Beste Freunde

Der FC Bayern München holt sich einen Sponsor aus Katar ins Haus. Sklavenarbeit? Menschenrechte? Nicht so wichtig.

  • loading indicator
David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Dem FC Bayern München gefällt es in Katar. So sehr, dass er sein winterliches Trainingslager da nun schon zum sechsten Mal abgehalten hat. Im Kleinstaat am Persischen Golf gefällt es auch Trainer Pep Guardiola sehr gut, sonst würde er kaum den Botschafter für jenes Land geben, das 2022 die Fussball-WM ausrichtet. Angeblich erhielt der Spanier für diesen Deal einen zweistelligen Millionenbetrag.

Dass das Land rundherum kritisiert wird für die Verletzung von Menschenrechten, für die systematische Ausbeutung von ausländischen Arbeitskräften; dass Amnesty International unmissverständlich von Sklavenarbeit spricht; dass Katar Milliarden in Kriege investiert, indem es mutmasslich islamistische Gruppen unterstützt; dass ausserdem die Vergabe der Weltmeisterschaft kaum mit rechten Dingen vonstattengegangen war – Guardiola rührt das so wenig wie seine Vorgesetzten.

Rummenigge und die Rolex

Als Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende, wieder einmal aus Katar nach München zurückflog, da trug er zwei schöne Rolex-Uhren auf sich. Wert: gegen 250’000 Euro. So viel jedenfalls betrug die Busse, weil er sie nicht verzollt hatte. Es sei ein «Geschenk von Freunden», hatte Rummenigge damals, 2013, ausgesagt.

Tatsächlich: Sie sind gute Freunde, die Jungs vom FC Bayern und die Scheichs von Katar. Während Guardiola Trainer des FC Barcelona war, heuerte die halbstaatliche Qatar Foundation als Hauptsponsor an – bei einem Club notabene, der davor nie einen Hauptsponsor gehabt hatte. Und nun, das wurde am Mittwoch bekannt, sponsert neu der Flughafen der Hauptstadt Doha den FC Bayern. Der Flughafen gehört Qatar Airways und ist somit zu hundert Prozent in staatlicher Hand.

Sieht man, wie der Club jeweils für seine Trainingslager in der Wüste kritisiert wird, hat diese millionenschwere Zusammenarbeit erst recht Sprengkraft. Selbst bei den eigenen Fans. «Wir betrachten die Reise nach Katar aufgrund der dortigen Menschenrechtsverletzungen sehr kritisch», mahnte der Club Nr. 12, eine Dachorganisation aktiver Fans, zuletzt. «Schönes Wetter sollte nicht das einzige Kriterium bei der Auswahl eines Trainingslagers sein», sagte der SPD-Europaparlamentarier Norbert Neuser.

Das soziale Gewissen hat Winterpause

Unbeirrt erklärte Rummenigge indessen stolz: «Diese Partnerschaft ist ein weiterer Schritt in unserer Internationalisierungsstrategie.» Diese umfasst Trips nach Fernost und Nordamerika, vor einiger Zeit hat der FC Bayern in New York eine Filiale eröffnet.

Es gab Zeiten, da waren die Bayern für ihr soziales Gewissen und ihre familiäre Atmosphäre bekannt, was für einen Club dieser Grössenordnung bemerkenswert war.

Nun haben diese Werte gerade Winterpause. Ja, vor einem Jahr hatten die Bayern sogar einen Ausflug nach Saudiarabien für eine gute Idee gehalten – während zur selben Zeit der bekannte saudische Journalist Raif Badawi mit 1000 Peitschenhieben für kritische Blogeinträge über den Islam bestraft wurde. Die Bayern entschuldigten sich hinterher für diesen fragwürdigen Ausflug. Sie hätten dabei sensibler sein sollen, liessen sie verlauten.

Der lustige Franz

Weniger Bedenken scheint Rummenigge im Fall Katar zu haben, und wenn doch, so ist es schliesslich «Teil der Kooperation, dass gemeinsam soziale Projekte und der Dialog über gesellschaftspolitisch kritische Themen» gefördert werden. Dass es aus Bayern-Sicht allerdings gar nicht so viel zu regeln gibt, hat Ehrenpräsident Franz Beckenbauer einst bereits deutlich gemacht. «Ich habe in Katar noch keinen einzigen Sklaven gesehen», erzählte er einst fröhlich.

Böse ist Katar hingegen, wenn andere da hingehen. Die stets böse Fifa zum Beispiel. Nachdem im Dezember 2010 die WM 2022 in den Staat ohne Fussballtradition vergeben worden war, wetterte der damalige Bayern-Präsident Uli Hoeness über den Weltverband: «Die Fifa lässt derzeit kein Fettnäpfchen aus. Ein Skandal jagt den anderen.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt