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Ist Bayerns Tragödie Shaqiris grosse Chance?

Die Bayern haben Titel, Pokal und die Champions League verspielt. Experten wie Günter Netzer sagen in Redaktion Tamedia, was jetzt in München passiert – und was es für Xherdan Shaqiri bedeutet.

Der geknickte Arjen Robben, der in der Verlängerung einen Elfmeter verschoss, wird nach dem verlorenen Champions-League-Final gegen Chelsea von seiner Frau Bernadien getröstet.
Der geknickte Arjen Robben, der in der Verlängerung einen Elfmeter verschoss, wird nach dem verlorenen Champions-League-Final gegen Chelsea von seiner Frau Bernadien getröstet.
Keystone
Der Holländer ist jedoch untröstlich.
Der Holländer ist jedoch untröstlich.
Keystone
Der einsamste Mensch war Bayerns Trainer Jupp Heynckes.
Der einsamste Mensch war Bayerns Trainer Jupp Heynckes.
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Der Holländer Arjen Robben wird schon als erster Sündenbock ausgemacht. Der Stürmer hat in der Meisterschaft im vorentscheidenden Spiel gegen den späteren Meister Dortmund einen Elfmeter verschossen, scheiterte an Roman Weidenfeller. Robben, der in der Gruppe als Egoist gilt, wollte am Samstag im Final der Champions League zum grossen Helden avancieren. Doch in der Verlängerung gegen Chelsea versagten ihm die Nerven erneut, Petr Cech parierte seinen Penalty. Jetzt steht die Frage im Raum: Wird der holländische Vizeweltmeister verkauft, obwohl man den Vertrag mit ihm erst gerade verlängert hat?

Bei den Bayern wird man jetzt eine schonungslose Analyse machen. In der Champions League hat der Rekordmeister 60 Millionen Euro eingenommen. Einen Teil davon wird man nach der erfolglosen Saison, in der man alle Titel verspielt hat, mit Garantie in neue Spieler investieren. Einen Transfer haben die Bayern ja schon getätigt. Der Schweizer Internationale Xherdan Shaqiri kommt für vier Jahre. «Shaqiri kann jetzt in München nur noch gewinnen», sagt Bundesligaexperte Jörg Stiel gegenüber Redaktion Tamedia. Robben sei sein grösster Konkurrent. «Doch der Holländer hat bei den Fans und möglicherweise auch bei den Verantwortlichen jeglichen Kredit verspielt», mutmasst der ehemalige Schweizer Nationaltorhüter. Shaqiri komme mit breiter Brust und schon als Sieger zu den Bayern. «Er bringt den Schweizer Doublesieg mit. Um ihn mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Er ist unbekümmert und wird sich mit seiner positiven Frechheit auch in einem Starensemble der Bayern durchsetzen.»

«Jetzt kann Shaqiri sogar zum Publikumsliebling werden»

Der ehemalige GC-Trainer Ciriaco Sforza hat mit den Bayern Meisterschaft, Pokal, die Champions League und den Weltpokal gewonnen. «Für die Bayern ist der Verlauf der Saison natürlich furchtbar enttäuschend. Die werden jetzt mit Sicherheit einige Transfers machen», versichert der ehemalige Nationalspieler gegenüber Redaktion Tamedia. Er sei sich auch nicht sicher, ob Trainer Jupp Heynckes überhaupt noch weitermache. Auch einen Verkauf Robbens schliesst Sforza jetzt nicht mehr aus. Die neuen Spieler und auch ein möglicherweise neuer Trainer könnten in München in der kommenden Saison eigentlich nur noch gewinnen. «Doch Xherdan Shaqiri muss auf ‹Achtung, fertig, los› parat sein», sagt Sforza. «Man darf auch nicht vergessen, dass der Franzose Ribéry, der Holländer Robben und die deutschen Nationalspieler der Bayern noch die Europameisterschaft spielen. Das kostet Substanz. Die müssen sich zuerst einmal erholen und den Akku wieder aufladen. Und das ist die grosse Chance für Shaqiri, sich sofort einen Stammplatz zu sichern. Diese muss und kann er packen», glaubt Sforza. Er müsse aber frech und selbstbewusst auftreten. «Shaqiri kann in München einer werden wie Mehmet Scholl. Mit seiner unbekümmerten Spielweise traue ich ihm sogar zu, dass er nach dem Bayern-Drama sogar zum Publikumsliebling werden kann.»

«Shaqiris Situation hat sich nicht verändert»

Der deutsche Weltmeister Günter Netzer war am Samstag in München dabei. «Für die Bayern ist der Verlauf und insbesondere das Ende dieser Saison natürlich eine Tragödie», sagt der Experte gegenüber Redaktion Tamedia. Man würde in München jetzt die notwendige Analyse machen. Das habe man schon nach der verspielten Meisterschaft und dem verlorenen Pokalendspiel angekündigt. «Dortmund, das die Meisterschaft und den Pokal gewann, wird immer noch stärker. Und darauf müssen und werden die Bayern auch personell reagieren», so Netzer. Die Mannschaft werde in der kommenden Saison ein neues Gesicht haben. Im Fall von Shaqiri denkt Netzer hingegen nicht wie Stiel oder Sforza. «Er ist ein hochtalentierter junger Spieler. Er hat einen wunderbaren Vertrag und kommt zu einem wunderbaren Verein», so Netzer. Doch Shaqiris Situation habe sich durch die schlechte Saison der Bayern nicht verändert. «Er kann sein grosses Potenzial nur dann ausschöpfen, wenn er sich in Deutschland weiterentwickelt.»

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