Zum Hauptinhalt springen

«Ich habe nur die Sinne geschärft»

Martin Schmidt feiert mit Mainz die perfekte Premiere. Nach dem 3:1 gegen Frankfurt wird der Walliser mit Lob eingedeckt.

«Wenn man immer laut ist, wird man irgendwann überhört»: Martin Schmidt will in Zukunft seine Stimme schonen.

Es ist ein kleines Märchen, fast zu schön, um wahr zu sein. Vor einer Woche war Martin Schmidt noch ein unbekannter Fussballlehrer mit einer Vergangenheit als Automechaniker, Bergführer und Extremskifahrer. Das Leben des 47-jährigen Wallisers hat sich innerhalb von fünf Tagen radikal geändert. Am Montag war er in Mainz noch der Ausbildner der Junioren, am Dienstag ersetzte er Kasper Hjulmand als Cheftrainer und triumphierte am Samstag gegen Frankfurt. «Das war ein schöner Ausgang einer aufregenden Woche», krächzte Schmidt mit angeschlagener Stimme.

Beeindruckend war nicht nur, wie Mainz die Partie von 0:1 zum 3:1 drehte, sondern mit welcher Intensität das Heimteam das Rhein-Derby bestritt. Über 260 Sprints verzeichnete die Statistik der Mainzer Mannschaft nach dem Spiel – das ist clubinterner Saisonrekord. Mainz-Verteidiger Niko Bungert hatte dafür nur eine Erklärung: «Wenn du siehst, dass ein Trainer brennt, hilft das auch auf dem Platz.» Wie eine Raubkatze tigerte Schmidt in seiner Coachingzone und fauchte dabei pausenlos aufs Feld. «Wie ein zwölfter Feldspieler», kommentierte Mainz-Manager Christian Heidel die Wirkung der virtuellen Verstärkung. Vom Schreihals zum Leisetreter

Die ansteckende Ausstrahlung erinnert stark an die Ära von Jürgen Klopp (2001–2008) und Thomas Tuchel (2009–2014). Die berühmten Vorgänger haben Schmidt während seiner fünf Mainzer Jahre als Juniorentrainer auch stark geprägt, wie er sagt. «Tuchel hat mich mit seinem Fussballfieber angesteckt.» Trotz aller Leidenschaft will Schmidt den taktischen Elementen den Vorzug geben und vor dem nächsten Spiel gegen Hoffenheim als Leisetreter in Erscheinung treten. «Wenn man immer laut ist, wird man irgendwann überhört. Jetzt sind Inhalte gefragt. Die Analyse muss in die Arbeit einfliessen. Immer nur mit Leidenschaft geht nicht. Gegen Frankfurt hat es funktioniert, aber das passt nicht immer.»

Die drei Punkte gegen Frankfurt haben den Mainzern im Abstiegskampf etwas Luft verschafft, eine Trendwende weist Schmidt jedoch weit von sich. «Ich bin kein Wunderheiler. Ich habe diese Woche die Mannschaft nicht neu erfinden können. Ich habe nur die Sinne geschärft. Was bei den Spielern auf der Festplatte war, habe ich angesteuert.» Nach einer Negativserie von nur einem Sieg aus dreizehn Spielen hat es bei der Mannschaft dank Schmidt offensichtlich klick gemacht. (sr)

Das 3:1 von Mainz gegen Frankfurt:

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch