YB lächelt im Teufelskreis

Die von Verletzungen gezeichneten Young Boys kommen gegen Sion zu einem 3:2 - es ist ihr erster Sieg in der Super League nach drei Unentschieden.

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Dominic Wuillemin

Zuerst huscht Fabian Lustenberger ein Lächeln übers Gesicht. Dann vertont der YB-Captain den Eindruck: «Dieser Sieg ist enorm wichtig für das Gemüt.»

Es ist der Moment nach dem 3:2 gegen Sion, dem ersten Erfolg des Meisters in der Liga seit Ende August. «Wir mussten uns diesen Sieg hart erkämpfen, gingen auf dem Zahnfleisch», sagt Lustenberger. Und sein Trainer Gerardo Seoane stellt fest: «Das war eine grosse Willensleistung.»

Dass es diese benötigte, lag auch am FC Sion. Die Walliser zeigten vor allem in der zweiten Halbzeit, warum sie sich in der oberen Tabellenhälfte etabliert haben.

«Wir hatten unsere Chancen», sagt Stéphane Henchoz. Der Trainer gibt sich zufrieden, spricht von einer starken Reaktion nach der Pause. Und doch reiht auch er sich in eine wenig ruhmvolle Liste Walliser Coaches ein.

Seit nun über 23 Jahren wartet Sion auf einen Meisterschaft-Erfolg in Bern. Dabei schien der Moment günstig, diese Serie endlich zu brechen. Das lag an den Wallisern selbst, die als punktgleicher Dritter zum Zweiten nach Bern reisten. Aber auch am Gegner, der nicht seine beste Phase durchlebt. Dreimal in Folge waren die Young Boys in der Liga zuvor sieglos geblieben. Das gab es unter Seoane überhaupt noch nie.

Und nach dem 1:1 unter der Woche in Thun hatten sich die Vorzeichen nicht verbessert. Mit Mittelfeldspieler Vincent Sierro verletzte sich ein achter Spieler. Er dürfte bis Ende Jahr ausfallen.

Das breite YB-Kader, zusammengestellt für die englischen Wochen im Herbst, ist ausgedünnt. Gegen Sion sassen vier Nachwuchsspieler auf der Ersatzbank. YB-Sportchef Christoph Spycher spricht danach von einem Teufelskreis. Weil mit jedem Verletzten mehr die Belastung für die gesunden Spieler zunehme.

Er denkt an Assalé und Ngamaleu, die oft zum Einsatz gekommen waren und nun mit muskulären Beschwerden ausfallen. Dennoch dürften die Young Boys darauf verzichten, in den nächsten Tagen einen vertragslosen Spieler zu verpflichten. Weil ein solcher kaum Soforthilfe bieten könne, sagt Spycher. «Wir wollen diesem Team vertrauen.»

Die zweite Halbzeit wurde der Affiche gerecht

Zwei Stunden zuvor schienen sich die schlechten Vorzeichen noch zu bestätigen. Acht Minuten waren erst gespielt, als Sion-Stürmer Roberts Uldrikis im Stade de Suisse zur Führung traf.

Aber Michel Aebischer, immer mehr an Einfluss gewinnend, glich kurz darauf aus. Und nach gut zwanzig Minuten war es erneut der junge Freiburger, der glänzte: Diesmal legte er mustergültig für Jean-Pierre Nsame auf. Es war schon das achte Tor des Stürmers. «Uns fehlte es in dieser Phase an Konzentration», sagte Henchoz.

Er zog in der Pause die richtigen Schlüsse. Birama Ndoye glich kurz darauf zum 2:2 aus. Die Partie war nun so, wie man sich das bei dieser Ausgangslage erhofft hatte: intensiv, schnell - mit Chancen hüben wie drüben.

Nach 56 Minuten konnte Christian Fassnacht auf 3:2 erhöhen. Und womöglich wäre schon bald darauf die Entscheidung gefallen, hätte das Tor von Guillaume Hoarau gezählt.

Doch Schiedsrichter Fedayi San annullierte es nach Konsultation der Videobilder zurecht. Nsame hatte zuvor den Ball mit dem Oberarm mitgenommen. Und so mussten die Young Boys bis zum Schluss zittern.

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