umgerechnet knapp 58'000 Euro. Grund: «Diskriminierung und ideologische Propaganda.» Zuletzt war Naki beim Drittligisten Amedspor in Diyarbakir unter Vertrag.

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