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Kroos über Özil: «Hoher Anteil an Quatsch»

Scharfe Kritik an Mesut Özil und seine eigene Zukunft im deutschen Nationalteam: Toni Kroos spricht erstmals seit dem frühen WM-Aus.

Die Chronik im Fall Özil. Video: Tamedia.

Er warf hohe Wellen, der offene Brief von Mesut Özil. In einer dreiteiligen Botschaft verkündete der 28-Jährige seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft. Darin warf er DFB-Führungsleuten Rassismus vor – insbesondere Präsident Reinhard Grindel.

Lange schwiegen seine Mitspieler dazu. Nun hat sich aber Toni Kroos in die Debatte eingeschaltet. In einem Interview mit der «Bild» nannte er Özil zwar einen «lieben Kerl», um ihn anschliessend aber hart zu kritisieren: «Die Art und Weise seines Rücktritts war nicht in Ordnung. Der Anteil, der in seiner Erklärung gut und richtig angesprochen wird, wird leider durch den wesentlich höheren Anteil an Quatsch überschattet.»

Kroos ist sich sicher, dass Özil selbst wisse, dass es innerhalb der Nationalmannschaft und des DFB keinen Rassismus gäbe: «Ganz im Gegenteil: Wir setzen uns ja immer wieder aus Überzeugung für Vielfalt und Integration ein. Mesut war dafür ein gutes Beispiel, wie viele andere unserer Mitspieler auch.»

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Bilder: Die Medienschau zu Özils Rücktritt

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Weiter sagte der Real-Mittelfeldspieler, dass es zwar peinlich wäre, sich als Team hinter der Debatte um das Foto von Özil und Gündogan mit Erdogan zu verstecken, aber: «Ich denke, Mesut und Ilkay hat das schon beschäftigt. Ob stark beeinträchtigt, das müssen sie selbst beantworten.» Die Diskussion sei aber vor allem öffentlich ausgetragen worden.

Debatte im Team kaum ein Thema

Kroos selber denkt noch lange nicht an einen Rücktritt aus dem Nationalteam: «Ich werde den Weg bis zur EM 2020 weitergehen und habe mir selbst als grosses Ziel gesetzt, dass wir deutlich erfolgreicher sind als zuletzt.» Seine Frau Jessica sei die Erste gewesen, die ihm gesagt habe, er könne so nicht aufhören. Und auch sein fünfjähriger Sohn Leon habe Überzeugungsarbeit geleistet: «Er ist nun mal grosser Fan von Real und der Nationalmannschaft. Da wäre es schwer gewesen, Nein zu sagen.» Allerdings betonte Kroos, dass er künftig Ruhepausen im Nationalteam benötigen würde: «Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw, der Verständnis für meine Überlegungen und Erklärungen hatte.»

Ein Mitspieler verteidigt Özil

In eine andere Richtung als Kroos ging Timo Werner. Der Stürmer sprach sich gegenüber der «Sport Bild» für ein Comeback von Özil aus: «Ich glaube, dass viele in der Mannschaft glücklich wären, wenn er sagen würde: ‹Ich mache es nochmal.› Er ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann.» Ausserdem sei Özil im Team hoch angesehen.

Zur Art und Weise vom Rücktritt seines ehemaligen Nationalteamkollegen sagte Werner: «Ich finde es schade, dass es so endete. Er hat viel für Deutschland geleistet, beim WM-Titelgewinn in Brasilien war er Stammspieler. Man wünscht sich, dass sich beide Parteien nochmals zusammensetzen und nicht auf diese Weise auseinandergehen.»

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