Kurzes Zittern und langer Jubel

Der FC Basel steht dank des 2:0-Siegs bei Benfica Lissabon zum vierten Mal in den Achtelfinals der Champions League.

  • loading indicator

Zum Glück war Dimitri Oberlin im Moment seines Tores noch nicht über die neuste Entwicklung in Manchester informiert, andernfalls hätte man beim Basler Stürmer eine Zerrung befürchten müssen. Die Nummer 19 hatte gerade eine Kopfballvorlage von Manuel Akanji ebenfalls per Kopf eingenickt und das 2:0 ausgelassen gefeiert. Hätte er gewusst, dass in diesen Sekunden in England Romelu Lukaku den Ausgleich für die United erzielt hatte, wäre der Jubel wohl noch stärker ausgefallen. Man schrieb in Manchester die 64. Minute, in Lissabon die 65. und als eine weitere Minute später Marcus Rashford das Team von José Mourinho in Führung schoss, war der letzte Rest Unsicherheit vorbei. Einige Minuten zuvor hätte jeder Treffer Benficas den Schweizer Meister mindestens virtuell kurzzeitig aus der Champions League verbannt.

Lissabon mit zweiter Garde

Mit einem Mal war es also vorbei, das Zittern. Es war trotz der frühen 1:0-Führung durch Mohamed Elyounoussi in der 5. Minute aufgekommen, einerseits, weil ZSKA Moskau gewillt war, seine kleine Chance auf das «Wunder von Manchester» wahrzunehmen und seit der Nachspielzeit der ersten Hälfte 1:0 führte. Andererseits war die Zusatzspannung entstanden, weil die Basler Benfica das Spieldiktat nach dem Traumstart exzessiv überlassen hatten. An Motivation fehlte es den Portugiesen nicht, obwohl das Team mit null Punkten chancenlos auf ein Weiterkommen war. Trainer Rui Vitoria hatte seine Ankündigung wahr gemacht und seiner zweiten Garde Auslauf gegeben – nur zwei Spieler, die am Freitag beim Klassiker in Porto (0:0) begonnen hatten, standen in der Startelf. So erhielt auch Haris Seferovic wieder einmal eine Bewährungschance und kam in der 37. Minute aus der Distanz auch zu einem guten Abschluss.

Nun konnten die Basler also entspannt aufspielen, die Uhr runterlaufen lassen, bis ihre vierte Qualifikation für die Top 16 in Europas Clubfussball feststand. Und am Schluss stand da sogar die etwas schmeichelhafte Null. Spätestens jetzt dürfte Tomas Vaclik froh gewesen sein, dass er im Sommer nicht zu Benfica gewechselt hatte.

Minutenlang liessen sich die Spieler anschliessend vor ihrer Kurve feiern. Die Nacht von Lissabon war weniger spektakulär als jene im St.Jakobpark gegen Benfica (5:0) und Manchester United (1:0). Sie fügt sich aber letztlich nahtlos in eine hervorragende Kampagne ein. In einer starken Gruppe zeigte sich der FC Basel ab dem zweiten Spiel von seiner besten Seite und schaffte eine Trendwende, die ihm Mitte September niemand zugetraut hätte. Zwölf Punkte aus sechs Partien, so erfolgreich war der FCB noch nie in einer Gruppenphase. 2011/2012 hatte das Team elf Zähler geholt.

7 Millionen Franken Prämie

Der Captain hiess damals Marco Streller, und dem heutigen Sportchef kann herzlich egal sein, dass die Bestmarke verbessert wurde. Er erhielt in Lissabon den letzten Beweis, dass der so schlecht in die Saison gestartete FCB auf dem richtigen Weg ist. Wenn am Montag die Achtelfinals in Nyon ausgelost werden, spielt der FCB im Konzert der Grossen weiter mit und darf wieder auf einen ganz grossen und lukrativen Gegner hoffen. Durch das Weiterkommen verdient der FCB weitere 7 Millionen Franken an Prämien sowie knapp fünf Millionen für das nächste Heimspiel, damit bringt die diesjährige Kampagne gegen 40 Millionen Franken ein. Mindestens.

Telegramme und Rangliste

Benfica Lissabon - Basel 0:2 (0:1)
SR Gil Manzano (ESP).
Tore: 5. Elyounoussi (Lang) 0:1. 65. Oberlin (Akanji) 0:2.
Benfica Lissabon: Svilar; Douglas, Lisandro, Jardel, Eliseu; João Carvalho, Samaris (73. Almeida), Pizzi (73. Barbosa) ; Zivkovic, Seferovic, Diogo Gonçalves (62. Jonas).
Basel: Vaclik; Suchy, Akanji, Balanta; Lang, Xhaka, Zuffi, Petretta (82. Riveros); Steffen (94. Fransson), Oberlin (88. Bua), Elyounoussi.
Bemerkungen: Benfica ohne Ruben Dias (verletzt). Basel ohne van Wolfswinkel, Serey Die, Vailati (alle verletzt) und Gaber (krank).
Verwarnungen: 9. Xhaka. 63. Akanji. 68. Samaris. 74. Petretta (alle Foul).

Manchester United - ZSKA Moskau 2:1 (0:1)
SR Rocchi (ITA).
Tore: 45. Dsagojew 0:1. 64. Lukaku 1:1. 66. Rashford 2:1.
Manchester United: Romero; Lindelöf, Smalling, Blind; Valencia (72. Tuanzebe), Herrera (67. McTominay), Pogba, Shaw; Mata; Lukaku (74. Martial), Rashford.
ZSKA Moskau: Akinfejew; Wassili Beresuzki, Wassin, Ignaschewitsch; Fernandes, Golowin, Kutschajew, Nababkin (91. Chossonow); Vitinho (82. Schamaletdinow), Schalow (67. Gordjuschenko); Dsagojew.
Bemerkungen: Manchester United ohne Bailly, Carrick Fellaini (verletzt), Ibrahimovic, Matic und Rojo (alle geschont), ZSKA Moskau ohne Alexej Beresuzki, Milanov, Schennikow (alle verletzt), Natcho und Wernbloom (beide gesperrt).
Verwarnungen: 57. Wassili Beresuzki (Foul). 73. McTominay (Foul).

Resultate: Benfica Lissabon - Basel 0:2 (0:1). Manchester United - ZSKA Moskau 2:1 (0:1).

Rangliste: 1. Manchester United 6/15 (12:3). 2. Basel 6/12 (11:5). 3. ZSKA Moskau 6/9 (8:10). 4. Benfica Lissabon 6/0 (1:14).

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt