Grosse Augen, grosse Verletzungssorgen

FC Thun

Die Oberländer sind gegen Spartak Moskau klarer Aussenseiter – auch wenn sie vom Gegner starkgeredet werden.

Trotz Widrigkeiten zuversichtlich: Thun-Trainer Marc Schneider.

Trotz Widrigkeiten zuversichtlich: Thun-Trainer Marc Schneider.

(Bild: Keystone)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Europa-League-Spiele sind immer auch Reisen in eine fremde Welt. Jedenfalls machen die vier Journalisten aus Moskau grosse Augen, als sie am Mittwochabend feststellen, dass sie im Bauch der Stockhorn-Arena, gut 2700 Kilometer von zu Hause entfernt, gegenüber den Schweizer Medienvertretern in der Überzahl sind. «Ist das normal?», fragt einer, als Marc Schneider auf dem Podium sitzt. Der Trainer des FC Thun lacht, ehe der Medienchef die Erklärung liefert, dass die grosse Euphorie noch nicht ausgebrochen sei im Berner Oberland, das Interesse in der Gruppenphase dann aber wesentlich höher sein würde.

Nun, nur eine der beiden Mannschaften wird die Möglichkeit haben, weiter um den Einzug in ebendiese Gruppenphase zu spielen, und es ist allen Beteiligten klar, dass Spartak Moskau vor dem heutigen Hinspiel (19 Uhr), für das circa 6000 Zuschauer erwartet werden, als grosser Favorit in das Duell mit Thun steigt.

Hier der russische Rekordmeister, der einst im Halbfinal des Uefa-Cups stand, da der kleine Super-League-Verein, für den es ein Erfolg ist, überhaupt an dieser dritten Qualifikationsrunde teilnehmen zu können. «Wenn alles normal läuft, wird sich Spartak qualifizieren», sagt Schneider. Sein Antipode Oleg Kononow gibt sich zwar Mühe, den Gegner starkzureden, sagt, der Schweizer Fussball habe sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Er lobt die gute Organisation der Thuner und meint, sie verfügten über starkes und gefährliches Umschaltspiel. So richtig glaubwürdig klingt er jedoch nicht, wenn er meint: «Dass wir ein zehnmal höheres Budget haben, spielt keine Rolle. Das Spiel wird auf dem Platz entschieden.»

Der stürmende Verteidiger

Von den Floskeln schweifen die russischen Journalisten dann schnell ab, weg von der Europa League, befragen den Trainer zum anstehenden Ligaspiel gegen Grosny und zu den beiden Neuverpflichtungen André Schürrle und Guus Til. Letzterer, der Rekordtransfer, wird gegen Thun sicher nicht spielen, da er erst ein Training absolviert hat. Und als Samuel Gigot, der neben seinem Trainer sitzt, in den Fokus der Fragenden rückt, kann er sich das Lachen nicht verkneifen. Der französische Innenverteidiger wird gefragt, ob er denn auch als Stürmer spielen könnte. Der 25-Jährige antwortet, er habe bei den Junioren mal ein Spiel im Sturm gemacht. «Das ist aber schon lange her.»

Marc Schneider wäre sehr froh, könnte er derartige Gedankenspiele machen. Das würde nämlich bedeuten, dass die Verletzungssorgen beim FCT nicht so gross wären. Da sich aber im Spiel gegen Basel am Wochenende mit Kevin Bigler, Nicola Sutter (beide Rückenprobleme) und Kenan Fatkic (Gehirnerschütterung) gleich drei weitere Akteure verletzt haben, ist die Liste der Absenzen nun schon beträchtlich lang. «Wir werden sicher 11 Spieler aufs Feld schicken können, die fit und sehr motiviert sind», sagt Schneider, verrät aber, dass es auch solche sein werden, die bisher wenig oder gar nicht zum Einsatz gekommen sind.

Es sind nicht die besten Voraussetzungen für eine Partie, die Schneider als «Spiel des Jahres» bezeichnet. Und doch zeigt sich der 39-Jährige gewohnt zuversichtlich: «Über zwei Spiele ist alles möglich. Wir werden alles daransetzen, dieses kleine Fussballwunder zu schaffen.»

So könnte Thun spielen: Faivre; Glarner, Rodrigues, Havenaar, Joss; Castroman, Gelmi, Stillhart; Salanovic, Rapp, Hefti. – Ohne Hediger, Ziswiler, Karlen, Chihadeh, Bigler, Sutter, Fatkic (verletzt), Righetti, Wanner (krank).

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